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Ex-Lehrer unterrichten Flüchtlinge: Pensionäre kehren für ehrenamtlichen Deutschunterricht an Schulen zurück

Ex-Lehrer unterrichten Flüchtlinge: Pensionäre kehren für ehrenamtlichen Deutschunterricht an Schulen zurück

Um den Tausenden Flüchtlingskindern in Rheinland-Pfalz Deutsch beizubringen, kehren 115 Lehrer freiwillig aus ihrem Ruhestand an die Schulen zurück. Aus Gewerkschaftssicht kann dies jedoch nur eine Übergangslösung sein. Anders als Ärzte, die Flüchtlinge behandeln, arbeiten die Lehrer ehrenamtlich.

115 pensionierte Lehrer wollen angesichts der vielen Flüchtlinge an rheinland-pfälzische Schulen zurückkehren und ehrenamtlich Deutsch unterrichten. Sie sollen mit etwa vier bis acht Stunden in der Woche Lehrer in der Sprachförderung unterstützen und Schülern, die neu in die Bundesrepublik gekommen sind, Deutsch beibringen, wie das Bildungsministerium in Mainz mitteilte.

"Das ist eine Möglichkeit, den Bedarf ad hoc decken zu können. Ihre große pädagogische Erfahrung ist da sehr hilfreich", sagte eine Sprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. Die ADD ist seit Dezember für die Vermittlung der Pensionäre zuständig.

Die ehemaligen Lehrer reagieren auf einen Aufruf von Bildungsministerin Vera Reiß (SPD), sich für Deutsch-Intensivkurse insbesondere für Flüchtlinge zu melden. Reiß hatte sich im Oktober an rund 2100 ehemalige Deutsch- und Fremdsprachenlehrer gewandt, die in den vergangenen drei Jahren in Pension gegangen waren. Die Pensionäre können nun Schulungen und Fortbildungen besuchen. In Rheinland-Pfalz lernen laut Ministerium derzeit 4160 Schüler in 297 Intensivkursen Deutsch.Vorwurf: Lösung reicht nicht aus

Die Lehrergewerkschaft GEW bezeichnet den Vorstoß der Landesregierung als "pragmatische Lösung" in einer problematischen Situation. Auf lange Sicht tauge sie angesichts des großen Bedarfs allerdings nicht. "Man muss zusehen, dass man qualifizierte Fachkräfte hat, die auch entsprechend bezahlt werden", sagt der rheinland-pfälzische GEW-Chef Klaus-Peter Hammer. Mehrere Hundert zusätzliche Deutschlehrer würden im Land dauerhaft benötigt.
Um den Bedarf zu decken, müssten laut Hammer mehr rheinland-pfälzische Hochschulen den Studiengang Deutsch als Fremdsprache anbieten. An der Universität Trier gibt es das Angebot seit Jahren - als Nebenfach, Kurzstudium oder Zusatzzertifikat.Diskussion um Bezahlung

Die GEW findet, dass das Engagement der Pensionäre eine finanzielle Anerkennung verdient. "Fair wäre der Lohn eines Vertretungslehrers", sagt Hammer. Die Frage, wie hoch die Entlohnung für Ärzte sein sollte, die mit Flüchtlingen arbeiten, hatte zum Jahreswechsel für heftige Debatten gesorgt. 425 Ärzte hatten sich nach einem Aufruf des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums für die medizinische Betreuung von Flüchtlingen gemeldet. Die Antwort der Landesregierung auf eine CDU-Anfrage hatte gezeigt, dass Ärzte in Ingelheim und Kusel 200 Euro pro Stunde bekommen, in anderen Einrichtungen 100 Euro. Im hausärztlichen Bereitschaftsdienst sind 50 Euro pro Stunde üblich.
Die ADD in Trier hatte den Vorwurf überhöhter Honorare zurückgewiesen. Begründung: Die Versorgung von Flüchtlingen stelle besondere Anforderungen an Mediziner.