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"Ein dickes Brett gebohrt"

"Ein dickes Brett gebohrt"

MAINZ. Ein Bahnhof für den Flughafen: Die Hunsrückbahn wird bis zum Flughafen Hahn wieder reaktiviert. Mit der Schienenanbindung an das Rhein-Main-Gebiet soll steigenden Passagierzahlen Rechnung getragen und eine Voraussetzung für das Flughafensystem Frankfurt-Hahn geschaffen werden.

"Das dicke Brett ist gebohrt", stellte Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage (FDP) zur Wiederbelebung der Hunsrückbahn fest, auf die er sich nach langen zähen Verhandlungen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn und Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe verständigt hat. Das Land wird gegenüber der Deutschen Bahn eine langfristige Bedienungsgarantie für die Strecke abgeben, um die Verbindung zu sichern. Details zu Finanzierung und Zeitplan der Reaktivierung sollen erst im Oktober bekannt gegeben werden.Frühestens 2008 geht die Bahn an den Start

Die Schienenanbindung sei für die Wettbewerbsfähigkeit des Hahns, für Arbeitsplätze und das Verkehrsangebot auf dem Hunsrück von großer Bedeutung, sagte Bauckhage dem TV. Flughafen-Geschäftsführer Jörg Schumacher betonte, die Bahn sei wichtig für das Wachstum des Airports. Stiegen die Passagierzahlen wie bisher, sei die Anbindung mit Bussen nicht mehr zu schaffen. Zum Hahn, der im vergangenen Jahr knapp drei Millionen Passagiere zählte, sollten nach ursprünglichen Vorgaben Bauckhages bereits 2006 wieder Züge rollen. Doch nach der jetzigen Vereinbarung dürfte frühestens 2008 mit Schienenverkehr zu rechnen sein. Die seit Jahren nicht mehr befahrene Hunsrückstrecke war von der Bahn wegen Sicherheitsmängeln im Jahr 2003 zwischen Stromberg und Morbach gesperrt und erfolglos zum Verkauf angeboten worden. Mit der Reaktivierung bis zum Hahn soll die Schienenanbindung an das Rhein-Main-Gebiet und den Flughafen Frankfurt gewährleistet werden, die laut Bauckhage eine Voraussetzung für die Anerkennung des geplanten Flughafensystems Frankfurt-Hahn durch die EU ist. Der Hunsrück-Airport, der mehrheitlich der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport gehört, soll unter anderem Nachtflüge von Rhein-Main übernehmen, wenn Frankfurt die umstrittene vierte Landebahn erhält und im Gegenzug laut Einigungsverfahren auf Nachtflüge verzichten muss. Eine Einigung über die Bahn zum Hahn scheiterte bisher vor allem an Finanzierungsfragen, denn die Investitionen summieren sich auf nahezu 100 Millionen Euro. Für die Reaktivierung und Aufrüstung der Strecke von der Abzweigung Langenlonsheim (Kreis Bad Kreuznach) bis zum Flughafen Hahn werden rund 60 Millionen Euro veranschlagt. Um in einer Stunde Fahrtzeit nicht nur nach Mainz, sondern möglichst bis zum Frankfurter Flughafen zu kommen, wäre allerdings eine neue Querspange über die Nahe fällig, für die zusätzliche Kosten von rund 35 Millionen Euro angesetzt werden. Auf bis zu zwölf Millionen Euro wird zudem nach ersten Berechnungen das jährliche Betriebkostendefizit veranschlagt. Dabei war im Wechsel von einem zweistündlichen Regionalexpress für die schnellen Verbindungen und einer zweistündlichen Regionalbahn mit Halt an allen Stationen ausgegangen worden. Zu den Akten gelegt sind frühere kühne Visionen für eine Milliarden teure Transrapid-Verbindung zwischen den Flughäfen oder Gedankenspiele über den Neubau einer eingleisigen ICE-Trasse von Bingen zum Hahn, die nach einer Studie mehr als 700 Millionen Euro verschlingen würde.