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Handwerk
Saarburg bekommt zwei neue Bibliotheken

Oberes Bild: Osama Saleh (20) präsentiert die Bibliobox an der Saarburger Kulturgießerei. Saleh leistet einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in dem Kulturzentrum. Bild unten: Über mehrere Jahre planten und bauten Schüler aus Saarburg und Sarrebourg an der neuen Innenausstattung der Telefonzellen.
Oberes Bild: Osama Saleh (20) präsentiert die Bibliobox an der Saarburger Kulturgießerei. Saleh leistet einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in dem Kulturzentrum. Bild unten: Über mehrere Jahre planten und bauten Schüler aus Saarburg und Sarrebourg an der neuen Innenausstattung der Telefonzellen. FOTO: Benedikt Laubert
Saarburg/Sarrebourg. Schreiner-Azubis aus Saarburg und der Partnerstadt Sarrebourg bauen vier französische Telefonzellen zu kostenlosen Büchereien aus. Zwei von ihnen stehen ab sofort allen Bürgern in Saarburg offen.
Benedikt Laubert

Vom heutigen Dienstag an hat Saarburg zwei Bibliotheken mehr. Das Besondere an ihnen: Sie sind so klein, dass jeweils nur ein Besucher in ihnen Platz findet. Und: Jeder darf sie kostenlos nutzen, zu jeder Zeit. Schüler der Geschwister-Scholl-Schule Saarburg und des Lycée Labroise in der französischen Partnerstadt Sarrebourg haben die neue Innenausstattungen für die vier ausrangierten französischen Telefonzellen seit 2014 entworfen und gebaut.

Eine der sogenannten Biblioboxen steht am Saarburger Jugendzentrum am Bahnhof, die andere an der Kulturgießerei (rechts im Bild). Eine weitere steht bereits in Frankreich. Die letzte der vier Boxen soll ebenfalls in Frankreich aufgestellt werden.

FOTO: Hans Löber

Die öffentlichen Bücherschränke sind als Tauschbibliothek gedacht. Jeder darf sich dort mit den Büchern versorgen, die ihn interessieren. Dabei hat der Nutzer die Wahl: Entweder er bringt das mitgenommene Buch wieder zurück, oder er ersetzt es durch ein neues. In den Bücherboxen ist deutsche und französische Literatur für Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu finden. Es gibt eine Auswahl unterschiedlicher Gattungen von Romanen bis zu Kochbüchern. Die Erlebnisbücherei hat einige Werke aus ihrem Bestand an das Projekt gespendet, es stehen aber auch neue Bücher in den bunten Regalen. An der Kulturgießerei gibt es mehr Kinderbücher, am Jugendzentrum ist die Auswahl an Literatur für Jugendliche größer.

Paten kümmern sich um das Angebot in den Minibüchereien: Die Fördervereine der Kita und der Grundschule St. Laurentius sind für die Box an der Kulturgießerei zuständig; die Deutsch-Französische Gesellschaft Saarburg für die Box am Jugendzentrum.

Bis die aussortierten Telefonzellen zu Biblioboxen werden konnten, gab es viel zu tun. Schreinerklassen der Berufsbildenden Schule (BBS) Saarburg und des berufsbildenden Lycée Dominique Labroise Sarrebourg haben ab Herbst 2014 an Entwürfen für das Innenleben gearbeitet, die Telefonzellen später entkernt, neue Scheiben eingesetzt, den Boden und die Rückwand ausgetauscht und mit bunten Regalen ausgestattet.

Das Projekt ist Teil des jährlichen Austauschs zwischen den Schulen der beiden Partnerstädte. Jeden Frühling kommt eine Gruppe französischer Schreiner-Schüler zu Besuch nach Saarburg. In kleinen deutsch-französischen Gruppen entwerfen die 16- bis 20-jährigen Jugendlichen Modelle für ihre Projekte.

Die Verständigung der Schüler sei dabei laut Hans Löber, Mitglied der Schulleitung der BBS Saarburg, natürlich nicht so leicht wie sonst. Aber das Ziel sei hier nicht eine schnelle Umsetzung, sondern dass die Schüler die jeweils andere Kultur kennenlernen. Er sagt: „Das Schöne an dem deutsch-französischen Projekt ist, dass die Beteiligten den Zusammenhalt unter europäischen Nachbarn spüren.“

Jeden Herbst fahren die deutschen Schüler nach Frankreich, um ihre Kollegen wiederzutreffen. Dort wird dann umgesetzt, was in Deutschland geplant wurde.

 Neben der Arbeit an den kleinen Büchereien gab es für die jungen Schreiner auch  kulturelle und sportliche Veranstaltungen.

So machten sie etwa eine Dreiländertour oder besuchten das frühere Konzentrationslager in Natzweiler-Struthof in Frankreich. Saarburgs Bürgermeister Jürgen Dixius freute sich darüber, „dass die partnerschaftliche Arbeit solche schönen Früchte trägt“.

Das Projekt wurde mit Mitteln des EU-Programms Sesam GR finanziert, das Interkulturelle Kompetenz und Berufsorientierung von Kindern und Jugendlichen fördert.