Gesucht: Kunst für die Großsporthalle

Gesucht: Kunst für die Großsporthalle

Wenn Stadt, Kreis oder gar der Staat im großen Stil öffentliche Gebäude errichten, gibt es auch Geld für Kunst am Bau. Deshalb können sich jetzt Künstler für eine Gestaltung am oder im Projekt Großsporthalle bewerben. Wer den Zuschlag bekommt, soll eine Jury Ende Juni entscheiden.

Wittlich. Wie die künftige Großsporthalle mit Mehrzwecknutzung hinter dem Cusanus-Gymnasium einmal aussieht, zeigen die Planzeichnungen: ein großes Rechteck mit viel Glas und einem weit überstehenden Flachdach. Davor lassen die Grafiker Damen im Rock, Radfahrer, jugendliche Grüppchen und dynamisch schreitende Hemdträger einen gepflasterten Platz bevölkern. Diese Zukunftsvision hielten zum Spatenstich auf dem Sportplatz vor knapp einem Jahr gemeinsam Bürgermeister Joachim Rodenkirch und die damalige Landrätin Beate Läsch-Weber in die Kameras. Zum Baubeginn der "Superlative für die Region" - wie die Stadtverwaltung schreibt - lautete die Kostenprognose inklusive möglicher Preissteigerungen rund 8,5 Millionen Euro.
Bewerbung bis 1. März


Mittlerweile zeigt eine Kamera (Webcam) im Internet, wie aus den Plänen Wirklichkeit wird: Aus der Computersimulation ist eine Großbaustelle geworden, auf der das eingerüstete Gebäude schon aus dem Boden ragt. Doch den Plänen zum Projekt fehlt noch etwas: die Kunst am Bau. 50 000 Euro stehen zur Verfügung. Dafür soll es ein Werk geben, das ab Anfang 2013 vor, in oder an der Halle Platz finden soll. Bis zum 1. März können sich Interessierte ab sofort bei der Stadtverwaltung bewerben. Die will ausdrücklich keinen konkreten Entwurf für den womöglich künftigen Auftrag, sondern bereits gefertigte Arbeiten. Unter den Bewerbern sollen dann bis zu fünf ausgewählt werden, die gegen jeweils 500 Euro Vergütung einen Entwurf für ihre Kunst am Bau schaffen. Außerdem werden sie zu einem Kolloquium im März eingeladen. Im Juni wird dann eine Jury über die endgültige Vergabe entscheiden, heißt es in der Ausschreibung.
Vorgaben hinsichtlich der Art des Kunstwerkes gibt es keine. Wie so etwas einmal aussehen kann, das zeigt sich gleich um die Ecke an der Kurfürst-Balduin-Realschule. Dort stehen Arbeiten von drei Wittlicher Künstlern: Den Schulpatron am Eingang hat Silvio Dell\' Antonio geschaffen, die Arbeit daneben ist von Hanns Scherl. Und über beiden leuchtet und flirrt seit 2005 die sogenannte Voodootapete, eine Fassadengestaltung von Senne Simon, die immer noch die Blicke auf sich zieht.
Zuletzt wurde im vergangenen Jahr in der Kreisstadt eine weitere aufsehenerregende Kunst-am- Bau-Arbeit fertig: Die Schwarz-Weiß-Malerei an der Außenmauer der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA) in der Trierer Landstraße: Das erste Kunstwerk landesweit, das eine Gefängnismauer ziert. 40 000 Euro wurden dafür ausgegeben: Insgesamt wird für die JVA-Erweiterung zu rund 70 Millionen Euro eine Summe von 250 000 Euro in Kunst am Bau investiert. Denn dieser Posten ist generell bei öffentlichen Bauten ein verpflichtender: In der Regel sind es rund ein Prozent der Bauwerkskosten.
Und der nächste Kunst-am-Bau-Auftrag steht an. Es geht um ein öffentliches Gebäude, das noch im Planzeichnungsstadium steckt, wie vor einem Jahr die Großsporthalle: Für den Rathausneubau in der Kurfürstenstraße sind in der Kostenschätzung bereits ebenfalls 50 000 Euro für diesen obligatorischen Posten gelistet.
Was ist Ihre Meinung zum Thema Kunst am Bau? Mailen Sie uns einfach möglichst kurz gefasst an mosel-echo@volksfreund.de

Meinung

Macht\\'s menschlich
Kunst am Bau - muss das sein? Muss nicht lebensnotwendig, aber sie gibt Zweckbauten einen menschlichen Akzent. Über die Summen kann man sicherlich streiten. Dennoch: Eine künstlerische Arbeit schafft einen Mehrwert, bricht Uniformität und Austauschbarkeit. Man stelle sich einfach mal Bauwerke, die heute touristische Pilgerstätten sind, ohne Kunst vor. Ehemals förderten Kirche, Kaiser & Co. die Kunst. Heute übernimmt die öffentliche Hand diese Aufgabe. Es gibt in diesem Bereich weitaus fragwürdigere Investitionen. s.suennen@volksfreund.de Politiker sprechen gerne davon, dass man Standards absenken muss, um marode Haushalte in den Griff zu bekommen. Fragt sich nur, welche. Man könnte wie in Kirchen auch in Schulen, Behörden und Kindergärten das Heizen einschränken oder wieder 40 Kinder in einer Klasse unterrichten, um Lehrer und deren Gehälter einzusparen. Oder man verabschiedet sich von der Vorstellung, dass es Aufgabe des Staats ist, durch verordnete Kunst am Bau Kunstschaffenden das Einkommen zu sichern. Diesen Standard können wir uns nicht mehr leisten. h.jansen@volksfreund.de

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