Erst römisches Dorf, dann Militärstandort

Erst römisches Dorf, dann Militärstandort

Das römische Kastell in Bitburg zählt neben dem in Boppard zu den besterhaltenen spätantiken Befestigungsanlagen nördlich der Alpen. Ein archäologischer Rundweg führt zu Mauerresten und Kopien von Reliefs und Skulpturen. Bei manchem Bitburger läuft die Kastellmauer geradewegs durchs Haus.

Bitburg. Archäologen des Provinzialmuseums, dem Vorgänger des Rheinischen Landesmuseums, suchten in Bitburgs Boden schon im 19. Jahrhundert nach Überresten aus der Römerzeit. Die neuesten Erkenntnisse brachte die Stadtkernsanierung in den 80er Jahren. Die archäologischen Untersuchungen ergaben, dass Bitburgs Anfänge bis ins 2. Jahrzehnt v. Chr. zurückreichen.
Bedeutende Siedlung


Nach Trier war Beda, wie die Straßenkarten aus dem 2. und 3. Jahrhundert den sogenannten Vicus nannten, die bedeutendste Siedlung des Trierer Landes. Sie entwickelte sich aus einer Straßenstation, die direkt an der römischen Fernstraße zwischen Köln und Trier lag. Es gab Herbergen, Gasthäuser, Handwerksbetriebe, Kaufläden, Lagerhäuser und Stallungen, vermutlich auch eine Kultstätte im Bereich der Liebfrauenkirche. Darauf weisen die Götterstatuen hin, die hier gefunden wurden und als Abgüsse wieder dort stehen.
Nach dem, was Funde ergaben, war Beda eine reiche Siedlung. Sie verfügte sogar über ein Theater. Das beweist ein Stein aus dem Jahr 198 n. Chr. mit der Inschrift über die Stiftung eines Theaters, nachzulesen im Steingarten oberhalb der Tiefgarage im Bereich "An der Römermauer".
Im 3. Jahrhundert war es erst mal vorbei mit dem Wohlstand. Denn 275 n. Chr. wurde die Siedlung durch einfallende Germanen zerstört.
Im 4. Jahrhundert brach eine neue Zeit für Beda an. Im Kernbereich des zerstörten Dorfes errichteten die Römer ein ovales Kastell mit einer 3,80 Meter dicken Mauer, 13 runden Wachtürmen und zwei Stadttoren. Die Reste der Umgrenzungsmauer stehen heute zum Teil noch bis zu sechs Meter hoch. Die zwei Hektar große Anlage diente dem Schutz der ansässigen Bevölkerung und war wegen ihrer wichtigen Lage an der Straße zwischen Trier und Köln militärischer Stützpunkt. Bis ins Mittelalter waren hier Siedler zu Hause.
Um der Öffentlichkeit die Bedeutung Bitburgs zur Römerzeit vor Augen zu führen, gründete sich 1992 ein Arbeitskreis. Das Ergebnis war ein archäologischer Rundweg, der dazu einlädt, sich an 16 Stationen einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das Kastell aufgebaut war. Der Rundweg beginnt am Rathaus und führt zu den noch sichtbaren Mauerresten, die teils im römischen Originalzustand sind, teils im Mittelalter verändert wurden. Wo es aufgrund der Bebauung möglich war, zeigen andersfarbige Steine im Straßenpflaster den Streckenverlauf der Mauer. Wie die Befestigungsanlage im Ganzen aussah, führt ein Modell im Foyer der Stadthalle vor Augen.
Bei Renovierungsarbeiten ist schon mancher Bitburger Hausbesitzer auf Zeugnisse der Vergangenheit gestoßen. Wie in einem Architekturbüro im Bereich Im Graben, wo Mauerreste im Erdreich unter einem gläsernen Fußboden konserviert sind.
Römisches in der Küche


Ein Teil der römischen Befestigungsmauer läuft auch durch Walburga Schäfers Haus. Als sie ihr Elternhaus in der Straße Im Graben saniert hat, legte sie Wert darauf, die Steine aus der Römerzeit freizulegen. Wenn sie jetzt am Esstisch sitzt oder kocht, blickt sie auf das Mauerwerk. "Das ist ein gelungenes Beispiel, fantastisch", Marie-Luise Niewodniczanska ist entzückt über so viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Geschichte. Die Stadträtin hat im Arbeitskreis für den Rundweg mitgewirkt und engagiert sich weiter mit Leidenschaft für aktuelle Ausgrabungen. Sie kündigt an, dass in Kürze Neuigkeiten aus der archäologischen Erforschung Bitburgs offengelegt werden. "Neuere Funde legen die Vermutung nahe, dass Beda kein kleiner Vicus war, sondern die Größe einer Stadt hatte." Als "sensationell" bezeichnet Niewodniczanska die aktuellen Erkenntnisse über die Ausmaße der Siedlung, die aus Furcht vor Grabungsräubern noch geheim bleiben sollen.
Extra

Die Broschüre "Das römische Bitburg" des Rheinischen Landesmuseums ist für drei Euro in der Tourist Information Bitburg erhältlich. Sie umfasst 70 Seiten und enthält einen Übersichtsplan zum archäologischen Rundweg sowie eine Karte über die Grabungsbefunde. Sys

Mehr von Volksfreund