| 20:48 Uhr

Der Held unter den Instrumenten

Tomomi Kato und Solistin Kana Madarame. TV-Foto: Stefanie Braun
Tomomi Kato und Solistin Kana Madarame. TV-Foto: Stefanie Braun FOTO: (g_kultur
Nittel/Trier/Kyoto. Der Japaner Tomomi Kato baut in Nittel Trompeten und verkauft sie weltweit. Zusammen mit der Solistin Kana Madarame gestaltet er nun Konzerte in der Region. Stefanie Braun

Nittel/Trier/Kyoto Tomomi Kato war 12 Jahre alt, als ihm sein Schicksal im Kino begegnete. Damals liefen die Blues Brothers, jener Musikfilm mit Dan Aykroyd und John Landis, der bis heute Kultstatus hat. Tomomi war begeistert, aber nicht vom legendären Auftritt der beiden Antihelden im schwarzen Anzug, sondern vom Spiel der Trompete. Für den jungen Japaner stand fest: die Trompete ist der Held unter den Musikinstrumenten. "Wenn man die Trompete in einem Orchester spielt, hat man eine große Verantwortung," sagt der mittlerweile 49-Jährige, "ein falscher Ton und alle hören ihn, man übertönt das gesamte Ensemble. Die Trompete ist sozusagen der ,Leader' in einem Orchester." Mit 16 fing er in der Schule an, Trompete zu lernen und obwohl er schnell Fortschritte machte, war ihm klar, dass er nie Profimusiker werden könnte. Andere, die früher angefangen hatten, waren ihm einfach voraus. Also besann er sich auf seine zweite große Leidenschaft, "Das Basteln", scherzt er. Er verband seine beiden Vorlieben zu einer und fand darin seine große Begabung: das Trompetenbauen.
Diese Begabung war es auch, die ihn 1987 nach Deutschland führte: "Trompetenbauen an sich kann man nur im deutschsprachigen Raum lernen, andere Länder haben sich auf das Reparieren spezialisiert", sagt Kato. Also zog er in die Nähe von Stuttgart, bei schönem Wetter, sagt er, hätte er fast die Burg Hohenzollern sehen können.
Drei Jahre lernte er bei einem der Großmeister des Trompetenbauens, Hans Schneider, ein Jahr war er Geselle. "Von Hans Schneider habe ich alte, teils mittelalterliche Techniken lernen können, die jüngere Meister nicht mehr beherrschten." Ganz mittelalterlich ging Kato dann auch auf Gesellenreise, arbeitete bei Meistern, Firmen und Werkstätten in Hessen, Bayern, der Schweiz und machte sich schnell einen Namen in der Branche. Nach seiner Zeit in Hessen, bekam er einen Anruf vom Musikhaus Kröger in Trier. Franz-Josef Kröger bot ihm einen Posten als Werkstattleiter an und Kato zog nach Trier. Im Musikhaus Kröger war es auch, wo Kato seine erste eigene Trompete kreiierte.
Und Kröger stellte ihm den Musikverein Fanfare Concordia Mertert vor. Kato habe einen Verein gesucht, der wie eine kleine Familie war, in dem die Musik eher neben dem geselligen Beisammensein passierte. Irgendwann passte es nicht mehr im Musikhaus, es folgten Arbeiten in Luxemburg, eine Werkstatt in Pforzheim.
Unter der Woche fuhr Kato zwischen Luxemburg, Pforzheim und anderen deutschen Städten hin und her, freitags kehrte er immer zurück nach Nittel, um abends bei der Probe dabei zu sein. "Nach der Probe gingen wir zusammen einen ,petschen', auf der Straße grüßten mich alle mit ,moien', dann wurde ein bisschen geplaudert. Das hatte ich nirgendwo sonst, also dachte ich, sobald ich das Kapital zusammenhabe, mache ich mich hier selbstständig und bleibe in Nittel." 1996 hatte er das Kapital zusammen, seitdem steht in seinem alten Winzerhaus die Werkstatt für Trompeten, die einzelnen Bereiche mit einem Vorhang voneinander getrennt. Irgendwie ganz japanisch. Unter seinem Branding Brass Sound Creation liefert er weltweit.
Auf diesem Wege lernte er auch die japanische Solistin Kana Madarame kennen. In der Grundschule sollte sie in der Blechblasband mitspielen. Ihr Lehrer sagte damals, "Du bist die Kleinste, also bekommst du auch das kleinste Instrument" und gab ihr die Trompete. Der Beginn einer großen Liebe, auch wenn sie "sehr lange gebraucht hat, um einen Ton herauszubekommen", erinnert sich die zierliche Frau. Die 44-Jährige wollte ihre Tomomi-Kato-Trompete vom Meister selbst auf sich individualisieren lassen. Sie besuchte Kato in Nittel, tagsüber arbeiteten sie an der Trompete, abends entspannten und fachsimpelten sie bei einem Glas Moselwein. Dabei kam die Idee auf, ein gemeinsames Konzert auf die Beine zu stellen: "Japanische Musik ist ganz anders als europäische," weiß Madarame, sie sei eher für kleine Räume konzipiert, für Wohnzimmerkonzerte, nicht für große Säle wie in Europa. Es gab viele Versuche, japanische Musik in Deutschland vorzustellen, sagt Kato, viele davon seien nicht gut angekommen, die Distanz zwischen den beiden Kulturen sei einfach zu groß.
Mit den Konzerten in der Region, komponiert von dem 85-jährigen Tetsunosuke Kushida, wollen sie die japanische Seele in europäischer Musik bildlich erlebbar machen. "Bei Beethoven, Debussy oder Tschaikowsky hört man den Lebensraum der Künstler aus der Musik heraus", sagt Kato. So solle es auch bei ihren Konzerten sein. Das Publikum solle den Fujijama vor Augen haben, den sanften Wind in den Bambuswäldern, einfach durch die Musik.
Sonntag, 30. April, 17 Uhr, Pfarrkirche St. Martin, Nittel / Dienstag, 2. Mai, Trier, 20 Uhr, Saar-Mosel-Winzersekt, Gilbertstraße 34.