Die Queen hätte ihre Freude gehabt

Die Queen hätte ihre Freude gehabt

Der Musikverein Wengerohr wurde im Jahr 1926 in einem Wohnzimmer gegründet. Im gleichen Jahr kam in England Elizabeth II. zur Welt. In Wittlichs Stadtteil ist nicht so aufwendig gefeiert worden wie auf Schloss Windsor, aber dafür kreativ, anspruchsvoll und modern.

Wittlich-Wengerohr. Mit "Ticket to Ride" von den Beatles starteten die mehr als 50 Musiker ins "Unterwegs"-Jubiläumskonzert des Musikvereins Wengerohr. Die Männer am Euphonium, einem tiefen Blechblasinstrument, sorgen auch gleich für ungewöhnliche Klänge, als sie in die Mundstücke ihrer Instrumente in umgekehrter Richtung reinbliesen und so den Ton eines herannahenden Zugs erzeugten. Das hohe Tempo und die rhythmischen Wechsel zeigten schon im ersten Stück die musikalische Klasse des Vereins.
Das setzte sich im zweiten Stück fort. Das Kinderbuch "Der Wind in den Weiden" wurde hier in vier Sätzen vertont. Gleich im ersten wird ein Fluss in einem Hauptmotiv von vier Tönen beschrieben, das mehrfach variiert wurde.
Die Musiker zeigten in diesem Stück, wie man sich die Töne zuspielen kann, wie man Töne dynamisch anschwellen lassen kann, ohne dass deren Intensität verloren geht, und dass Takt- und Tonartwechsel für sie kaum ein Problem sind. Beim abschließenden, lang anhaltenden Applaus strahlten die Gesichter der Musiker. Dem einen oder anderen war der Stolz darüber anzusehen, dass sie dieses Stück gemeistert haben.
Anschließend unternahmen die Akteure einen musikalischen Spaziergang. Die Titelmelodie aus dem Film "Chicken Run" (auf deutsch: Hennen rennen) war zu hören. In den weiteren Werken des Abends waren getragene, leichte, eindrucksvolle, nachdenkliche und humorvolle Stimmungen zu hören. Michael Hammes spielte an der Querflöte die Titelmelodie des Films "Forrest Gump", teilweise nur begleitet vom Xylophon, so dass der eine oder andere Besucher eine Gänsehaut bekommen hat. In "A Hunting Scene", das Jagdszenen in einem englischen Idyll illustriert, hat der Musikverein seine kreative Seite gezeigt. Da wurde mitgesungen, Vogelgezwitscher und Hundegebell waren zu hören, und einer der Trompeter spielte aus einem Nachbarraum.
Am Ende des Abends gab es zwei Zugaben, eine davon war der Marsch "Ins Land hinaus", bei dem die Besucher gleich mitgeklatscht haben. Stimmig war nicht nur die Musik: Lichteffekte im selben Blau wie die Accessoires der Musiker gaben dem Abend eine frische, moderne Note.
Neben Wengerohrer Bürgern waren auch Musiker aus benachbarten und befreundeten Vereinen zum Konzert gekommen, Vertreter aus der Politik, der katholischen Kirche und der in Wengerohr ansässigen Hamd Moschee.
Fehlten eigentlich nur noch Vertreter des englischen Königshauses, dann hätten Queen Elizabeth und der Musikverein zusammen Geburtstag feiern können. Sie hätte ihre Freude daran gehabt.Extra

Viele Musiker wurden für ihr Engagement im Musikverein Wengerohr ab fünf Jahre aktives Musizieren geehrt. Das Bronzene Ehrenzeichen für zehn Jahre aktives Musizieren wurde verliehen an Christine und Johanna Endres, Anna Kaspari und Dominic Reichert, das silberne Ehrenzeichen für 20 Jahre an Ursula und Oliver Dillenburger, Anke Hassenbach und Alfred Thetard. Das goldene Ehrenzeichen (30 Jahre) ging an Simone Fröhlich und Axel Kaspari. Das goldene Ehrenzeichen mit der Zahl 40 bekam Sabine Berg aus den Händen von Norbert Sartoris, stellvertretender Präsident des Landes-Musikverbands. chb

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