Verbandsgemeinderat will mehr Windkraft und Solidarität

Verbandsgemeinderat will mehr Windkraft und Solidarität

Erstmals haben sich alle Fraktionen des Verbandsgemeinderats Thalfang für eine Solidargemeinschaft in Sachen Windkraft- und Photovoltaikeinnahmen ausgesprochen. Das würde bedeuten, dass Orte mit Windrädern künftig einen Teil ihrer Pachteinnahmen an Orte ohne Windräder oder an die Verbandsgemeinde abgeben. Der Rat will generell mehr Flächen für regenerative Energiegewinnung ausweisen.

Thalfang. Die 13 Windräder der Verbandsgemeinde Thalfang verteilen sich auf Berglicht (fünf), Heidenburg (vier), Talling (zwei), Büdlich und Breit (je eins). Bislang war es so, dass diese fünf Orte allein von den Pachteinnahmen für die Windräder vor ihrer Haustür profitiert haben.
Das könnte sich ändern. Eine Diskussion darüber kommt in Gang. Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo sagte in der jüngsten VG-Ratssitzung, als es um die Suche nach neuen Flächen für regenerative Energiegewinnung ging (siehe Extra): "Ich kann mir vorstellen, dass es auch in Zukunft nicht in jeder Gemeinde Windräder gibt. Eventuell sollten wir einen Solidarpakt gründen, damit Gemeinden ohne Windräder an den Einnahmen beteiligt werden." Alle Fraktionen im Rat, von CDU über SPD, FDP und FWG begrüßten diesen Vorschlag.
Richard Pestemer (FWG ) freute dies besonders. "Wir haben das mantramäßig immer wieder gefordert", sagte der Neunkircher Ortsbürgermeister. "Wir sind eine kommunale Familie. Bei der VG-Umlage werden alle belastet, dann sollten auch alle an den Einnahmen beteiligt werden." Schließlich sei es kein großes Verdienst, wenn sich eine Gemeinde für Windkraft eigne.
Und was sagen die betroffenen Ortsgemeinden? Spitze in Sachen Windräder in der VG Thalfang ist Berglicht, wo sich bald das sechste Windrad dreht. 72 000 Euro pro Jahr kassiert die Gemeinde für die Pacht. Ortsbürgermeister Gerhard Oberweis ist zurückhaltend: "Dazu sage ich nichts. Ich berate mich erst mit meinem Ortsgemeinderat."
Wesentlich offener gibt sich Dietmar Jäger, Ortschef von Heidenburg, wo im Juli das fünfte Rad in Betrieb gehen soll. Auch er weiß noch nicht, was sein Rat will, sagt aber: "Ich bin da aufgeschlossen - wenn es richtig gemacht wird." Letzteres bedeutet für ihn, dass auf jeden Fall die Verbandsgemeinde, nicht die anderen Ortsgemeinden von den Abgaben der Windkraftdörfer profitieren soll. "Das Geld sollte für etwas investiert werden, was alle wollen, also beispielsweise in Bildung, Kultur oder Sport." Jäger nennt das Schweicher Modell als Vorbild.
In der VG Schweich zahlen die Ortsgemeinden mit regenerativer Energiegewinnung - dort sind es in erster Linie Photovoltaikanlagen, Windkraft gibt es nur in Mehring - 15 Prozent ihrer Pachterlöse an die VG. Laut Wolfgang Deutsch, Büroleiter der Verwaltung, wird das Geld für Maßnahmen mit überregionalem Charakter wie die Stärkung der touristischen Infrastruktur mit dem Seeprojekt in Riol investiert. Deutsch: "Durch die Zahlungen steigt die Akzeptanz der Anlagen. Gleichzeitig sinkt die VG-Umlage. Davon profitieren alle Ortsgemeinden." Auch in der benachbarten VG Hermeskeil wird über eine Solidarabgabe von etwa 15 Prozent nachgedacht. Ob diese den Ortsgemeinden oder der VG zugutekommt, ist noch unklar.Meinung

Lieber spät solidarisch als gar nicht
Was in der VG Schweich schon seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, darüber kommt in der VG Thalfang jetzt erst eine Diskussion in Gang. In der VG Schweich waren die Ortsgemeinden mit Windkraft und Photovoltaik von Anfang an solidarisch und haben einen Teil ihrer Einnahmen an die VG weitergegeben. Dort kommt es - wie in guten, kommunalen Familien üblich - allen Ortsgemeinden zugute. Noch einfacher ist die Lage in der Einheitsgemeinde Morbach. Dort muss nicht erst diskutiert werden, da kommt gleich alles in einen Topf. Auch die Planung vorab - wo lassen sich die Räder am besten konzentrieren? - ist dort leichter aus einem Guss zu bewerkstelligen. Das wirkt sich positiv auf das Landschaftsbild aus, das auch für den Tourismus wichtig ist. Die Solidardiskussion in Thalfang ist überfällig - nicht nur aus Sicht der Kritiker der Verbandsgemeinden. m.maier@volksfreund.de

Extra

Rat will mehr Windkraft: Einstimmig hat sich der Verbandsgemeinderat Thalfang dafür ausgesprochen, dass ein Planungsbüro gemäß den Vorgaben der Planungsgemeinschaft Region Trier, die noch abgestimmt werden, nach neuen Flächen für Windkraft und Photovoltaik in der VG forscht. Kosten vorerst: 23 000 Euro. Klar abgelehnt wurde der Antrag der FWG, Acker- und Grünflächen nicht für Windkraft- und Photovoltaikanlagen zu nutzen, sondern zur Sicherung der lokalen Nahrungsmittelproduktion vorzuhalten. mai

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