Razzia in Bordell in Trier

Rotlichtmilieu : Mit Geldspürhunden im Bordell

Ein Trierer Bordellbetreiber sitzt in U-Haft, ein Teil seines Vermögens wurde sichergestellt. Warum eigentlich?

Wer nach Trier fährt, dem fallen unweigerlich die teils ebenso freizügigen wie großflächigen Werbeplakate am Straßenrand auf, die die männlichen Betrachter zu einem Besuch in einem der zahlreichen Rotlicht-Etablissements in der Stadt und den Außenbereichen einladen. Dass die Domstadt auch ein gutes Pflaster für das angeblich älteste Gewerbe der Welt ist, hat einen banalen Grund: die Grenznähe zu Luxemburg, Frankreich und Belgien, wo Prostitution teilweise verboten ist. So stand es jedenfalls in einem Papier der Stadt, das den Trierer Ratsleuten vor zwei Jahren vorgelegt wurde, um dem möglichen Wildwuchs an Bordellen Einhalt zu gebieten.

Wo die Prostitution blüht, gedeihen nicht selten auch andere, nicht immer ganz legale Verlockungen. Mit diesem Verdacht sieht sich derzeit auch ein 47 Jahre alter Betreiber mehrerer Bordelle konfrontiert. Die Rotlichtgröße soll Steuern und Abgaben hinterzogen und es auch ansonsten mit dem Gesetz nicht ganz so genau genommen haben. Das jedenfalls glaubt die Koblenzer Staatsanwaltschaft, die seit Oktober vergangenen Jahres gegen den Mann ermittelt.

Am Montag schlugen Ermittler von Polizei, Finanzbehörden und Staatsanwaltschaft bei einer groß angelegten Razzia gleich mehrfach zu. Die 120 Beamten durchsuchten im Raum Trier insgesamt 16 Wohnungen und Geschäftsräume und stellten dabei umfangreiches Beweismaterial sicher, wie die Behörde am Tag danach in einer Pressemitteilung bekanntgab. Konkretere Angaben zur Art des Beweismaterials wurden nicht gemacht.

Auf Anfrage unserer Zeitung sagte der Koblenzer Oberstaatsanwalt Rolf Wissen aber, dass die Beamten Geld und mehrere Fahrzeuge sichergestellt hätten – sogenannte vermögensabschöpfende Maßnahmen. Dabei wird möglicherweise illegal erworbenes Vermögen eingezogen. Dies ist seit einer Neufassung des Gesetzes deutlich einfacher möglich. Um Geld bei den Durchsuchungen zu finden, setzten die Ermittler sogar drei Geldspürhunde der rheinland-pfälzischen Polizei ein.

Der Trierer Bordellbetreiber wurde am gleichen Tag festgenommen. Der 47-Jähige wurde gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt; der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Gegen acht weitere Beschuldigte laufen Ermittlungsverfahren. Die fünf Männer und drei Frauen sollen in unterschiedlicher Weise an den Straftaten des Hauptbeschuldigten beteiligt gewesen sein.

Nach Angaben des Koblenzer Oberstaatsanwalts Rolf Wissen wird die Auswertung der sichergestellten Beweismittel einige Zeit dauern. Die Koblenzer Staatsanwaltschaft ist in diesem Fall zuständig, weil dort zentral bei Wirtschaftsstrafsachen ermittelt wird.

Den Beschuldigten wird unter anderem Betrug und Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Steuerhinterziehung ist nach Angaben von Experten eines der klassischen Delikte im Rotlichtgewerbe. Mit käuflichem Sex werden in Deutschland jedes Jahr Milliarden Euro umgesetzt.

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