Bilanz ohne Bauchpinselei

Ein knappes Jahr nach der offiziellen Inkraftsetzung des Strukturplans 2020 hat das Bistum Trier nun den Abschlussbericht veröffentlicht. Darin kommen auch Kritiker der Pfarreien-Zusammenschlüsse zu Wort.

Trier. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Für kirchliche Verhältnisse war die Ende 2002 vom damaligen Trie rer Bischof Reinhard Marx angestoßene Neuordnung der Pfarreien-Landschaft trotz aller Vorgaben ein fast schon basisdemokratisches Werk. Drei Jahre lang konnten sich die Gläubigen in den 35 Dekanaten und knapp 400 Pfarreien in Deutschlands ältestem Bistum an den Diskussionen beteiligen und eigene Vorschläge machen, bis der Bischof Ende Juni 2007 mit seiner Unterschrift einen Schlussstrich unter den sogenannten Strukturplan 2020 setzte. Ein Ergebnis: Bis spätestens September 2011 wird es im Bistum Trier mit seinen 1,56 Millionen Katholiken nur noch 173 statt 389 Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften geben (TV vom 29. Juni 2007). Hauptgründe für die kirchliche "Abspeckkur": Es gibt immer weniger Katholiken, immer weniger Priester und immer weniger Kirchensteuer-Einnahmen.Im jetzt veröffentlichten Abschlussbericht geben die Bistums-Verantwortlichen noch einmal einen detaillierten Überblick über Verlauf und Ergebnisse des Projekts 2020. Besonders interessant sind die abschließenden Bewertungen der vier Projektgruppen. Darin wird beileibe nicht nur gebauchpinselt, auch wenn Diözesan-Administrator Robert Brahm betont, durch die vielen Gespräche und Kontakte im Rahmen des Projekts seien die "Chancen für das persönliche Miteinander in der Pfarreien und Dekanaten gewachsen".Die Hauptkritik-Punkte: Das Konfliktpotenzial, das etwa die Frage in sich birgt, wo der Pfarrer in einer neuen pastoralen Einheit seinen Dienstsitz haben wird, sei von den Initiatoren unterschätzt worden. In etlichen konkurrierenden Pfarreien habe diese Entscheidung die Beziehung arg belastet.Andere kritisieren, dass zu Beginn des Projekts die Anliegen nicht immer richtig verstanden worden seien. "Ziele und Inhalte waren für viele nicht konkret genug formuliert. Auch hat das Vokabular einige abgeschreckt und Sprachbarrieren aufgebaut", heißt es im Abschlussbericht. In einigen Fällen seien Informationen "teilweise verfälscht weitergegeben worden", hätten Pfarrer den Prozess negativ beeinflusst, um ihren Besitzstand möglichst zu wahren. Für kirchliche Verhältnisse gewiss auch ein Fortschritt, dass derartige Kritik nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird.