Luxemburger Philharmoniker spielen Fauré

Luxemburger Philharmoniker spielen Fauré

In den vergangenen Spielzeiten hat das Luxemburger Orchestre Philharmonique mit deutschem Repertoire nicht immer Glück gehabt. Im jüngsten Abonnementkonzert zeigten Dirigent Emmanuel Krivine und seine Musiker, wie vertraut sie mit französischer Stilistik sind.

Luxemburg. Es war, als ging das Tor auf zu einer anderen Welt. Dabei gab es beim Abo-Konzert des Orchestre Philharmonique in der Philharmonie in Luxemburg bereits vor der Pause Gründe genug für Anerkennung. Prokofjews "Symphonie classique" gaben die Luxemburger unter Emmanuel Krivine nach allerdings diffusem Beginn genau den Schwung, den Unernst und den leicht ironischen Tonfall mit, der das Werk abhebt. Und Ravels G-Dur-Klavierkonzert: Da zeigten Dirigent und Orchester ihre Nähe zu französischer Stilistik. Bis in den hellen Grundklang hinein realisierten sie die Verbindung von Deutlichkeit und Raffinement, die Ravel einzigartig macht.
Der 30-jährige Solist David Fray wirbelt durch die Oktaven seiner Tastatur, glänzt mit leichthändiger Brillanz. Und obwohl bei ihm Anschlagstiefe und die Fähigkeit zu kantablen Linien noch entwicklungsfähig sind, entfaltet das Klavier mit den Bläsern, allen voran Englischhorn und Fagott, Momente von berückender Intimität - echte, unsentimentale Lyrik.
Und dann, ganz anders und ganz neu, der zweite Teil mit Gabriel Faurés sanftem, tröstlichem Requiem. Wie wunderbar sensibel trifft Krivine den Tonfall dieser Musik! Mit ausdrucksvollen Gesten gibt er seinem Orchester die zarte, unaufdringliche Rhetorik mit, von der Faurés Komposition lebt. Nur selten klingt im leicht unruhigen Ton von Bassbariton Alain Buet die Oper mit. Solosopran Veronique Nusbaum singt aus dem Chor heraus ein keusches, inniges "Pie Jesu". Zum ersten Mal bei einem Sinfoniekonzert stand der neu gegründete Chor cantoLX auf der Bühne - 40 professionelle Sängerinnen und Sänger. Vielleicht wünschte sich mancher eine Spur mehr Wärme, mehr Flexibilität. Aber was zählen solche Einwände, wenn die Soprane im letzten Teil schlicht und knabenhaft die sanfte Seligkeit des Paradieses in Töne fassen! Leise, verhaltende, nachdenkliche Musik. Engelgesang zum Totengedenken. Die Zuhörer waren tief beeindruckt. mö