Es gibt nur Sieger

BERNKASTEL-KUES. Streitschlichter gibt es bereits an vielen Schulen. Die drei weiter führenden Schulen in Bernkastel-Kues werden demnächst auch über jugendliche Busbegleiter verfügen.

"Es ist besser geworden." So beschreibt Helmut Kaspar, Leiter der Polizeiinspektion Bernkastel-Kues, knapp vier Monate nach dem Unfall, bei dem ein elfjähriges Mädchen verletzt wurde (der TV berichtete), die Situation. Es werde aber demnächst noch ein Gespräch in größerer Runde geben, bei dem letzte Details für einen geregelten Ablauf besprochen werden sollen. Die Situation rund um die Busse ist ein großes Thema, die Situation in den Bussen ist ein ebenfalls bedeutender Komplex. Deshalb wollen Hauptschule, Realschule und Gymnasium das Pilotprojekt "Busbegleitdienst am Schulstandort Bernkastel-Kues" einrichten. Bis zu 80 Schülerinnen und Schüler sollen dafür ausgebildet werden. Reimund Eisenkrämer, der als ehemaliger Polizeibeamter und ehemaliger Schulelternsprecher der Realschule die Problematik ganz genau kennt, hat das Konzept erarbeitet und wird es in den nächsten Tagen den Schulleitungen präsentieren. Er wird auch die Ausbildung übernehmen. Der Idealfall sieht für ihn so aus: Pro Bus werden sechs Busbegleiter eingesetzt, jeweils zwei von jeder der drei Schulen. Allein mit dieser zahlenmäßig großen Präsenz soll gewährleistet werden, dass es in den Bussen ruhig bleibt. Ein weiterer Vorteil: Die Schüler fahren immer im gleichen Bus und kennen sich untereinander. "Sie sollen sich respektieren und akzeptieren", wünscht sich Eisenkrämer. Er geht davon aus, dass sich viele Schülerinnen und Schüler für die Aufgabe interessieren. Ihr Interesse reicht aber nicht. Auch die Eltern müssen einverstanden sein, dass ihre Kinder zu Busbegleitern ausgebildet werden. Mögliche Ängste zerstreut Eisenkrämer. "Die Busbegleiter sollen sich nicht selbst in Gefahr begeben", sagt er. Sie sollen vorbeugend tätig werden, Streitigkeiten erst gar nicht aufkommen lassen. Den Schlüssel zum Erfolg sieht er in der Konfliktbewältigung (Mediation). "Beide Seiten sollen Sieger sein. Sie sprechen die gleiche Sprache und sollen gemeinsam nach einer Lösung suchen", sagt er. Verkehrsbetriebe übernehmen die Kosten

Blauäugig geht Eisenkrämer nicht an die Situation heran. Als ehemaliger Jugendsachbearbeiter bei der Polizei weiß er um die gesellschaftlichen Gegebenheiten: "Die Aggressionen nehmen zu. Wir leben in einer Ellenbogen-Gesellschaft." Ganz wichtig bei Eisenkrämers Plänen: Die Busbegleiter sollen zwar Ansprechpartner in der Schule haben, mit denen sie über allgemeine Probleme ihrer Tätigkeit sprechen können. Namen möglicher Rowdys sollen sie aber nicht preisgeben. Ansprechpartner soll auch in diesem Fall Reimund Eisenkrämer sein, der sich dann vermittelnd einbringt. "Wenn Lehrer, Eltern oder Polizei eingeschaltet werden, ist immer mit Sanktionen zu rechnen", sagt er. Eisenkrämer möchte dagegen verhindern, dass Jugendliche gleich abgestempelt werden. Wenn alle Seiten mitziehen, sollen die Busbegleiter ab Beginn des neuen Schuljahres ihren Dienst versehen. Die Kosten für das Projekt belaufen sich jährlich auf circa 1100 Euro. Sie werden von den Verkehrsträgern (Moselbahn, RMV) getragen. Beide Unternehmen haben ein Interesse daran, dass es in ihren Bussen ruhig zugeht.

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