Aufstand der Stau-Geschädigten

Aufstand der Stau-Geschädigten

WELLEN. Der Dauerstau an der Moselbrücke zwischen Wellen und Grevenmacher sorgt für wachsenden Frust bei den Autofahrern, aber auch für zunehmenden Ärger auf Luxemburger Seite. Die Suche nach einer Lösung gestaltet sich zäh.

Der tägliche Horror für Maria Kugel beginnt kurz nach der Autobahnabfahrt Grevenmacher. Die Heimfahrt von ihrer Arbeitsstelle bei Astra in Betzdorf zu ihrer Wohnung nach Ayl wird zur Quälerei. Spätestens am Copal-Markt ist alles dicht, die Pendler-Fahrzeuge schieben sich im Zeitlupentempo durch Grevenmacher. Oder die frustrierten Fahrer schlagen sich über legale und illegale Schleichwege bis zum Nadelöhr Moselbrücke durch.

Bis zu 30 Minuten täglich kostet der Stau Maria Kugel und Tausende von Leidensgenossen. Die Kinder pünktlich von der Tagesstätte abzuholen, gleicht einem Vabanque-Spiel, Verabredungen haben wenig Sinn. "Abendliche Arzt-Termine habe ich aufgegeben", sagt Karin Reding aus Konz, "man kann die Zeit ja doch nie einhalten." Dabei geht es nicht nur um die Rush-Hour: "Der Stau zieht sich von vier bis halb acht", hat Detlef Schulz aus Feyen beobachtet. Ärger buchstäblich mit Händen greifbar

Wer mit Kamera und Notizblock bewaffnet die Moselbrücke überquert, kann den Ärger buchstäblich mit Händen greifen. Autofahrer halten an, kurbeln das Fenster herunter, machen ihrem Ärger Luft - oft mit nicht ganz druckreifen Worten. Dass die "Stau-Toleranz" hier besonders niedrig ist, liegt daran, dass die Pendler den Eindruck haben, das Problem sei hausgemacht und durch eine simple Änderung der Vorfahrtsregelung zu beseitigen. Wenn die Auto-Massen die Brücke auf der deutschen Seite verlassen, müssen sie nämlich "Vorfahrt achten". Zwar ist dabei der zu achtende Verkehr eher dünn gesät, aber die Sichtverhältnisse erfordern in der Regel einen kurzen Stopp. Kommen dann noch Autos aus Richtung Konz zur Brücke hoch, heißt es mehrere Sekunden abwarten, bis sich dann in der Regel herausstellt, dass der Fahrer Richtung Luxemburg abbiegt und der Ausfahrt gar nicht im Wege gestanden hätte. Dieses abstruse System führt dazu, dass sich die Fahrzeuge kilometerweit zurückstauen. "Mit einer abknickenden Vorfahrt wäre das Problem sofort zu lösen", sagt Horst Heberle aus Konz und zeigt auf die Skizze, die eine Grenzgänger-Initiative erstellt hat. Das Anhalten wäre dann die Ausnahme, die unbehinderte Weiterfahrt die Regel - umgekehrt wie bisher. Das stellt auch Klaus Wittenkämper vom Trierer Straßen- und Verkehrsamt nicht in Frage. Dennoch hat man eine entsprechende Änderung nach einer Ortsbegehung mit Polizei und Straßenverkehrsbehörde abgelehnt. Man fürchte, dass sich der "fraglos vorhandene Verkehrsdruck" dann ungebremst auf die untere Einmündung in die B 419 verlagere und dort "die Gefahr erhöhten Unfallgeschehens" verursache. Auf Luxemburger Seite sieht man das offenbar anders. Die Stadt Grevenmacher habe sich mehrfach an die luxemburgische Straßenbauministerin gewandt "mit der inständigen Bitte, ihre deutschen Amtskollegen schnellstmöglich zur Lösung der Probleme zu bewegen", heißt es in einem Schreiben des Bürgermeisters. Inoffiziell wird man in dem Grenzort deutlicher: Die deutschen Ämter seien "stur wie ein Panzer", sagt ein Kommunalbeamter. Doch der Druck nimmt zu. Maria Kugel und ihre Mitstreiter sammeln Unterschriften, sprechen Politiker an und rufen via Internet auf www.diegrenzgaenger.lu zum Protest auf. Mit "superguter Resonanz", wie Kugel versichert. Diskussion in vollem Gange

Die Debatten der letzten Monate scheinen auch am Straßen- und Verkehrsamt nicht spurlos vorbei gegangen zu sein. Die Diskussion über eine zumindest vorläufige Lösung sei "in vollem Gange", sagt Klaus Wittenkämper. Man habe im Zusammenhang mit dem "vielleicht in drei Jahren realisierbaren" Neubau der Brücke Verkehrszählungen durchgeführt und eine Diplom-Arbeit in Auftrag gegeben. Nun werde "geprüft", ob man "im Zusammenhang mit einer späteren Neugestaltung ein Provisorium schaffen kann". Bei einem öffentlichen Termin Ende Oktober sollen die "neuen Einfälle" (Wittenkämper) vorgestellt werden. Das wäre sehr im Sinne der Stau-Geschädigten. Die Geduld ist am Ende, auch bei Maria Kugel: "Wir brauchen eine Lösung vor dem Winter." Was halten Sie von den ständigen Staus an der Grenze zu Luxemburg? Schicken Sie uns eine E-Mail, und vergessen Sie bitte nicht Ihren Namen und Ihre Adresse.