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Infrastruktur
Konz: Das passiert im gigantischen Lager der Bahn (Video)

Konz. Weil in München ein S-Bahn-Übergang saniert werden muss, herrscht in einem Konzer Lager für Bauteile Hochbetrieb. Am Zielort der Teile ist eine architektonische Meisterleistung geplant.

Zwölf Meter Stahl, 21 Tonnen schwer schweben in vier Meter Höhe grazil durch die schneidend kalte Winterluft. Ein halbes Dutzend Männer in orangefarbenen Warnwesten steuert den Tanz der langen Metallkolosse, indem sie Haken befestigen, den Schnee auf einem Zugwaggon wegkehren und den Kran bewegen. Fast lautlos landet die lange Stahlbrücke auf den Holzbalken, die quer auf dem Wagon liegen.

In Konz ist das einzige Lager der deutschen Bahn für Brückenbauteile. Ein Horizont voller Stahl, darüber blau mit weißen Wolkentupfern: Auf einem Gelände von zehn Fußballfeldern, 90.000 Quadratmetern, gibt es 35.000 Stahlteile, für die rund 25.000 Brücken, die es in Deutschland gibt.

Damit der Nahverkehr in Bayern trotz Baustelle reibungslos verläuft, arbeiten Männer in Konz an einem beeindruckenden Projekt.
Damit der Nahverkehr in Bayern trotz Baustelle reibungslos verläuft, arbeiten Männer in Konz an einem beeindruckenden Projekt. FOTO: Nicolaj Meyer / Trierischer Volksfreund

Derzeit sind die Teile aus Konz gefragt: Im Jahr 2017 hat die Bahn 6,1 Millionen Euro in die Fertigung neuer Brückenteile investiert. Kein Wunder, liegt das Durchschnittsalter der eisernen Übergänge bei fast 60 Jahren.

Behilfsbrücken
Behilfsbrücken FOTO: Nicolaj Meyer / Trierischer Volksfreund

Viele Brücken müssen deutschlandweit nachgebessert werden. Über Arbeitsmangel können sich die 45 Arbeiter des Lagers in nächster Zeit also nicht beschweren. Warum ausgerechnet in Konz? „Hier war genügend Platz und es ist traditionell ein wichtiger Standort für die Bahn“, sagt Werksleiter Richard Reis (43).

Behilfsbrücken
Behilfsbrücken FOTO: Nicolaj Meyer / Trierischer Volksfreund

Bei dem Auftrag geht es um jede Minute. Das Team um die Werksleiter Reis (43) und Björn Scheffler (46) muss Ersatzbrücken nach München liefern. Damit eine S-Bahn in München nicht ausfällt, werden 23 dieser Brücken am Dienstag und Mittwoch von Konz aus verladen. Dort kommen die Behelfsbrücken aus Konz zum Einsatz. Wie das funktioniert? Vereinfacht gesagt, werden sie ein wenig über die eigentliche Brücke gelegt. Dann kommen die Gleise auf die Behelfsbrücke und darunter können die Arbeiter in München die dauerhafte Brücke reparieren – während der Verkehr wie gewohnt weiterläuft. Etwa über eine zweispurige Straße.

Raus aus dem schneebedeckten Gelände in die flugzeughangar-große Halle. Dort fliegen die Funken. Es quietscht in den Ohren. „Nicht zu nah ran gehen“, sagt Reis, während er auf den Mann zeigt, der eine kindshohe Metallstange zusammenschweißt.  Geländer werden das. „Im zertifierten Schweißbetrieb des Lagers könne man fast alles herstellen, außer den Druckbehälter für ein Kernkraftwerk“, sagt er.

Ein paar Meter weiter entstehen die Querträger und Aufhänger für die Anschlagpunkte der Brücken für München. Wieder draußen sieht es so aus, als müsste die Münchener S-Bahn nicht vor einer Brücke stehen bleiben. Keine Panik für Pendler. Einige Behelfsbrücken sind schon auf den Wagons, jeweils zwei Stück der Zwölf-Tonner übereinander. Die über hundert Meter lange Waggon-Kette füllt sich langsam.