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DIE KULTURMACHER: ARND LANDWEHR
Was in der Trierer Europahalle geplant ist und warum im Messepark wohl keine berühmten Bands mehr spielen werden

 Vielfältige Aufgaben: Arnd Landwehr (47) ist als MVG-Geschäftsführer für die Arena Trier, die Europahalle und den Messepark zuständig.
Vielfältige Aufgaben: Arnd Landwehr (47) ist als MVG-Geschäftsführer für die Arena Trier, die Europahalle und den Messepark zuständig. FOTO: Simon Engelbert
Der Chef von Arena, Europahalle und Messepark in Trier - Arnd Landwehr -, spricht im TV über gestiegene Ansprüche der Zuschauer, neue Chancen und ein besonderes Konzert. Von Andreas Feichtner
Andreas Feichtner

Februar 2018: Arnd Landwehr schaut sich auf eigene Faust an, um was er sich da eigentlich genau beworben hat. Der Job: MVG-Geschäftsführer in Trier. Da wissen wahrscheinlich auch viele Einheimische nicht, was das ist. „Künftiger Nachfolger von Wolfgang Esser“ macht’s schon klarer: Chef der Arena, der Europahalle und des Messeparks. „Ich bin einfach mal nach Trier gefahren und habe mich umgeschaut. In der Europahalle war eine Karnevalsveranstaltung, da bin ich mal rein“, erinnert sich Landwehr. Im Messepark gibt’s an einem tristen Februartag eher weniger zu bestaunen. „Abends habe ich dann noch eine Karte für den Auftritt der Kelly Family gekauft, um mir die Arena anzuschauen.“

Und um sich vorzustellen. Landwehr kam am Abend mit Esser ins Gespräch – und die Eigeninitiative des damals noch in der Nähe von Weinheim lebenden 47-Jährigen kommt bei Esser gut an: „Er war der einzige externe Bewerber, der sich auch vor Ort vorgestellt hat.“

Ein Jahr später ist Arnd Landwehr längst in Trier angekommen. Beruflich und privat. Die Wohnung in Innenstadtnähe ist gefunden („Das ist ja nicht so einfach in Trier“). Die Kinder sind inzwischen aus dem Haus: Sohn Ladislaus (15) ist Jugend-Nationalspieler im Baseball und seit Sommer im Sportinternat in Paderborn, Tochter Lina (18) studiert seit dem Herbst in Wuppertal Mathematik.

Von daher war der Zeitpunkt genau der richtige, etwas Neues anzupacken, sagt Landwehr: „Das hat sich alles charmant gefügt.“ Bis Ende Juni gibt’s noch die Doppelspitze Esser/Landwehr. Dann geht Wolfgang Esser in den Ruhestand, und Landwehr ist alleiniger Geschäftsführer.

Zuvor war er 16 Jahre lang in verschiedenen Funktionen bei BB Promotion in Mannheim. „Anfangs war ich bei sehr vielen Industrieevents im Einsatz, etwa bei der Eröffnung der Allianz-Arena in München.“ Ein großes Projekt war das sehr erfolgreiche We Will Rock You-Musical in Köln, an dem Landwehr beteiligt war. Dienstlich war er vor seinem neuen Job auch schon mal in der Arena. „Das war, als die West Side Story dort bei Verstehen Sie Spaß gastierte.“

Landwehr ist im niedersächsischen Quakenbrück aufgewachsen („In Trier kennen das viele vom Basketball“). Nach einer Banklehre hat er in Osnabrück Sozialwissenschaften studiert. „Aber ich habe schon ab dem ersten Semester angefangen, in der Branche zu arbeiten – bei einer kleinen Rock/Pop-Agentur. Ich war schon immer Musikfan und habe schon vor dem Abi erste Konzerte organisiert.“ Vor allem im Rock-, Pop- und Indie-Bereich. Bands wie Phillip Boa and the Voodooclub hörte er, die Pixies, New Model Army oder Midnight Oil (die übrigens am 19. Juni vor der Porta Nigra spielen werden).

Vier Jahre lang war er zudem bei einem Plattenlabel für Tonträger-Veröffentlichungen zuständig. „Das war eine spannende Zeit, da gab es noch tolle Budgets.“ Aber das Livegeschäft reizte ihn letztlich mehr.

Jetzt ist er Hausherr in drei Locations, wo von Metal-Konzert über Hundemesse bis zum Basketball-Allstar-Day ganz unterschiedliche Interessen bedient werden.

In der Messeparkhalle sind in der Vergangenheit schon einige bekannte Künstler aufgetreten. Von den Fantastischen Vier über Bushido bis Slayer. „Die Infrastruktur ist nicht mehr zeitgemäß für Konzerte, der Ton ist eher grenzwertig“, sagt Landwehr. „Für eine Messe ist die Halle aber okay. Das Freigelände ist gut.“ Die Arena sei zudem sehr gut konzipiert worden: „Das hat Trier clever gemacht. Die Arena hat eine gute Größe – damit konnte Trier viele Veranstaltungen gewinnen und hat sich gut von Städten wie Koblenz oder Saarbrücken abgesetzt.“

Auch die Europahalle, die seit einem Jahr von der MVG betrieben wird, sei gut angenommen worden. „Da hat man beim Bau im Jahr 1976 vieles richtig gemacht: Die Lage ist unschlagbar und das Foyer hat eine gute Größe – viele Hallen haben Mini-Foyers, da wird es dann vor und nach den Veranstaltungen oft ganz hektisch.“ Das Programm sei zudem sehr vielfältig – aktuell von Kappensitzungen über Auftritte von Feine Sahne Fischfilet bis zu kleineren Messen. In der Vergangenheit spielten dort auch schon Die Ärzte, Public Enemy, Manowar oder die Ramones.

Die Clubgröße mit 1000 und 1500 Zuschauern sei in Trier sonst nicht besetzt. „Die Halle ist zwar ein bisschen in die Jahre gekommen, aber sie hat großes Potenzial.“ Kürzlich hat die Halle auch eine neue, moderne Beschallungsanlage bekommen. „Das macht die Halle attraktiver für Veranstalter. Auch an einer neuen Lichttechnik arbeiten wir.“ Die weiteren benötigten Modernisierungen sollen über die Bühne gehen, ohne dass die Halle über einem längeren Zeitraum geschlossen werden muss. Etwa in den Sommermonaten, in denen ohnehin kaum Veranstaltungen anstehen. „Da gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt.“

Entwickeln, vorausschauen, optimieren: Das ist Landwehr wichtig. Die Erwartungen des Publikums hätten sich verändert: „Die Zuschauer haben einen höheren Qualitätsanspruch als früher – das gilt für junge und ältere. Gastronomisch muss was geboten werden, sie wollen nah parken, die Shows werden größer, alles muss pünktlich sein. Das fordert heraus. Es ist ein permanenter Prozess, noch besser werden zu wollen.“

In der Arena finden auch in den nächsten Wochen und Monaten große Musikveranstaltungen statt. Wie vielfältig das ist, zeigt ein Blick auf die nächsten drei Tage: ein Elvis-Musical am Donnerstag, das schon ausverkaufte Hip-Hop-Konzert von Bonez MC und RAF Camora am Freitag und das Basketballspiel der Trierer Gladiators am Samstag – da kommen in der Summe wohl locker über 10 000 Zuschauer. Landwehr freut sich besonders auf ein inzwischen ausverkauftes Konzert – nicht nur, weil es an seinem Geburtstag stattfindet (9. April): AnnenMayKantereit spielten vor vier Jahren noch im Haus der Jugend in Wittlich – inzwischen sind die Arenen voll: „Die haben sich richtig hochgearbeitet.“ Für Landwehr ist die Musik eine Leidenschaft geblieben. „Ich gehe gerne auf Veranstaltungen – es muss auch nicht immer groß sein.“ Vor ein paar Tagen wurde seine To-do-Liste auch etwas kürzer: „Ich habe es endlich mal ins Theater geschafft – zu Blue Jeans.“

ANDREAS FEICHTNER