1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Von Eintracht Trier zum FC Bayern

Von Eintracht Trier zum FC Bayern

TRIER. Im Kindergarten immer die Nummer Eins – in der Grundschule plötzlich einer der Kleinsten. In der Grundschule serienweise Einsen – im fünften Schuljahr plötzlich Dreien, Vieren und sogar eine Fünf. Für viele kleine "Stars" beginnt mit der Einschulung eine schwierige Phase. Aber die Eltern können helfen.

Jahrelang war Kevin der Stolz seiner Eltern. Deutsch Eins, Mathematik Eins, Religion und Werken Eins, dazu eine Zwei in Sport. Keine Frage: Das Gymnasium war nach dem 4. Schuljahr die einzige Alternative. Aber auf einmal war es vorbei mit der Notenpracht. Kevin war frustriert, viel frustrierter als seine Eltern. Andere spielten die erste Geige, kamen öfter dran, holten die besseren Noten. Er lernte immer weniger, kam immer schlechter mit. Der Wechsel auf die Realschule war unumgänglich. Kaum dort integriert, klappte es wieder. Kevin schrieb Einsen und Zweien, wurde Klassensprecher, ging nach der mittleren Reife aufs Gymnasium zurück und machte ein glänzendes Abitur. Kein Einzelfall. Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule und von der Grundschule in die Sekundarstufe Eins sei für viele Kinder ein "kritisches Lebensereignis", sagt der Wittlicher Kinderpsychologe Peter Brettle. Eltern sollten in dieser Phase "ein besonders wachsames Auge" auf ihren Nachwuchs werfen. Bei den meisten Schülern funktioniere der Übergang freilich "automatisch". Sie würden sich auf die neuen Bedingungen einstellen. Besonders schwierig sei es aber für Kinder, denen zuvor "Erfolge ohne Anstrengung" gelungen seien. Bleibe die Bestätigung auf einmal aus, könne es zu einem "gnadenlosen Abrutschen" kommen. Brettle rät Eltern, nicht in Panik zu verfallen. Zeitweilige Leistungsabfälle seien durchaus normal. Wer Probleme frühzeitig bemerke, könne erfolgreich gegensteuern. Seine Empfehlung: Kontakt mit dem Klassenlehrer suchen, dem Nachwuchs "Unterstützung und Förderung" bieten. Vor allem sind beruhigende, kindgerechte Gespräche angesagt. Psychologe Brettle zitiert das "Fußball-Beispiel": Bislang habe das Kind bei Eintracht Trier in der zweiten Liga gespielt, jetzt spiele es bei Bayern München - klar, dass man da um seinen Platz kämpfen müsse. "Zumindest Jungs" verstünden dieses Beispiel meist gut, sagt Brettle schmunzelnd. Manche Schulen gehen das Thema von sich aus an. Beispielhaft: Das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Dillingen, wo man seit Jahren spezielle Elternseminare in der Klassenstufe 5 anbietet. Dort erfahren Eltern, wie Kinder lernen können, zu lernen. Dazu gehört die geeignete Gestaltung des häuslichen Arbeitsplatzes ebenso wie die gezielte, längerfristige Vorbereitung von Klassenarbeiten und die Hilfe beim Abbau von Ängsten. Letzteres empfiehlt auch Christa Unterburger-Dietz von der schulpsychologischen Beratungsstelle in Trier. "Geduld haben, verarbeiten lassen", rät sie Eltern. Und vor allem: "Wenn es Probleme gibt, sollten Eltern dem Kind den Rücken stärken". Ihre Kollegin Annette Müller-Bungert setzt auf Prävention. So könne man schulische "Überflieger" gezielt in Situationen bringen, "in denen sie sich anstrengen müssen" - zum Beispiel beim Sport. Auch gemeinsames Spiel sei hilfreich, um zu lernen, "dass man auch mal verlieren kann". So falle es in Krisensituationen später leichter, sich durchzubeißen. In einem sind sich die Berater einig: Es sei wichtig, das Kind nicht unter Druck zu setzen. Ehrgeizig sind die Jüngsten oft von sich aus schon genug. Da könne es helfen, sagt Annette Müller-Bungert, "zu zeigen, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen". Wie haben Sie entsprechende Probleme überwunden? Wie kamen Ihre Kinder mit dem Wechsel zurecht? Was gibt es für Rezepte, wenn "kleine Stars" von der Realität eingeholt werden? Helfen Sie anderen Eltern mit Ihrem Rat und Ihrer Meinung. Wir können Ihren Namen auf Wunsch anonymisieren. Sie erreichen uns per Telefon (0651/7199-420) oder Mail ( schulstart@volksfreund.de). Veröffentlichung am Samstag auf der Familienseite.