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Arbeitsmarkt
Wenn der Einsatz nichts zählt, aber Papiere alles

Ahmed Tamoor transportiert Waren für Reifen Kiefer und ist inzwischen zum Teamleiter aufgestiegen.
Ahmed Tamoor transportiert Waren für Reifen Kiefer und ist inzwischen zum Teamleiter aufgestiegen. FOTO: Benedikt Laubert
Konz. Ahmed Ansari gehört zu den besten Mitarbeitern des Konzer Unternehmens Kiefer – und muss dennoch gehen, weil er kein Asyl bekommt. Doch der Chef hat schon einen Plan. Von Benedikt Laubert
Benedikt Laubert

Ahmed Ansari ist der perfekte Mitarbeiter für das Konzer Reifenunternehmen von Michael Kiefer: Er ist sich nicht zu schade für einen harten Job, den viele nach zwei Tagen aufgeben. Er arbeitet gewissenhaft, er übernimmt Verantwortung. Wäre da nicht ein Problem: Vor dem Gesetz zählt sein Einsatz nichts. Das Gesetz unterscheidet strikt zwischen Flüchtlingen und Arbeitsmigranten.

Wer nach Deutschland flüchtet, aber kein Asyl bekommt, muss in der Regel wieder gehen – so wie Ahmed Ansari jetzt. Wer dagegen als Arbeitsmigrant kommt, darf hier länger arbeiten und damit helfen, den Fachkräftemangel in einigen Branchen zu verringern. Ein Wechsel zwischen den beiden Systemen ist nahezu unmöglich.

Ansari hat vor mehr als einem Jahr angefangen, für das Konzer Unternehmen Winterreifen zusammenzubauen. Er stellte sich geschickt an, die Geschäftsführung konnte sich auf ihn verlassen. Also stieg er auf, fährt heute Gabelstapler und leitet während der Hauptsaison ein Team im Unternehmen. Inzwischen gehört Ansari zum Stammpersonal bei Reifen Kiefer, er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Umso wütender macht den Geschäftsführer, dass sein Mitarbeiter jetzt gehen muss. Und es bleibt wohl nicht bei dem einen Verlust: Drei weitere Mitarbeiter sind auch pakistanische Flüchtlinge – einer von ihnen hat inzwischen ebenfalls die Ablehnung seines Asylantrags bekommen, die beiden anderen werden ihn wohl bald erhalten. Pakistan gilt nicht als „sicheres Herkunftsland“. Das heißt, Flüchtlinge aus diesem Land haben es deutlich schwerer, in Deutschland Asyl zu bekommen. Doch Kiefer und Ansari haben sich schon eine Lösung für ihr Problem überlegt.

Ansari ist im Jahr 2015 über den Iran und die Türkei nach Deutschland geflüchtet, nachdem sein Leben zwei Mal bedroht wurde, wie er erzählt. Nachdem er der Polizei in seiner Heimat einen Hinweis über eine gefährliche Gruppe gegeben habe, habe diese auf offener Straße auf ihn geschossen – aber glücklicherweise nicht getroffen. Kurze Zeit später sei er zusammengeschlagen worden. Sein Vater habe ihm daraufhin Geld gegeben und ihm geraten, zu fliehen.

In Deutschland konnte er nicht beweisen, dass er verfolgt wird, deshalb lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) seinen Asylantrag ab. Auch seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Trier hatte keinen Erfolg, deshalb muss er jetzt ausreisen und kann nicht mehr gegen die Entscheidung vorgehen. Das bestätigt die Kreisverwaltung.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier konnte auf eine Anfrage zu dem Thema keine Stellung beziehen. Kürzlich hatte Michael Hüther, Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), in der Bildzeitung kritisiert, dass gut integrierte Mitarbeiter abgeschoben würden. Jeder, der etwas könne, werde hierzulande benötigt.

Wenn alles gut geht, wird Ansari trotzdem langfristig Mitarbeiter des Konzer Unternehmens bleiben. Denn Kiefer und Ansari haben einen Plan: Nach Rücksprache mit der Kreisverwaltung, die im Zweifelsfall für eine Abschiebung zuständig wäre, wollen sie seinen Aufenthalt und damit seine Mitarbeit noch für einige Monate fortsetzen. Denn die Hauptsaison bricht an. Das Unternehmen baut unter anderem Winterreifen zusammen und beschäftigt in dieser Zeit rund 150 Menschen. Jeder, auch Ansari, wird gebraucht.

Dann will Kiefer mit seinen vier pakistanischen Mitarbeitern nach Pakistan fliegen. Dort wollen sie Anträge auf Arbeitsvisa stellen – und dann im besten Fall nach kurzer Zeit wieder einreisen. Nach der Reise würden Ansari und seine Kollegen genau dieselbe Arbeit im selben Konzer Unternehmen verrichten – aber als Arbeitsmigranten, nicht als Flüchtlinge. Und dann wären auch die Behörden zufrieden.