Neuer Pfarrer - neue Ideen

Andreas Kern ist erst kurz Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft "Rechts und Links der Mosel". Doch er hat schon heiße Themen angepackt. So wird der Tag des Ewigen Gebets durch die Aktion "Mit-ein-ander(s) beten" ersetzt.

Osann-Monzel/Brauneberg. Lust auf ein Essen oder einen Imbiss mit dem Pfarrer? In der Pfarreiengemeinschaft "Rechts und Links der Mosel" ist das möglich. Andreas Kern lädt unter dem Motto "Dinner@8" allerdings nicht ins Pfarrhaus ein. Er kommt zu den Leuten. Das können Familien sein, ein Freundeskreis oder auch Nachbarn. "Drei Einladungen gibt es bereits und weitere Anfragen", berichtet der 44-Jährige, der seit Ende Januar offiziell Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft ist.
"Das Projekt soll die Menschen ermuntern, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und darüber zu reden", sagt er. Die Gastgeber geben ein Thema vor. Kern wird einen Kurzvortrag dazu halten und Impulse geben. "Und dann kommen wir als Gruppe in den Austausch", verspricht er. Vorher wird allerdings gegessen. Kern: "So wie Jesus ja auch immer wieder gemeinsam mit den Menschen gegessen hat".
Zum Motto sagt er: "Es muss nicht unbedingt um acht Uhr sein." Der neue Pfarrer gibt sich pragmatisch. Das hängt vielleicht damit zusammen, das er ein sogenannter Spätberufener ist.
Mehr als zehn Jahre arbeitete der aus Kurtscheid (bei Neuwied) stammende Mann als Verwaltungsfachangestellter. "Da war ich in meiner Heimatpfarrei aber schon sehr engagiert", erzählt er. Deshalb studierte er praktische Theologie und arbeitete danach als Gemeindereferent.
Späte Berufung


In dieser Zeit habe er die Berufung gespürt auch den Weg zum Priester zu gehen. Nach der Zeit als Kaplan in Bad Neuenahr/Ahrweiler trat er seine erste Pfarrstelle an der Mosel an. Von der kleinen 45 Quadratmeter großen Wohnung ging es ins 180 Quadratmeter große, herrschaftliche Pfarrhaus nach Osann-Monzel.
Kern, das wird im Gespräch schnell klar, ist keiner, der sich ins gemachte Nest setzt und den lieben Gott einen guten Mensch sein lässt. Gleich beim ersten Treffen mit dem Pfarreienrat machte er den Vorschlag, den traditionellen Tag des Ewigen Gebets, der andernorts noch unantastbar ist, durch eine neue Aktion zu ersetzen.
Die ist auch schon terminiert (18. bis 26. Juni) und heißt "Mit-ein-ander(s) beten." Er habe in Gesprächen festgestellt, dass der Tag des Ewigen Gebets zumindest in seinem Zuständigkeitsbereich immer weniger Beteiligung finde. Mit der neuen Reihe wolle er natürlich das Gebet nicht außer Acht lassen: "Leben und Glauben gehören zusammen. Ich will aber neue Impulse zum Beten geben."
Am Samstag, 18. Juni, 18 Uhr, ist ein gemeinsamer Eröffnungsgottesdienst. Er findet unter freiem Himmel - auf dem Brauneberg - statt. Am 22. Juni ist zeitgleich (ab 19 Uhr) in allen Pfarr- und Filialkirchen ein Abendgebet. Einen Tag später, am 23. Juni, 19 Uhr, beginnt in der Filzener Kirche ein Wandelgottesdienst, der zu verschiedenen Orten der Klosteranlage führt. Etwas Besonderes ist auch für den 25. Juni geplant. Nach einer Messe (Beginn 21 Uhr) in der Wintricher Kirche führt eine Lichterprozession zum Wahrzeichen "Großer Herrgott" in den Weinbergen.
Kern packt auch andere heiße Themen an. So gibt es nur noch eine Fronleichnamsprozession in Osann-Monzel. "Ich hatte anfangs Bedenken, wie das vor allem von älteren Menschen angenommen wird", sagt Silvia Conrad aus Brauneberg, die stellvertretende Vorsitzende des Pfarreienrates. Die Resonanz habe die Bedenken aber zerstreut. "Pfarrer Kern geht auf die Menschen zu. Wir haben einen richtig guten Seelsorger bekommen", sagt sie.Extra

Zur Pfarreiengemeinschaft gehören etwa 5500 Katholiken. Sie erstreckt sich auf beiden Moselseiten. Rechts liegen die Pfarrgemeinden Wintrich, Filzen, Brauneberg und Veldenz, links Osann, Monzel, Kesten und Maring-Noviand. Dazu kommen noch Mülheim, Gornhausen, Burgen und Hirzlei. Jede Pfarrgemeinde hat noch ihre Gremien (Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat). In Brauneberg und Filzen übernimmt jeweils ein Kirchengemeinderat diese Aufgaben. Darüber steht ein Pfarreienrat. cb