Anwohner verärgert: Am Stadtrand von Wittlich ist es manchem zu grün

Anwohner verärgert: Am Stadtrand von Wittlich ist es manchem zu grün

Was ist Natur, und was kann weg? Wie sehr muss sich die Stadt darum kümmern? Wittlicher, die am Hasenmühlenweg wohnen, sagen: Es könnte mehr sein.

Für den einen ist es Idylle pur, für den anderen ein Grund zum Ärgern. Für Gerd Becker zum Beispiel. Er regt sich über die Ausmaße auf, die die Natur vor seiner Haustür am Stadtrand an der Lieser annimmt. Wie sie wächst, und was da wächst, gefällt ihm nicht. Mit dieser Auffassung ist er nicht allein. Er hat eine Forderung formuliert. Wer sie unterschreibt, ist auf seiner Seite. Auf der anderen Seite steht die Stadtverwaltung, die Becker und rund 20 Mitstreiter zur Bändigung der Natur auffordern. Ihre Mission: "Wir fordern von der Stadt Wittlich, dass das ungepflegte städtische Grundstück zwischen dem Hasenmühlenweg und der Lieser regelmäßig gepflegt wird. Ebenso müssen die ungepflegten Baumumrandungen am Hasenmühlenweg und Am Felsenwehr regelmäßig gepflegt werden."

Die Unterschriften liegen dem TV vor. Der Behörde noch nicht. Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadtverwaltung, sagt zu den bemängelten Zuständen: "An den Baumscheiben der Straßenbäume am Hasenmühlenweg werden zweimal jährlich Rückschnitte vorgenommen. Das Grundstück zur Lieser wird im Zuge des weiteren Ausbaues des Fußweges demnächst gemulcht und bleibt anschließend extensives Grünland, das je nach Wuchs ein- bis zweimal jährlich gemulcht werden soll." Er macht auch deutlich: "Bei der Fläche an der Lieser handelt es sich nicht um eine Parkanlage, sondern um einen ökologisch wertvollen Gewässerrandstreifen, der auch der Retention also Rückstaufläche bei Hochwasserereignissen dient."

Dieser Meinung scheinen auch insgesamt sechs Fußgänger zu sein, die einzigen Menschen, die der TV bei einem einstündigen Ortstermin bei schönem Wetter nachmittags dort angetroffen hat. Sie schätzen die Natur, die Möglichkeit direkt an der Lieser zu parken und spazieren zu gehen. Eine Dame sagt: "Das ist ja hier nicht der Stadtpark, und der liegt doch auch gleich um die Ecke." Auf den Ausbau des Weges links der Lieser freuen sich aber alle. Der Trampelpfad solle bald "auf Fußwegbreite erweitert und mit einer Schicht feinem Schotter befestigt werden. Zudem wird die Grünfläche gemulcht, teilweise neu eingesät und künftig als extensiv zu pflegende Fläche mit ein bis zwei Schnitten pro Jahr unterhalten", so Stöckicht. Er sagt auch: "Ich selbst wohne an einem Wendehammer, in dessen Mitte eine städtische Rasenfläche mit einer großen Platane steht. Wenn deren Zustand nicht mehr meinen Erwartungen nach Sauberkeit und Ordnung entspricht, nehme ich mir persönlich die Zeit und versetze die Fläche in einen entsprechenden Zustand." Vorher spreche er mit dem Servicebetrieb der Stadtwerke: "Das geht schneller als Unterschriften zu sammeln und Beschwerdebriefe zu verfassen." Im Übrigen kann man Patenschaften übernehmen. 15 Bürger, meist in den Stadtteilen machen das. Rainer Stöckicht: "Unter www.stadtwerke.wittlich.de/Tiefbau/Grü ;nflächen sind weitere Informationen zu Grünpatenschaften hinterlegt."Extra: DAS ZAHLT WITTLICH FÜR BÄUME & CO.

Noch ist der künftige kleine Fußweg eher ein Geheimtipp und zudem so naturbelassen, dass er teils von Brennnesseln flankiert wird. Foto: (m_wil )


Mähen, Schneiden und auch Gießen: Das gibt's nicht umsonst. Die Pflege des öffentlichen Grüns an Straßen, Wegen und Plätzen kostet laut Rainer Stöckicht 365 000 Euro pro Jahr. Die Summe gilt für den gesamten Stadtbereich einschließlich der Stadtteile. Was genau für das Straßengrün ausgegeben wird, könne man nicht sagen: "Eine gesonderte Erfassung der Kosten für Wohnstraßen erfolgt nicht, diese sind in den oben genannten Kosten von 365 000 Euro enthalten." Hinzu kämen noch Grünflächenpflege an anderen Stellen. Er nennt zum Beispiel Stadtpark, Vitelliusbad, Friedhöfe, Schulen und Kindergärten und nennt auf TV-Nachfrage Beispielzahlen: "Die Grünflächenpflege im Stadtpark verursacht einen jährlichen Aufwand von rund 40 000 Euro, für das Vitelliusbad ist mit 50 000 Euro pro Jahr zu rechnen."