Netzwerken für den Nachwuchs

Mitgliederschwund und mangelnde Förderung machen vielen Musik- und Gesangsvereinen Sorgen. Das könnte ein neues Gesetz ändern.

Traben-Trarbach Vereine sind für den Zusammenhalt und das Zusammenleben auf dem Land wichtig. Ohne sie wären kulturelle Aktivitäten und gemeinsame Veranstaltungen kaum möglich. Musik- und Gesangsvereine klagen schon seit Jahren über mangelnden Nachwuchs. Marcus Heintel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach will das ändern und hatte deshalb zu einem runden Tisch eingeladen. "Es kamen etwa 30 Vertreter von Chören und Musikvereinen aus der gesamten Verbandsgemeinde nach Traben-Trarbach. Mir war es wichtig, dass die Gruppen sich untereinander besser kennenlernen, um auf der Ebene der Verbandsgemeinde zusammenzuarbeiten", sagt Heintel. Rund 100 Musikvereine gibt es im Landkreis nach Auskunft der Kreisverwaltung. 63 Chöre sind zudem in 48 Gesangsvereinen organisiert. Bei dem Treffen ging es um den Nachwuchs, aber auch allgemein um neue Mitglieder. In diesem ersten Treffen wollte er vorfühlen, was man machen könnte, um das Thema voranzubringen. "Möglich wäre zum Beispiel eine Veranstaltung auf VG-Ebene, das gibt es zum Beispiel in Wittlich oder in Thalfang mit dem Sängertag der Verbandsgemeinde," erläutert der Bürgermeister. Nach der Fusion der alten Verbandsgemeinden Traben-Trarbach und Kröv-Bausendorf gebe es hier Nachholbedarf. Netzwerke schaffen, gemeinsame Veranstaltungen - das sei jedoch nur ein erster Schritt. "Es gibt ein Sportfördergesetz, aber leider noch kein Kulturfördergesetz," sagt Heintel. Mit so einer Basis sei es leichter, Zuschüsse zu erhalten. Das Sportfördergesetz schafft den Rahmen für die öffentliche Förderung von Sportvereinen und Organisationen. Es wäre aber wichtig, so Heintel, die Aktiven in der Kultur ebenso zu unterstützen. So könnte es mit einem Kulturfördergesetz zum Beispiel leichter sein, Instrumente und Noten für die Vereine zu beschaffen oder Fortbildungen zu bezahlen. Zudem werde es immer schwieriger, Dirigenten zu bezahlen. "Manch ein Verein muss aufgeben, weil ihm die Dirigenten fehlen", erzählt Heintel. Norbert Sartoris aus Laufeld, Mitglied im Präsidium des Landesmusikverbands, hat an dem Treffen teilgenommen. Er pflichtet Heintel bei. "Wir haben mit dem Landesmusikrat bereits eine Resolution nach Mainz geschickt. Es gibt solch ein Kulturfördergesetz zum Beispiel in Sachsen, ähnlich dem Sportfördergesetz. Das wollen wir auch in Rheinland-Pfalz." Seit 20 Jahren würden die gleichen Unterstützungen gezahlt. Das habe sich kaum geändert. Sartoris: "Das ist oft ein Hin und Her und gibt ein finanzielles Debakel. Immerhin haben wir 823 Musikvereine in Rheinland-Pfalz." Die Gesangsvereine würden schon seit längerem an Nachwuchsmangel leiden. Daher sei ein Sänger- oder Musiktag wie in der Verbandsgemeinde Thalfang etwas Erstrebenswertes. Man sei aber noch in den Anfängen, suche nach Ideen. Es komme eben immer auf die Leute an. "Es muss mit den Menschen passen. Die Rückgänge sind besonders bei Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren zu verzeichnen", sagt Sartoris. Dabei sei die Ganztagsschule einerseits von Vorteil, berge aber auch Nachteile. "Wenn wir dort Musikunterricht am Vormittag haben und die Vereine sich dort einsetzen, dann ist das von Vorteil. Das kommt aber immer auf die Schulleitung an. Am Nachmittag geht die musikalische Bildung nur über freiwillige Arbeitsgemeinschaften", meint Sartoris. Habe man als Verein einen Fuß in der Tür, dann könne das einerseits nur nützen. Andererseits aber seien Kinder, die aus den Ganztagsschulen erst am späten Nachmittag nach Hause kommen, kaum mehr dazu zu motivieren, anschließend in eine Vereinsprobe zu kommen. Sartoris: "Viele Leute wollen sich auch nicht festlegen. Das hängt mit einem sich wandelnden Pflichtbewusstsein zusammen." Das habe mittlerweile auch die Erwachsenen erreicht, deshalb brauche man sich nicht über die Jugend zu wundern. "Früher hat man viele Termine lange im Voraus festgelegt. Das geht heute nicht mehr so einfach. Viele wollen nicht verbindlich zusagen. Es könnte ja noch was anderes passieren", sagt Sartoris. Deshalb müsse man Kompromisse machen. Nicht nur der Nachwuchsmangel sei ein Problem, sondern eben auch das Thema Verbindlichkeit, die Bereitschaft, sich auch langfristig an einen Verein zu binden. Der runde Tisch will sich im Spätsommer erneut treffen. Bis dahin sollen die Veranstaltungstermine der einzelnen Vereine zentral erfasst werden. KommentarMeinung

Land und Vereine sind gefordertDie Gesellschaft verändert sich, und deshalb verändern sich auch die Vereine. Früher war es gängig, ein Jahresprogramm festzulegen. Man konnte davon ausgehen, dass alle Mitglieder teilnehmen. Heute ist das nicht immer der Fall, denn die Arbeitszeiten weiten sich immer mehr aus - und damit auch die Zeitfenster, in denen ehrenamtliches Engagement möglich ist. Mit dieser Situation umzugehen, ist die eine Herausforderung, der sich die Vereine stellen müssen. Projektkonzerte oder Sängertage der Verbandsgemeinde wären an der Stelle sicher förderlich. Aber es geht auch um den finanziellen Rahmen. Das Land ist nicht nur für den Sport, sondern auch für die Kultur zuständig - und dazu zählen nicht nur die Theater in den größeren Städten sondern eben auch die Kultur auf dem Land. Um die Vereine finanziell langfristig zu unterstützen, ist der Ruf nach einem Kulturfördergesetz völlig verständlich und berechtigt. Was die Finanzen betrifft ist deshalb das Land an der Reihe, seine Hausaufgaben zu machen. hp.linz@volksfreund.deExtra: FÖRDERGESETZE IN DEN LÄNDERN

Sport- und Kulturfördergesetze gibt es in verschiedenen Bundesländern. Mit diesen Gesetzen soll eine kontinuierliche Förderung von Sport oder Kultur ermöglicht werden, was damit auch Ziel der Landesverfassung ist. In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel einen speziellen Kulturförderplan, der die Gelder verteilt.