Vision, Luftschloss oder Millionen-Grab?

Vision, Luftschloss oder Millionen-Grab?

Die internationale Finanzkrise hat im Herbst vergangenen Jahres auch den Verantwortlichen des Projekts "Nürburgring 2009" Kopfzerbrechen bereitet. Mittlerweile gebe es keinen Grund zur Beunruhigung mehr, versichert Finanzminister Ingolf Deubel (SPD).

Mainz. Politiker haben einen schweren Job. Viele finanzielle Wünsche werden an sie herangetragen. Fließt dann Geld, sehen sie sich anschließend häufig dem Vorwurf ausgesetzt, es mit der Sparsamkeit nicht allzu ernst zu nehmen. Ingolf Deubel, Finanzminister und Aufsichtsrats-Chef der Nürburgring GmbH, kennt das bestens. Gerade bei der millionenschweren Erweiterung der legendären Rennstrecke in der Eifel zu einer ganzjährlichen "Erlebniswelt" müssen zwei Herzen in seiner Brust schlagen. Einerseits das des sparsamen Haushälters, der das Geld zusammenhalten muss. Andererseits das des Visionärs, der dem Ring langfristig neues Leben einhauchen, ihn aus den Klauen der geldverschlingenden Formel 1 befreien und neue Arbeitsplätze schaffen will.

Nicht nur die Boliden drehen in der Eifel ihre Runden, auch das wirtschaftliche Risiko fährt ständig mit. Der Formel-1-Zirkus sorgt im Zweijahresrhythmus für tiefrote Zahlen bei der Betreibergesellschaft. Und die gewaltige Investition von 215 Millionen Euro, die für das Projekt "Nürburgring 2009" veranschlagt ist, ruft Kritiker auf den Plan, die vor teuren Luftschlössern und der Verschwendung von Steuergeldern warnen.

Private Investoren scheuen offensichtlich das Risiko, sich am Ring-Projekt zu beteiligen. Einer nicht: die Mediinvest GmbH aus Düsseldorf. Sie ist mit 80 Millionen Euro dabei. Nicht nur Fremd-, auch Eigenkapital werde aufgebracht, verrät der geschäftsführende Gesellschafter Kai Richter. Er freut sich, dass die Bauarbeiten trotz des strengen Winters im Zeitplan lägen, so dass der Eröffnungstermin Anfang Juni voraussichtlich gehalten werden könne. Richter spricht auch gerne über "die riesigen Chancen" des Projektes und darüber, dass für das im Bau befindliche Vier-Sterne-Hotel mit Helikopter-Landeplatz bereits 10 000 Vorab-Buchungen von Managern und Firmen vorlägen.

Gar nicht gerne redet Richter hingegen über das, was vor fünf Monaten geschah. "Das ist ein alter Hut." Finanzminister Deubel pflichtet bei: "Das interessiert doch keinen mehr." Vielleicht interessiert es aber doch, welche Schwierigkeiten die Mediinvest offensichtlich aufgrund der internationalen Finanzkrise hatte, Kapitalgeber zu finden. Spannend ist auf jeden Fall, wie das Land mit seinen anscheinend unbegrenzten Möglichkeiten der Wirtschaftsförderung half, offenbar bei der Absicherung von Krediten. Dass geholfen wurde, verrät der Finanzminister, über Details schweigt er sich mit der ihm eigenen Diskretion lieber aus. Womöglich spart Ingolf Deubel die Einzelheiten aber auch nur für das heutige Gespräch mit den Fraktionschefs und den Wirtschaftssprechern der Parteien im Landtag auf. Dem TV sagt er: "Im Zweifelsfall wird das Land immer daran mitwirken, dass es nicht zu Problemen kommt." Er sei "sehr entspannt, es gibt keinen Grund zur Beunruhigung".

Möglicherweise betrachtet die Opposition die Situation rund um den Ring nicht ganz so optimistisch wie der Minister und stellt (bohrende) Fragen. Schließlich entpuppt sich in diesen Tagen auch der Flughafen Hahn immer stärker als Schauplatz, der Subventionen verlangt. Und das bei einem Landeshaushalt, in dem der Schuldenstand in schwindelerregende Höhen klettert.