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Wer hat, gibt, und wer braucht, nimmt

Wer hat, gibt, und wer braucht, nimmt

Premiere im Haus der Jugend: Jugendliche und Erwachsene treffen sich, um Kleider, Spiele, CDs und mehr zu tauschen. Zudem konnte man defekte Geräte reparieren lassen.

Wittlich. Schraubenzieher, Kabel und Zangen liegen verstreut auf den Tischen. Daneben stehen Nähmaschinen, Kaffeeautomaten und sogar ein alter Plattenspieler.
Dass diese Geräte kaputt sind, ändert sich gleich. Denn im Repair-Café des Hauses der Jugend können defekte Maschinen von Experten repariert werden.
Dieses erst vor Kurzem ins Leben gerufene Projekt soll ab sofort jeden ersten Freitag im Monat von 16 bis 20 Uhr stattfinden. Abgesehen davon findet am selben Tag ein Kleider- und Spielzeugtausch statt. Am vergangenen Freitag war die Premiere.
"Es soll eine regelmäßige Geschichte werden", erzählt Hans Floter, Leiter des Hauses der Jugend. Durch das Kleidertausch-Projekt in Trier sei die Idee entstanden, dies auch in Wittlich einzuführen. Dazu gehört auch ein Repair-Café. Das Angebot könnte Jugendlichen helfen, Dinge wertzuschätzen. Hans Floter erklärt: "Wenige junge Leute denken bei ihrem Smartphone an eine Reparatur, wenn das Display defekt ist." Dabei ist vieles noch zu retten.
Das gilt auch für Nähmaschinen. "Und Wasserkocher. Und Toaster", berichtet Jörg Schulze, der seit über 30 Jahren Haushaltsmaschinen repariert. "Ich habe hiervon gelesen", sagt der 64-jährige Wittlicher, der soeben eine Nähmaschine vor dem Sperrmüll gerettet hat.
Reparieren macht Spaß


Ein weiterer Bastler, Georgios Panagiotoglou, versucht, einen Plattenspieler wieder zum Laufen zu bringen. "Ich habe schon an Computern gebaut und Festplatten repariert", erzählt der 14-jährige Hobbyelektriker. Er sagt: "Ich wurde gefragt, ob ich helfen möchte. Es macht Spaß."
Den hat auch der 13-jährige Elias Mussler, der seit drei Jahren aktiv im Haus der Jugend mitwirkt: "Alle dort sind offen für Ideen, die ich habe. Ich komme gern hier hin."
Die 20-jährige Sarah Gascoin freut sich ebenfalls, dass sie beim sogenannten "Geschätzter Wert"-Tag mitwirken kann. "In Wittlich gibt es ja keine Secondhandläden und kaum Kleiderbörsen. Super, dass wir so was jetzt auch hier haben", sagt die 20-Jährige.
Selbst Initiative ergreifen


"Zuerst habe ich im WDR einen Bericht über den Kleidertausch in Köln gesehen. Dann habe ich über Facebook von dem Reparaturcafé erfahren", erklärt Sylvia Seckel, die ihren Kaffeevollautomaten im Haus der Jugend reparieren lässt. Die Preise, die man in einem Fachgeschäft für die Reparatur bezahle, seien ungeheuerlich, "wo das Ersatzteil doch nur zehn Euro kostet!" Sie lobt die Selbstinitiative, die Menschen im Haus der Jugend durch das neue Angebot in Wittlich ergreifen können. "Es gibt so viele Möglichkeiten, miteinander zu netzwerken", erzählt die Erzieherin des Hauses der Jugend, Sigrid Beek. "Das ist hier so eine ,Wie du mir, so ich dir\'-Sache. Wer hat, gibt, und wer braucht, nimmt." Die übrig gebliebene Kleidung kommt der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Trier zugute, die Spielsachen gehen nach Kroatien. jas