| 18:11 Uhr

Wittlich
Ministerium verlangt beim Bad-Neubau Einsparungen

 Skizze Visualisierung Vitelliusbad Wittlich
Skizze Visualisierung Vitelliusbad Wittlich FOTO: Krieger Architekten
Wittlich. Rutsche, Freibad oder Schiebedach – was ist verzichtbar? Bei der Neuplanung des Vitelliusbades in Wittlich wird jetzt um Millionen gefeilscht. Von Christian Moeris

Zu üppig und zu viel des Guten: Wie man bei der Diskussion im Bauausschuss der Stadt Wittlich vernehmen konnte, fordert das Ministerium in Mainz, dass der Neubau des Vitelliusbades in Wittlich bescheidener ausfällt, als man ihn im Stadtrat und Bauausschuss bislang geplant hat. Wie Landtagsmitglied Elfriede Meurer im Ausschuss sagte, „verlangt das Ministerium, dass wir die Wasserfläche weiter reduzieren“.

Droht man sich in Wittlich mit dem Neubau des maroden Schwimmbades zu verheben, oder warum verlangt man in Mainz, dass die Wittlicher schlichtere Pläne vorlegen?

Wie Ingenieur Heiko Büthe von der Constrata Ingenieur-Gesellschaft dem Gremium bei seiner jüngsten Sitzung im Stadthaus erklärte, sei aufgrund des allgemeinen Preisanstiegs in der Bauwirtschaft auch mit extremen Kostensteigerungen beim Neubau des Schwimmbades zu rechnen. Deswegen könnte das Projekt also finanziell aus dem Ruder laufen. Büthe: „Allein 2018 gab es im gesamten Bausektor eine Kostensteigerung von 4,8 Prozent.“ Insofern sei der 2018 gesteckte Kostenrahmen von 20,75 Millionen Euro (brutto) nicht mehr zu halten. „Ich zeige Ihnen nun die Kosten, die wir auf der Grundlage aktueller Preise und Zahlen der Baubranche errechnet haben. Bitte seien Sie jetzt nicht geschockt“, sagte Büthe, bevor er den Ausschussmitgliedern seine neuen Zahlen präsentierte. Nicht 20,75, sondern 24,6 Millionen Euro (brutto) werde der Neubau des Vitelliusbades nun also kosten – würde man nicht an mancher Stelle sparen. „Jedes Jahr, das wir beim Bau verlieren, wird also eine extreme Kostensteigerung mit sich bringen“, sagte Bürgermeister Joachim Rodenkirch.

Um einen tragfähigen Entwurf zu erarbeiten, den man dem Ministerium in Mainz vorlegen könne, müsse gespart werden, sagte Rodenkirch. Dazu sei die Fördermöglichkeit durch das Land begrenzt. „Jetzt mal rein hypothetisch: Mehr als drei Millionen Euro werden wir nicht bekommen. Für das Freibad könnten wir aber eventuell noch über ein anderes Förderprogramm an Zuschüsse kommen.“ Bei der Lokalisierung des Einsparpotenzials kam dem Ausschuss das beauftragte Architekturbüro Krieger zur Hilfe. Diplom-Ingenieur Sebastian Neuhaus präsentierte sechs erarbeitete Vorschläge.

Hubboden Ein höhenverstellbarer Schwimmbadboden im 25-Meter-Becken im Hallenbad hätte einige Vorteile: So ließe sich für den Schwimmunterricht mit Kindern, für Wassergymnastik und andere Einsatzzwecke die gewünschte Wassertiefe einstellen. Dabei sollen das Freibad im Nichtschwimmerbereich und auch das Hallenbad schon Bereiche mit geringer Wassertiefe bieten. Deshalb entschieden sich die Ausschussmitglieder gegen dieses Extra, das 500 000 Euro kosten würde.

Hallenbad Es sei technisch möglich, sagte Neuhaus, das gesamte Hallenbad 4,16 Meter schmaler zu bauen und so Wasserfläche einzusparen. So reduziere sich die Zahl der Schwimmbahnen von sechs auf fünf, wobei man diese mit Leinen zu Trainingszwecken auf sechs Bahnen abhängen könne. Einsparpotenzial: 662 000 Euro. Der Bauausschuss willigte ein.

Freibad Einen empfindlichen Nerv vieler Mitglieder des Bauausschusses traf Planer Neuhaus, als er auf mögliches Kürzungspotenzial im Freibad zu sprechen kam. Gegen die Vorschläge, die Wasserfläche im Freibad um eine 50-Meter-Bahn auf nurmehr zwei Bahnen zu verkleinern oder dort gar den Nichtschwimmerbereich zu verkleinern, gingen viele Ausschussmitglieder auf die Barrikaden: „Ich hänge am Freibad. Und wir dürfen dort auf gar keinen Fall die Qualität schmälern, so dass wir im Endeffekt weniger Betrieb hätten“, sagte Jan Salfer (CDU).

Wie Albert Klein, Beigeordneter der Stadt Wittlich, hingegen sagte, könne man im Freibad möglicherweise schon noch eine Schwimmbahn streichen. „Bei dieser Überlegung muss man das Hallenbad in seiner Planung als Cabrio-Bad, bei dem man innerhalb von nur drei Minuten das verschiebbare Dach öffnen kann, mit einbeziehen. Denn bei geöffnetem Dach und unter freiem Himmel hat man ja auch dort den Eindruck, sich in einem Freibad aufzuhalten.“ Bürgermeister Joachim Rodenkirch: „Es ist wie immer eine Frage der Kassen: Kann ich mir das leisten? Beim Neubau des Schwimmbades in Konz haben sie beispielsweise das Freibad komplett abgebaut.“ Der Ausschuss entschied sich gegen Kürzungen an der aktuellen Planung für das Freibad. „Dabei gibt es nur etwa 20 bis 30 gute Freibadtage im Jahr“, sagte Ingenieur Büthe.

Sportlerumkleiden Der ehemalige Entwurf sah für den Neubau des Vitelliusbades auch die Integration von Umkleidekabinen für das angrenzende Sportzentrum vor. „Aber diese Planung ist eh suboptimal“, sagte Rodenkirch. Man solle die Sportler­umkleiden auf dem Gelände des Sportzentrums besser zu gegebener Zeit als eigenständiges Projekt angehen. Beim Schwimmbadneubau will man so erstmal 576 000 Euro einsparen, entschied die Mehrheit im Ausschuss.

Freianlage Im Bereich der Freianlage sehen die Mitglieder des Bauausschusses sehr großes Einsparpotenzial – allerdings in dem Sinne, dass dort mehr oder weniger alles so bleiben soll, wie es ist. Ein Neubau des Beachvolleyballplatzes, Hecken auf der Freibadwiese und weitere mögliche Neuerungen für die Freianlage erachten die Ausschussmitglieder als verzichtbar. „Mir haben viele Wittlicher gesagt: ‚Macht ja nichts am Außengelände’“, sagte Michael Wagner (Grüne) im Ausschuss. Das Gremium gab den Planern die Hausaufgabe auf, bei den Freianlagen weitestgehend auf Neuerungen zu verzichten und solche aus den Planungen zu streichen. Rodenkirch: „Sie sollen so bleiben, wie sie sind.“

Rutsche Obwohl sich damit 746 000 Euro einsparen lassen würden, fand sich keine Mehrheit dafür, die 60 Meter lange Wasserrutsche mit eigenem Becken aus der Planung zu streichen. Klein: „In einem Ganzjahresbad brauchen wir eine Rutsche als Attraktion im Winter. Ansonsten hätten wir nichts, was Jugendliche anziehen würde. Und das kostet uns Besucher.“

Einsparung Mit der reduzierten Planung sollen die Baukosten um zwei Millionen Euro gesenkt werden. Die vollendete Entwurfsplanung soll dem Stadtrat im Herbst zum Beschluss vorgelegt werden. Rodenkirch: „Wir müssen damit auch zum Ministerium und hoffen, dass wir mit diesen Einsparungen die Genehmigung des Fördergebers erhalten.“