Vom Lehmkern zum perfekten Glockenklang

Vom Lehmkern zum perfekten Glockenklang

Mehr als 230 Jahre lang haben die klingenden Kunstwerke der Saarburger Glockengießerfamilie Mabilon ihren Weg in die weite Welt hinaus angetreten. Beim Aktionstag "MitMachMuseum4You" konnten Besucher in der ehemaligen Glockengießerei die Entstehung einer Glocke nachvollziehen - oder sich ein Modell herstellen.

Saarburg. Glocken aus der früheren Gießerei Mabilon, manche bis zu fünf Tonnen schwer, sind in der ganzen Welt zu finden - in der Trierer Liebfrauenkirche ebenso wie in Echternach, Düsseldorf und Afrika. Vor 12 Jahren wurde hier die letzte Glocke hergestellt, sie ging nach Lima in Peru. Wie kompliziert die Herstellung einer Glocke ist, konnten die Besucher des heutigen Museums am Tag der offenen Tür erleben, mit dem die Kulturgießerei in die neue Saison gestartet ist.
Luis Wurz aus Saarburg malt das Wappen von Gründer Urbanus Mabilon in kräftigen Farben aus: die erste Station des neuen Mitmach-Parcours, geschaffen von Carina Klein, die ihr freiwilliges soziales Jahr in der Glockengießerei absolviert. An acht Stationen wollen etwa die Zutaten zu einer Glocke blind ertastet und Rätsel um die Glockenherstellung gelöst werden. Zum Schluss formt Luis eine Glockenkrone aus Ton.
"Der Barfußpfad hat mir auch gut gefallen", sagt der Neunjährige. "Kinder, aber auch Menschen mit Handicap oder Demenzerkrankung sollen mit allen Sinnen erfahren können, wie ein Glockenguss vor sich geht", sagt Geschäftsführerin Anette Barth. Der Parcours solle noch erweitert werden, etwa um ein Klangelement.
"Eingeläutet" wurde der Aktionstag "MitMachMuseum4You" durch ein Konzert am Vorabend: "Jack in the Green" sorgte vor 100 Gästen mit Instrumenten wie Dudelsack, Geige, Flöten und Perkussion für vielfältige Klangwelten, von rau und rockig bis zu romantisch-verträumt. Das Herstellen einer eigenen kleinen Glocke - aus Gips, Ton und Wachs - bietet Künstlerin Cordue an; Kinder können sich auf die Jagd nach "Mister X" begeben, der eine wertvolle Glocke gestohlen hat.
Gästeführerin Beate Brammer erläutert den Museumsbesuchern den Werdegang einer Glocke, vom Glockenkern aus Lehmziegeln über die "falsche Glocke", den "Mantel" und die Krone aus einem Lehm-Pferdeäpfel-Kälberhaar-Gemisch bis hin zum Guss der bis zu 1200 Grad heißen Bronze in die in einer Grube vergrabenen Glockenformen. Die 200 Besucher erfahren viel Wissenswertes, etwa dass in China bereits vor 6000 Jahren Glocken hergestellt wurden, dass aber erst die seit dem Mittelalter übliche Glockenform den guten Klang garantiert - und dass der Vater von Gießereigründer Urbanus Mabilon in der Festung Ehrenbreitstein Kanonen gegossen hat.
Maren Kiff (11) aus Merzig schlägt mit dem Hammer an eine von drei schön verzierten Glocken.
"Spannend fand ich die Schilderung, wie die heiße Bronze durch die Kanäle in die Glockenformen fließt", sagt sie über den Rundgang. "Ich fand es faszinierend, wie kompliziert und aufwendig der Werdegang einer Glocke ist", sagt ihre Mutter Christine Mohm. Und Großvater Lothar erinnert sich: "Ich war schon in den 1960er Jahren hier, wie noch Glocken hergestellt wurden. Da konnte man sich hier nicht so frei bewegen!"
Info: Für September bietet die KulturGießerei wieder Plätze im Rahmen von Freiwilligem Sozialem Jahr u nd Bundesfreiwilligendienst an. Kontakt: info@kulturgiesserei-saarburg.de