Verschwundener Saarburger Gorilla taucht aus der Leuk auf

Verschwundener Saarburger Gorilla taucht aus der Leuk auf

Die Aufregung ist groß, nachdem bekannt wurde, dass eine der in der Saarburger Innenstadt aufgestellten Plastiken am Wochenende verschwunden war. Am Montag dann das glückliche Ende: Die Skulptur liegt im Schlick des Leukbachs.

Foto: Alexander Schumitz
Foto: Alexander Schumitz

Saarburg ist nicht Amsterdam, nicht Paris oder Oslo. An allen drei Orten wurden schon bedeutende Bilder - etwa von Pablo Picasso, Vincent van Gogh oder Edvard Munch - aus bestens gesicherten Museen gestohlen. Anschließend schicken Kunstversicherer regelmäßig die besten Detekteien auf die Suche nach den geklauten Werken.

Dass so ein Krimi vielleicht am Wochenende in Saarburg begonnen hat, hätte sich wahrscheinlich kaum jemand in der knapp 7000 Einwohner zählenden Stadt bis zum Freitag vorstellen können. Aber am Samstag meldete die Polizei dann, dass in der Nacht unbekannte Täter am Markt in Saarburg eine "Metallskulptur entwendet" hätten. Die hätten sie mit "grober" Gewalt aus ihrer Verankerung gelöst und mitgenommen. Gleichzeitig, heißt es in der Polizeimeldung, seien mehrere Stühle eines nahen Eiscafés in die Leuk geworfen worden.

Bei der demontierten Skulptur handelt es sich um die Bronzeplastik "Der Denker" von Hadrien David. Der in Paris lebende Künstler modellierte einen Gorilla in der Pose des berühmten Denkers, den der französische Künstler Auguste Rodin (1840 - 1917, siehe Info) schuf. Die Plastik des 35-jährigen Künstlers stand zum Preis von 25.000 Euro im Katalog der Skulpturenausstellung, die noch bis zum 15. Oktober in der Saarburger Innenstadt zu sehen ist.

Gestern Früh hatte dann Hans-Werner Bodem die richtige Idee. "Lasst uns mal das Wasser aus der Leuk ablassen", schlug der Mitarbeiter des städtischen Bauhofs den Kolleginnen im Amüseum vor. Gesagt, getan - nachdem der Pegel dann rund einen halben Meter abgesenkt war, tauchte die Figur im Schlick der Leuk auf. Schnell kam der städtische Radlader mit montierten Kran vom Bauhof an den Buttermarkt. Und dann ging es ans Bergen der Plastik. Vorsichtig dreht Bodem die Skulptur im Matsch so, dass sie mit stabilen Bändern aus dem Wasser gehoben werden kann. Wenig später liegt sie neben dem Steinblock, von dem sie mit Gewalt in die Leuk hineingeworfen worden war.

"Wir sind natürlich super glücklich, dass die Skulptur wiederaufgetaucht ist", sagt Sandra Gehlen, Pressesprecherin der Stadt Saarburg. Natürlich stelle auch sie sich die Frage, wie die Skulpturen besser gegen Vandalismus und Diebstahl geschützt werden könnten. "Man kann sie ja schlecht hinter Glasscheiben stellen. Die können auch kaputtgemacht werden. Und man soll die Plastiken auch anfassen können. Davon lebt so eine Ausstellung." Auch die Idee Sicherheitskräfte anzustellen, die die Ausstellung rund um die Uhr bewachen missfällt ihr. "Dann wird so etwas unbezahlbar", sagt Gehlen.

Ob der "Gorilla" wieder in Saarburg gezeigt wird? Da ist sich Gehlen nicht sicher. Jetzt sei er erstmal zum Reinigen in den Bauhof gefahren worden. Erst danach wisse man, ob die Plastik beim Sturz ins oder durch das Liegen im Wasser Schäden bekommen habe. Danach werde man darüber zusammen mit der Galeristin Marie-Thérèse Boyrié aus Saarburgs Partnerstadt Sarrebourg entscheiden. Boyrié hatte die Ausstellung kuratiert.

Die Polizeiinspektion Saarburg bittet Zeugen, die Angaben zu dem Vorfall machen können, sich mit ihr unter der Telefonnummer 06581/9155-0 in Verbindung zu setzen.

"Der Denker" von Auguste Rodin (1840 - 1917) ist einer der Marksteine der europäischen Kunstgeschichte. Sie ist wegweisend für die Moderne, beginnt mit ihr doch ein neues Zeitalter dreidimensionalen Schaffens. Entstanden ist sie zwischen 1880 und 1882. Zunächst gab es nur eine kleine Version in der Größe von 72 Zentimetern, 20 Jahre später hat Rodin sie auf 181 Zentimeter vergrößert. "Der Denker" ist eine von 186 Figuren für das Höllentor, das der Künstler für das Musée des arts décoratifs entwarf. Dabei griff Rodin Themen aus der Göttlichen Komödie des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265 - 1321) auf.

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