Liebesgrüße aus Hermeskeil

Die Liebesbriefe von Michael Hülpes sind verschickt. Der Chef der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil hat die 21 Ortsbürgermeister der Nachbarkommune Thalfang zu Gesprächen über eine mögliche Fusion eingeladen. Der TV hat nachgehört, wer die Einladung überhaupt annimmt.

Thalfang/Hermeskeil. Es hat ein wenig etwas von der Rattenfängermär. Die Verwaltung der VG Hermeskeil hat Einladungsschreiben an alle 21 Ortsbürgermeister der Nachbarkommune Thalfang verschickt, um die Ortsgemeinden im Rahmen der Kommunalreform für einen Wechsel in den Nachbarkreis in die VG Hermeskeil zu locken. Für seine Vision von einer starken Verbandsgemeinde Hochwald rührt Michael Hülpes, Bürgermeister der VG Hermeskeil, kräftig die Werbetrommel.
Kommunalreform



Mit magerer Ausbeute. Ganze vier der 21 Ortschefs der VG Thalfang haben Hülpes\' Einladung angenommen: Talling, Lückenburg, Neunkirchen und Breit. Der Großteil der Ortsbürgermeister unterstützt hingegen die Marschroute, die vom Kreis Bernkastel-Wittlich und der VG Thalfang ausgegeben wurde: Die Kreisgrenze bleibt unangetastet, die VG Thalfang fusioniert nur als Ganze.
Erst einmal, wie es stets heißt, denn sollten die Gespräche mit der Einheitsgemeinde Morbach ergebnislos bleiben, müssen dann Plan B und C auf den Tisch.
Auch den 13 Ortsbürgermeistern der VG Kell am See sind Einladungen zu Fusionsgesprächen ins Haus geflattert. Ebenfalls mit mäßigem Ergebnis. Lediglich zwei Ortschefs sind bereit, mit Hülpes über einen etwaigen Zusammenschluss zu sprechen. Der Rest zeigte die kalte Schulter.
Positiv auf die Einladung nach Hermeskeil reagieren nur knapp eine Handvoll Ortsbürgermeister. Neunkirchen: "Wir haben die Einladung dankend an- und wahrgenommen", sagt Richard Pestemer. Wir haben uns von Bürgermeister Hülpes darstellen lassen, warum die VG Hermeskeil an Kontakten mit Ortsgemeinden interessiert ist. Wir haben indessen auch klargestellt, dass die Bewahrung der Selbstständigkeit der Ortsgemeinde Neunkirchen in jeder Hinsicht für uns entscheidend ist."
Günter Klassen, Ortsbürgermeister aus Breit: "Wir haben dies mit Interesse, aber auch mit einiger Verwunderung zur Kenntnis genommen. Die Verwunderung rührt aus der nicht vorgesehenen Kreisreform. Eventuellen weiteren Informationen sollte man sich als Ortsgemeinde ja nicht verschließen."
Auch Lückenburgs Ortschef Reiner Roth ist in Begleitung eines Ratsmitglieds nach Hermeskeil gereist. Überwiegend halten sich die Ortsbürgermeister jedoch an die Marschroute von Kreis und VG.
Die überwiegende Mehrheit der Ortschefs zeigt sich wenig begeistert. Detlev Jochem aus Dhronecken: "Die Ratsmitglieder waren über dieses Schreiben sehr verärgert. Man vertrat die Meinung, dass die VG Hermeskeil versucht, die Notlage in der sich die VG Thalfang zurzeit befindet, auszunutzen, obwohl ihr die Beschlusslage des Verbandsgemeinderates Thalfang zur Kommunal- und Verwaltungsreform bekannt ist. Hier wird der Versuch unternommen, die VG Thalfang aufzuspalten. Da die VG Hermeskeil von der Kommunalreform nicht betroffen ist, zeugt diese Vorgehensweise nicht gerade von einem fairen Umgang miteinander innerhalb der kommunalen Familie, und führt sicherlich nicht zur Bildung einer starken Verbandsgemeinde Hochwald."
Hilscheid: "Ich muss sagen, dass mir beim Lesen des Schreibens die Spucke wegblieb. Ich finde es unverschämt, so ein Schreiben an mich und meine Kollegen zu senden. Wenn man schon eine VG Hunsrück anvisiert, sollte man die Einheitsgemeinde Morbach, die VG Thalfang sowie die VG Kell am See miteinbeziehen, um so eine starke VG Hunsrück zu erzielen", sagt Detlef Haink.
Rorodt: Ortsbürgermeister Hermann Klein hat da seine eigene Idee: "Wenn man jedoch eine starke Hochwaldverbandsgemeinde haben möchte, wäre es nur sinnvoll, wenn die Einheitsgemeinde Morbach, die VG Thalfang und die VG Hermeskeil mit Amtssitz in Thalfang und die VG Hermeskeil zum Kreis Bernkastel-Wittlich fusionieren würden."