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TV-Wanderwochen: Unterwegs auf dem Römerpfad bei Kordel und Butzweiler

TV-Wanderwochen : Unterwegs auf dem Römerpfad bei Kordel und Butzweiler

Wasserfälle, Höhlen, Ruinen, tiefe Schächte und tolle Wälder: Der Römerpfad bei Kordel und Butzweiler verbindet wunderschöne Natur mit einzigartigen historischen Sehenswürdigkeiten.

Wo sich eben noch das Wasser durchs Butzerbachtal geschlängelt hat, windet sich jetzt Enttäuschung durch Herz und Kopf. Wie jetzt, das war's? Frust kriecht hoch, aber nicht etwa, weil der erste Teil des Römerpfads nicht schön gewesen wäre. Im Gegenteil. Toll war's, spektakulär, zu gut, als dass da noch was kommen könnte: Idyllische Wasserfälle, deren lautes Plätschern alles übertönt (außer ein paar Niederländer, die offensichtlich schwer begeistert sind von der Natur unserer Region). Sattes Grün an hohen, bemoosten Bäumen. Hängebrücken, auf denen sich selbst von Höhenangst Geplagte fast ein bisschen abenteuerlustig fühlen dürfen. Und riesige Gesteinsbrocken, die die Umgebung nach verwunschenem Märchenwald aussehen lassen.
Das war's jetzt also - den Großteil der Wanderung noch vor Augen, den Höhepunkt aber schon hinter sich, gleich zu Beginn, so ganz ohne, äh, Vorspiel?
Dabei hatte doch alles so gut angefangen an diesem perfekten Herbsttag auf dem Wanderparkplatz an der Burg Ramstein bei Kordel (Verbandsgemeinde Trier-Land): 26 Grad, Sonne, erster Urlaubstag, die Wanderung knapp zehn Kilometer lang und mit vielen, vielen Vorschusslorbeeren von Freunden und Kollegen verziert. Und einem Vorurteil, nämlich dem, dass der Römerpfad nur aus Wasserfällen und ganz viel Wald besteht. Dieser zum Teil anspruchsvolle Rundweg hat noch viel mehr zu bieten.
Zunächst - und das ist ja nicht ganz unwichtig - ist er hervorragend ausgeschildert. Eine römische Münze weist in sehr regelmäßigen Abständen den richtigen Weg. Der Heimatverein Butzweiler leistet bei der Pflege des Weges tolle Arbeit.
Das große Staunen geht bei den Pützlöchern weiter: Gemeint sind Schächte, die zu einem der ältesten römischen Bauwerke in Deutschland gehören. Der Zugang zur Abbaukammer des römischen Kupferbergwerks und antiken Steinbruchs erfolgte durch die kreisrunden Löcher. Einige der Quader, die dort ab 180 n. Chr. abgebaut wurden, stecken heute übrigens in einem ziemlich berühmten Gebäude: Sie wurden zum Bau der Porta Nigra in Trier verwendet, die gegen Ende des zweiten Jahrhunderts errichtet wurde.
Aber nicht nur hier macht der Römerpfad seinem Namen alle Ehre: Nach einem Stück Weg zwischen Waldrand und Wiesen mit herrlich weitem Blick stoßen Wanderer auf ein rekonstruiertes Stück einer römischen Langmauer - wie bei allen anderen Sehenswürdigkeiten am Weg wird auch sie detailliert auf einem Schild beschrieben.
Als Wehranlage war die Mauer wohl nicht gedacht. Vielmehr umrandete sie ein 220 Quadratmeter großes Stück fruchtbares Land, das zum kaiserlichen Domänenbezirk gehörte. Damals (364 bis 375 n. Chr.) regierte Valentinian I. als römischer Kaiser in Trier.
Wer dachte, er hätte nun schon alles gesehen, dürfte sich an der Genovevahöhle die Augen reiben: Stattliche 15 Meter breit und knapp zehn Meter hoch ist diese muschelartige Höhle, die Menschen Schutz und Unterkunft gab - und das schon vor sehr langer Zeit. Vor der Höhle wurde ein Schaber gefunden, der auf eine Nutzung in der späteren Altsteinzeit hindeutet. Seit 1910 gibt es dank der Ortsgruppe Kordel des Eifelvereins Stufen, die einen bequemen Aufstieg möglich machen - der Blick von innen lohnt sich!
Das gilt auch für die zweite Höhle am Weg, die Klausenhöhle. Bis vor etwa 200 Jahren wurde sie von Eremiten bewohnt, die die Ruhe und Abgeschiedenheit des Waldes suchten. An der Außenwand sind tatsächlich Gesichter erkennbar, die dort eingeritzt wurden und offenbar böse Geister fernhalten sollten. Ganz unbewohnt ist die Höhle nicht: Ein Summen verrät, dass sich Wespen angesiedelt haben.
Auf jeden Fall genießen sollten Wanderer die fantastische Aussicht von der Geyersley, einem Felsvorsprung. Sie gibt den Blick frei auf die Burg Ramstein, die von Wald bedeckten Hügel und ab und an auch auf einen Zug, der sich durchs Tal schlängelt und von so weit oben aussieht wie eine Spielzeugeisenbahn.
Das letzte Stück des Weges - wenn man denn gegen den Uhrzeigersinn läuft - führt noch einmal durch Wald, bis sie wieder hoch oben thront: die Burg Ramstein. Oder besser das, was von ihr noch übrig ist. Der Bau wird dem Trierer Erzbischof Ratbod (883 - 915) zugeschrieben. 1689 wurde die Burg allerdings gesprengt.
Unser Fazit? Ein toller, sehr gut und mit viel Liebe gepflegter Rundweg, der unbedingt festes Schuhwerk erfordert und wunderschöne Natur, aber auch Sehenswürdigkeiten mit spannenden Infos zur Geschichte bietet. Und der auch abseits der beliebten Wasserfälle ganz viel zu bieten hat. Eingeplant werden sollten etwa dreieinhalb bis vier Stunden für eine Wanderung - denn Eile ist hier wirklich nicht angebracht.
Alle erschienenen Beiträge sowie weitere Fotos und Videos gibt es unter www.volksfreund.de/TV-WanderwochenExtra: ANREISEN, EINKEHREN, NICHT VERPASSEN

Karte. Foto: TMVG
Die Genovevahöhle, die Ruine der Burg Ramstein, ein abgedeckter Schacht eines früheren römischen Kupferbergwerks (von links): Über Langeweile und mangelnde Abwechslung kann sich auf dem Römerpfad niemand beschweren. Foto: Rebecca Schaal
Ruine der Burg Ramstein. Foto: Rebecca Schaal
Ein abgedeckter Schacht eines früheren römischen Kupferbergwerks. Foto: Rebecca Schaal


Hinkommen: Wer mit dem Auto anreist, parkt am besten unterhalb der Burg Ramstein bei Kordel (Kreis Trier-Saarburg) auf dem Wanderparkplatz. Ein Bus fährt von Trier aus nach Newel-Butzweiler, auch von dort kann gestartet werden. Kordel hat zudem einen Bahnhof, so dass auch eine Anreise per Zug möglich ist. Einkehren: Am Römerpfad gibt's mehrere Möglichkeiten: Das Restaurant Am Brunnen, Ramsteiner Weg 4, Butzweiler, www.restaurant-am-brunnen.de , und das Hotel-Restaurant Burg Ramstein direkt neben der Burg, www.burg-ramstein.deAusruhen: Der Römerpfad bietet jede Menge Gelegenheiten, sich hinzusetzen, die Verpflegung auszupacken oder einfach den Blick schweifen zu lassen. In regelmäßigen Abständen gibt es Bänke und Sitzgruppen. Nicht verpassen: Die Pützlöcher, das Römische Kupferbergwerk, können außerhalb der Schutzzeit der Fledermäuse von Mai bis Oktober besichtigt werden. Eine Anmeldung ist notwendig: Telefon 06505/8950 oder 0651/4355436.