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"Es muss sich ja auch rechnen"

"Es muss sich ja auch rechnen"

TRIER. Kunden der Sparkasse Trier sind verärgert: Das Kreditinstitut erhöhte die Kontoführungsgebühren und verkürzte die Öffnungszeiten einiger Filialen. "Betriebswirtschaftliche Gründe" hätten die Änderungen nötig gemacht. Weitere sollen folgen.

Adrian Meissner ist ein unzufriedener Kunde. Ihm sei vor einiger Zeit "ein Brief ins Haus geflattert", in dem die Sparkasse für sein Online-Konto eine monatliche Grundgebühr von 1,50 Euro ankündigte. Zudem werden monatlich nur noch fünf Buchungsvorgänge am Automaten oder Bankschalter kostenlos sein. Meissner ist "dieses Geschäftsgebahren in höchstem Maße suspekt". Schließlich habe die Sparkasse nicht nur bis vor kurzem mit dem kostenlosen Online-Konto geworben, sondern die Informationen über die Gebührenerhöhung am Monatsende verschickt, so dass ein schneller Wechsel zu einer anderen Bank nicht möglich gewesen sei. "Ich glaube, dass sich das Unternehmen so keine Freunde macht", meint Meissner. Immerhin habe ihm die Sparkasse auf seine Beschwerde hin die Gebühren für den ersten Monat erlassen. Meissner ist nach Auskunft von Karl-Heinz Premm, Vertriebsleiter Privatkunden der Sparkasse, nicht der Einzige, der sich beschwert hat. Es habe seit der Gebührenerhöhung etwa 40 bis 50 "Unmutsäußerungen" von Direktbank-Kunden gegeben. Dies sei aber bei etwa 120 000 Kunden der Sparkasse Trier eine vergleichsweise geringe Zahl. Als Grund für die Einführung von Gebühren gibt Premm die Kosten der hauseigenen Direktbank an. Nach deren Gründung 1998 und der Euphorie, dass "nun alle Bankgeschäfte über E-Mail abgewickelt werden", seien inzwischen alle Direktbanken zu einem Minusgeschäft geworden. Grund hierfür ist nach Premms Überzeugung ein "unsinniger Preiskampf" zwischen den Direktbanken. Ein kostenloses Online-Konto rechne sich nicht, so Premm, da bei jedem Buchungsvorgang Kosten von mehreren Cent entstünden. Doch auch die Gebühren für ein Girokonto sind gestiegen: Neben dem monatlichen Grundpreis von drei Euro werden nun ab der sechsten Überweisung 25 Cent fällig, mit Beleg gar das Doppelte. Eine Buchung am Automaten kostet fünf Cent. Mit diesen neuen Gebühren liege die Sparkasse Trier im Vergleich mit anderen Banken aber keineswegs auf hohem Niveau, sagt Premm. Die Änderungen zielten im "Grundtenor" darauf ab, "diejenigen stärker zu belasten, die uns in kostenträchtigen Bereichen in Anspruch nehmen". So hätten in der Vergangenheit viele Direkt-Kunden ihre Überweisungen gebührenfrei am Automaten getätigt. "Das sollen die anderen Kunden nicht mehr mitbezahlen müssen", sagt der Vertriebsleiter. Einen "Fehler", der technische Gründe habe, nennt Premm die kurzfristige Information der Kunden. Die Sparkasse habe aber reagiert und generell auf eine Monatsgebühr verzichtet. Auch den Zeitpunkt für die Verkürzung der Öffnungszeiten in 20 der insgesamt 70 Sparkassen-Filialen bezeichnet Premm im Nachhinein als unglücklich. Diese Maßnahme sei jedoch Teil eines Prozesses, der bereits vor mehr als einem Jahr mit der Schließung von zehn Geschäftsstellen begonnen habe und fortdauern werde. Allerdings würden zumindest bis 2005 keine weiteren Geschäftsstellen geschlossen. Bei der laufenden Umstrukturierung werden bis zum Jahr 2007 weitere 60 bis 80 Stellen wegfallen, sagt Premm. Man werde dafür aber keinen der derzeit etwa 1100 Sparkassen-Mitarbeiter entlassen müssen. Sollte sich der Kundenverkehr weiter verringern, müsse man ab 2005 erneut über Schließungen nachdenken. Premm: "Es muss sich ja auch rechnen".