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Königliche Stimmen auf dem Vulkan

Königliche Stimmen auf dem Vulkan

Das Dauner Festival Klassik auf dem Vulkan lädt gerne internationale Gäste ein. Am Samstag sind es die King’s Singers aus England - ein Ensemble der absoluten Weltspitze.

Daun. Sie sind die vielleicht älteste Boygroup der Welt, dieses Vokalsextett, das unter dem Namen The King's Singers erstmals 1968 öffentlich in Erscheinung trat und aus dem Stand heraus zunächst in England und dann sehr schnell weltweit Aufmerksamkeit erregte. Der Name des Ensembles verweist auf die Herkunft, denn die Gründungsmitglieder waren allesamt Choristen am King's College im englischen Cambridge, das für seine große Chortradition berühmt ist.
Britisches Understatement


Kontinuität ist ein besonderes Merkmal der Formation. Gerade einmal 25 Sänger sind es, die in den 47 Jahren in wechselnden Besetzungen das Sextett bildeten. Seit 25 Jahren ist der Countertenor David Hurley schon dabei und übernimmt damit die Seniorenrolle. Er weiß über die Entstehungszeit zu berichten, dass die ersten Mitglieder neben ihrem Dienst in der Choralschola des King's College auch privat ein wenig als Sextett gesungen haben. Dieses Ensemble wurde dann zu einem Konzert in die Queen Elizabeth Hall eingeladen, wo Sir Neville Marriner und der englische Organist Simon Preston sie hörten und vom Konzert sehr angetan waren.
Es erinnert an die typisch englische Art der Untertreibung, wenn Hurley weiter erzählt, dass die Gruppe danach "noch ein wenig an sich arbeitete", worauf dann eins zum anderen kam. Recht bald übernahm sie ein Agent, und die Anzahl der Auftritte wurde so groß, dass die sechs ihre sonstigen Tätigkeiten aufgaben und nur noch als Ensemble arbeiteten. The King's Singers waren geboren.
Ein Kennzeichen des Ensembles ist die große Flexibilität seiner Programme. Es lässt sich nicht in eine Schublade einsortieren, und darauf legen die Briten auch größten Wert. Die Renaissance ist genauso vertreten wie die Moderne, geistliches hat seinen Platz neben Weltlichem.
Dazu aber kommt noch der unvergleichliche Klang. Es ist eines der Geheimnisse, mit dem sie sich von Beginn an in die Spitze gesungen haben. Normalerweise setzt sich ein Vokalsextett in England aus zwei Countertenören, zwei Tenören und entweder aus einem Bariton und einem Bass oder aus zwei Bässen zusammen. Mit dieser Tradition haben The King's Singers von Anfang an gebrochen. Sie haben nur einen Tenor, dafür aber zwei Baritone, wodurch die tiefe Lage mehr betont wird.
Der Klang ist auch eine zentrale Hürde, wenn es darum geht, einen neuen Sänger zu finden. Jedes Mitglied für sich könnte jederzeit als Solist auftreten. Erst im Ensemble aber zeigt sich, ob der Bewerber für The King's Singers geeignet ist.
Mehr als 2000 Titel haben die Engländer inzwischen in ihrem Repertoire. Darin finden sich Komponistennamen wie Lasso, Bird und Gibbons ebenso wie György Ligeti und Bob Chilcott, der selbst lange Jahre Mitglied des Ensembles war.
Von Barock bis Pop


Hinzu kommen auch noch Folk- und Popsongs, die sie sich eingerichtet haben. Es ist also für jeden etwas dabei, wenn die königlichen Sänger auftreten. Etliche der Arrangements sind inzwischen auch im Druck erschienen. Die Diskographie zählt heute über 150 Aufnahmen.
Wenn das Sextett am kommenden Samstag auf der schwimmenden Bühne des Gemünder Maars auftreten, dann rückt die Eifel in eine Reihe mit der Kathedrale in Washington, der Philharmonie in St. Petersburg und dem Concertgebouw in Amsterdam. Das nämlich sind einige andere Orte, die The King's Singers auf ihrer Tour 2015 besuchen werden.
Termin ist am Samstag, 18. Juli, 20.30 Uhr. Karten gibt es im TV-Service-Center Trier