Wie Kinder stark gemacht werden

Was ist eine Sucht, und wie schütze ich mein Kind davor? Vor allem diese Fragen standen im Mittelpunkt eines Gesprächsabends, den Helga Ritz, Leiterin der Suchtberatungsstelle beim Caritasverband Wittlich, am Cusanus-Gymnasium leitete.

Wittlich. Schnell wurde klar, dass es stoffgebundene (Alkohol, Nikotin, illegale Drogen) und nicht stofflich gebundene Süchte, sogenannte Verhaltenssüchte, gibt. Tätigkeiten, die jeder verrichtet - essen, sportliche Aktivitäten, kaufen oder sogar lesen - können unter bestimmten Umständen in Verhaltenssüchte umschlagen.

Das erstaunte viele Eltern und führte zu einem angeregten Gesprächsaustausch. Das sogenannte Tankmodell, von Helga Ritz vorgestellt, vermittelte sehr anschaulich die Bedingungsfaktoren, unter denen eine Suchtgefährdung entstehen kann. Dieses Modell arbeitet mit der bildhaften Vorstellung, dass jeder Mensch einen seelischen Tank habe, der ähnlich wie der Tank eines Autos immer gut mit Treibstoff gefüllt sein müsse, damit es dem Menschen gut geht. Was eine optimale seelische Tankfüllung eines Jugendlichen ausmacht, erkannten die Eltern schnell: Liebe, Geborgenheit, Erfolgserlebnisse, Zuwendung, Verständnis und vieles mehr. Auch die Zapfstellen wurden genannt: Familie, Freunde, Hobbys, Musik, Sport oder Schule. Manchmal könnten, so Ritz, Tankstellen entfallen (Streit mit Eltern, keine Erfolgserlebnisse in der Schule etwa), dann sei es gut, wenn auf mehrere andere zurückgegriffen werden könne. Ist dies nicht der Fall, bestehe die Gefahr, dass Jugendliche Ersatztankstellen suchten, beispielsweise den Konsum von Süßigkeiten, ein erhöhter Fernsehkonsum oder Computerspiele. Gefährlich werden diese Verhaltensweisen, falls sie immer wieder auftreten. Stehen Eltern in gutem Kontakt mit ihren Kindern, erkennen sie Probleme meist recht schnell. Oft entziehen sich aber Jugendliche, gerade in der Pubertät, ihren Eltern, so dass doch Unsicherheit auf Seiten der Eltern besteht, ob Alarmsignale übersehen wurden. Meist sind es keine eindeutigen Anzeichen, die den Verdacht auf Suchtabhängigkeit begründen. Alarmsignale sind etwa: plötzlicher Wechsel des Freundeskreises, permanente Lustlosigkeit, Aufgabe beziehungsweise starke Vernachlässigung von Hobbys oder Sport, rapider Abfall von schulischen Leistungen in mehreren Fächern oder unerklärlicher Geldbedarf. red

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