Ein Gläschen Sekt auf die 100

BERNKASTEL-KUES. 100 Jahre alt wurde Elisabeth Loch gestern: Die alte Dame kann es noch gar nicht fassen. Auch Glückwünsche vom Bundespräsidenten kamen für die Jubilarin an. Aber mit ihrer Familie und den Mitbewohner und Betreuern im Altenpflegeheim St. Nikolaus mit einem Schlückchen Sekt anzustoßen - das war für Elisabeth Loch einfach das größte.

Als sei es für sie bestellt, klingen ganz leise aus dem Lautsprecher die Worte: "Wenn das kein Grund zum Feiern ist." Für die 100-Jährige ist das ein Grund - auch wenn sie gegenüber demTV schmunzelnd zugibt: "Ich fühle mich heute eigentlich wie immer."Den Kühen nachrennen - das hält fit

Ein Patentrezept für ihr hohes Alter hat sie auch gleich parat: "Ich war in meinem Leben immer an der frischen Luft und bin den Kühen nachgerannt - das hält fit", lacht sie. Denn ihr "Berufsleben" war die Landwirtschaft mit zwei Kühen, Schweinen und Feldern, auf denen sie Kartoffeln setzte, Hafer und Korn säte. Bis vor drei Jahren noch lebte die Seniorin in Longkamp, wohin sie als junge Frau die Liebe verschlagen hatte. Geboren wurde Elisabeth Loch am zweiten Februar 1905 in Gusterath bei Trier als fünftes von insgesamt sieben Kindern der Familie Theisen. Elisabeth lebt noch als einzige. An vieles kann sich die geistig hellwache Frau erinnern, etwa daran, dass die Straße früher ein idealer Spielplatz war, an ihr liebstes Hüpfspiel "Mutter derf' ich", an harte Kriegszeiten und natürlich an den Kaiser. "Der Kaiser ist ein lieber Mann und wohnet in Berlin, und wär' das nicht so weit von hier, dann ging ich heut' noch hin", kommt ihr ganz spontan ein beliebter Spruch in den Sinn. "Für uns Kinder war die Kaiserzeit doch schön, aber ich glaube, für unsere Eltern nicht." Erinnern kann sich die Jubilarin noch an ihr Brautkleid aus schwarzem Samt und an die schlichte Hochzeitsfeier 1928. Und auch an die schwere, arbeitsreiche Zeit als Hausfrau, Bäuerin und Mutter von drei Söhnen. Ihr Mann Josef war Soldat, und die Arbeit drinnen und draußen auf Hof und Feld musste geschafft werden. Geschäfte gab es in Longkamp früher nicht. "Zum Einkaufen gingen wir zu Fuß nach Bernkastel", bemerkt Elisabeth Loch. Bei jedem Wetter, versteht sich. "Aber wir waren ja Bauern, die waren nicht so empfindlich", macht sich ein verschmitztes Lachen auf dem Gesicht der Seniorin breit. Später fuhr auch sie dann mit dem Bus. 1948 kam ihr Mann aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück. Elisabeth Loch fühlte sich trotz eines Lebens voller Entbehrungen immer zufrieden. "Wenn man eine Familie, wenn man Kinder hat, dann muss man doch einfach zufrieden sein", versichert sie. Enkel und Urenkel kamen dazu. Mit ihrem Mann hätte sie gerne auch noch die Goldene Hochzeit gefeiert, doch er starb 1977 nach 49 Ehejahren. Und was wünscht sich die Jubilarin zum ihrem Festtag: "Das schönste Geschenk zum 100. Geburtstag ist doch mein Alter", stellt Elisabeth Loch ganz bescheiden klar. Mit frisch frisiertem weißem Haar und weißer Bluse sieht sie richtig schick aus - und die 100 sieht man ihr sowieso nicht an. "Na, dann Prost auf unsere Elisabeth", hieß es bei der Geburtstagsfeier im Altenheim.

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