Licht in Böhrs Schatten

Alex Licht hat den gestrigen Abend wohl mit sehr gemischten Gefühlen erlebt. Da ist zum einen die Enttäuschung über das schlechteste CDU-Landesergebnis aller Zeiten, da ist die Erleichterung, dass er mit einem respektablen Ergebnis seinen Wahlkreis verteidigt hat, und da ist die Erkenntnis, dass sich seine seit Jahren geäußerten Befürchtungen bestätigt haben: Mit Böhr ist keine Wahl zu gewinnen.

Lichts Meinung dürfte innerhalb der Partei nun etwas schwerer wiegen. Er hatte vor Böhr gewarnt, er wollte einen anderen Spitzenkandidaten. Doch der dilettantisch vorbereitete Putschversuch gegen Böhr scheiterte bekanntermaßen kläglich. Licht wird sich vermutlich noch vor der Sommerpause auf einem Parteitag den CDU-Mitgliedern im Kreis Bernkastel-Wittlich stellen. Ob sie einen Putsch gegen Licht wagen? Wohl kaum. Licht kann mit seinem persönlichen Erststimmen-Ergebnis werben. Das ist gut, aber auch nicht überragend. Schaut man in den Nachbarkreis Cochem-Zell, dann relativiert sich einiges. Dort erzielte die bislang unbekannte CDU-Kandidatin Anke Beilstein (sie kandidierte an Stelle von Herbert Jullien, den die CDU nach Betrugsvorwürfen aus dem Verkehr gezogen hatte) mit 55 Prozent der Erststimmen ein Traumergebnis. Für Bettina Brück ist die Ausgangsposition innerhalb der SPD eine andere. Sie ist nun ebenso wie Dieter Burgard aus Wittlich Mitglied des Landtags und dürfte ebenso wie er auf den Posten des SPD-Kreisvorsitzenden schielen. Wer die Nachfolge von Günter Rösch antreten wird, ist aber völlig offen. Noch ein paar Worte zu kleinen Parteien: Die FDP und Grüne büßten im Wahlkreis Stimmen ein, die FDP ein Prozent, die Grünen 0,5 Prozent. Die WASG blieb mit 1,9 Prozent weit hinter den Erwartungen zurück. Von den Grünen hätte man im Wahlkreis 23 eigentlich mehr erwarten können. Die Umwelthemen Flughafen Hahn und Hochmosel-Übergang haben ihnen aber offenbar keine Pluspunkte gebracht. w.simon@volksfreund.de