Familienfest im Strandbad

Familienfest im Strandbad

15 000 Fans singen generationsübergreifend - das ist es vielleicht, was den besonderen Reiz der Deutschrocker von Pur ausmacht. Zu ihrem vom Trierischen Volksfreund präsentierten Konzert im Strandbad in Losheim reisten Menschen aller Altersgruppen an.

Losheim. 1991 entsteht im schwäbischen Bietigheim-Bissingen das erste Lied, mit dem es Pur in die deutschen Singlecharts schaffen. Im gleichen Jahr kommt in Hannover die junge Frau zur Welt, die im Frühsommer 2010 der neue Satellit am musikalischen Grand-Prix-Himmel wird. Was liegt da näher, als eben diesen Song - "Lena" - eben dieser Frau, Lena Meyer-Landrut, zu widmen. Und so dichtet Pur-Frontmann Hartmut Engler das eigene Lied kurzerhand zu einer Lena-Liebeshymne um und lässt es sich nicht nehmen, auch "Satellite" - ganz Lena-mäßig - zu performen. Im Losheimer Strandbad singen 15 000 Fans jede Zeile mit - manche von ihnen sind "Lena"-Fans der ersten Stunde, manche waren noch nicht einmal geplant, als Pur zum ersten Mal auf der Bühne standen. Töchter und Mütter, Teenies und Menschen deutlich jenseits der Twens, dazu zahlreiche mehr oder weniger freiwillig angereiste Männer - sie alle gehen mit, wenn Hartmut Engler fordert: "Ich will euch singen hören!" Der 48-Jährige dirigiert sein Publikum, er macht vor, die Masse macht nach. Pur ist eine Band, der man anmerkt, dass sie seit 30 Jahren auf der Bühne steht ("Wir sind nicht alt, wir haben nur früh angefangen"). Und dass sie dort mächtig viel Spaß hat.

Das Publikum ist textsicher und so wird kein Refrain ausgelassen, die Menschen klatschen im Takt, immer schneller, am Ende brandet Jubel auf. Hartmut Engler strahlt. Wedelt mit den Armen. Und bittet höflich: "Noch mal!" Neben vielen Liedern vom aktuellen "Wünsche"-Album sind auch zahlreiche alte Klassiker dabei. "Funkelperlenaugen", "Seiltänzer", "Mächtig viel Theater", "Abenteuerland", "Ich lieb dich", "Indianer", "Ich denk an dich" - manches wird in guter, alter Pur-Manier zum großen Hitmix zusammengefasst. Da bleibt zwar mancher Song im Detail auf der Strecke, aber am Ende kann niemand sagen, sein Lieblingslied sei nicht dabei gewesen. So ist eben Pur, ein bisschen heile Welt, ein bisschen nachdenklich, ein bisschen Weltverbesserer, nicht furchtbar cool, nicht furchtbar laut; aber Musik, auf die sich Mütter und Töchter einigen können. Und so fordern am Ende die Fans im Lena-Leggins-Einheitslook gemeinsam mit denen, die da so gerne noch einmal reinpassen würden, lauthals "Ein graues Haar" - Purs große Hymne gegen den Jugendwahn.

Die Band lässt sich ein wenig bitten, um dann zum Finale noch mal voll aufzudrehen. Aus dem grauen Haar zaubern die Musiker eine kernige Hard-Rock-Version, die sich in ein bühnentaugliches Highway-to-Hell-Cover steigert. Pur spielt AC/DC, manchem eingefleischten Rocker kommen da die Tränen. Aber es ist Musik, auf die sich Väter, Mütter und Töchter einigen können.

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