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Grenzüberschreitende Musik

Groß in Form am Piano und in der Interaktion mit dem Publikum: Blueslegende Little Willie Littlefield (rechts) und Eeco Rijken Rapp. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Groß in Form am Piano und in der Interaktion mit dem Publikum: Blueslegende Little Willie Littlefield (rechts) und Eeco Rijken Rapp. TV-Foto: Dirk Tenbrock
Saarburg. Die Premiere des Saarburger DeLux Dixieland-Festivals ist ein voller Erfolg gewesen. In der alten Glockengießerei und auf dem historischen Postschiff Telegraaf IV wurde vor ausverkauften Rängen gejazzt, was das Zeug hielt. Little Willie Littlefield und andere renommierte Künstler begeisterten das Publikum. Dirk Tenbrock

Saarburg. Premierenstimmung herrscht in der voll besetzten Gießhalle der alten Glockengießerei zu Saarburg. Dort hat am Samstag das Auftaktkonzert zum DeLux Dixieland Festival stattgefunden. Im Rahmen des Mosel Musikfestivals hat die Kulturreihe Spiegelbilder unter der Federführung der Saarburger Kulturbeauftragten Anette Barth eine formidable Auswahl international renommierter Musiker aufgeboten. Die deutsch-niederländische Combo Boogielicious und die Rythm- & Blueslegende Little Willie Littlefield verzückten samstags das Publikum in der Glockengießerei, am Sonntag ging es dann mit dem historischen Postschiff Telegraaf auf Mosel und Saar ins luxemburgische Grevenmacher und zurück. An Bord spielten Bands aus Luxemburg und Deutschland vor zahlreichen Zuschauern in malerischer Kulisse.
Aber zurück nach Saarburg: Was die drei Mannen von Boogielicious (Eeco Rijken Rapp/Piano, Gesang; David Herzel/Drums und Bertram Becher/Bluesharp) und der schon 80-jährige US-Amerikaner Littlefield am Flügel und mit seiner knarzigen Bluesstimme boten, war authentisch, mitreißend und anrührend - die Freude bei Publikum und Musikern fast mit den Händen zu greifen. Da ging die Post ab, es wurde gejazzt und geswingt, Boogie Woogie, Blues und Rock \'n\' Roll gingen vom Ohr direkt in den Bauch und dann in Arme und Beine.
Animiert durch die Musiker schnippten und klatschten die Zuschauer zu "St. Louis Blues", "Kansas City" oder "Chinatown Boogie", beim "Honky Tonk Train Blues" schallte ein rhythmisches "Uuhuuu ..." aus allen Kehlen. Im Zusammenspiel mit Boogielicious und Thomas Aufermann (Gesang) lief Littlefield zu großer Form auf. Nachdem er sich seines einen Lackschuhs und des eleganten grauen Jacketts entledigt hatte, ließ Littlefield - ganz und gar nicht altersgemäß - die Finger über die Tasten fliegen, sang aus voller Seele, scherzte mit Bandkollegen und dem Publikum, dass es eine Wonne war. Wenig war geplant, viel improvisiert, so ergaben sich große und spannende musikalische Momente.
Das zweistündige Konzert verflog in gefühlten Minuten und als Littlefield als Zugabe seine Boogie-Version von "Muss I denn zum Städtele hinaus" spielte, riss er die Zuschauer förmlich von den Sitzen. Elvis hätte wohl in seinem Grab in Graceland vor Freude rotiert.