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Karneval in der Region Trier: Schulleiter mit Pappnasen werden immer seltener

Karneval in der Region Trier: Schulleiter mit Pappnasen werden immer seltener

Die Alkoholexzesse rund um Weiberfastnacht 2012 hatten Folgen - auch für die Karnevalsfeiern in den weiterführenden Schulen. Es gibt mehr Kontrollen und Auflagen, parallel dazu weniger Schul- und Klassenpartys. Offenbar gibt es auch ein Stadt-Land-Gefälle. Wie gehen Schulen in der Region Trier mit dem fetten Donnerstag um? Der TV hat nachgefragt.

Eugen Lang, Schulleiter der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Trier muss noch schmunzeln, wenn er an den Moment denkt, als ihn enttäuschte Schüler fragten: "Herr Lang, Sie sind ja gar nicht verkleidet? "Dann habe ich meine Zähne gezeigt", sagt der Direktor. Beim Anblick seiner aufgesteckten Hasenzähne hätten die Schüler vor Lachen auf dem Boden gelegen, erinnert er sich. Eugen Lang ist eigentlich ein Karnevalsmuffel, aber um gute Laune zu verbreiten, schlüpft er an Weiberdonnerstag auch mal in ein Batman-Kostüm - oder steckt sich eben Hasenzähne an. Solche Szenen wie die, die Lang beschreibt, gibt es in den Trierer Schulen offenbar immer seltener.
"An unserer Schule findet an Weiberdonnerstag ein Studientag des Kollegiums statt, die Schüler haben unterrichtsfrei", sagt Ralph Borschel, Schulleiter des Trierer Humboldt-Gymnasiums - und das bereits seit 2008.
Ebenso handhaben es etwa das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, das Gymnasium in Konz und die Integrierte Gesamtschule Trier.

Die Berufsbildende Schule(BBS) Wirtschaft trennt Feiern und Arbeiten rigoros: "Schüler und Kollegen wurden gebeten, auf Fastnachtsfeiern in den Klassenräumen zu verzichten", sagt Schulleiter Reinhold Hoffmann. Denn zum Feiern stünden der Donnerstag ab 12.16 Uhr und die freien Tage zur Verfügung. An der BBS Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege sind laut Schulleiterin Martina Groß "klasseninterne Feiern" gestattet. Feste Regeln in Sachen Verkleidung gibt es am Max-Planck-Gymnasium (MPG) und am benachbarten Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG). "Es werden keine Verkleidungen gestattet, die zur Unkenntlichkeit führen", sagt MPG-Chef Armin Huber. Beide Schulen haben sich abgesprochen und einheitliche Regeln aufgestellt: Dazu gehört, dass Unterricht nach Plan stattfindet - allerdings "nur" bis zur sechsten Stunde. "Mit Rücksicht auf die Kinder, die in ihren Heimatgemeinden eng mit den Traditionen in den Vereinen verbunden sind", erklärt AVG-Schulleiter Bernhard Hügle.

Eher eine Ausnahme scheint die zweistündige gemeinsame Feier am Angela-Merici-Gymnasium zu sein.
Die Realschule plus in Saarburg verlagert das Feiern in den privaten Bereich: Statt Fastnachtsfeten in den Klassen findet regulärer Unterricht bis 13 Uhr statt.

"Seit Jahren ist an Weiberfastnacht an unserer Schule normaler Unterricht", sagt auch Christa Breidert, Schulleiterin der Integrierten Gesamtschule in Hermeskeil. Wenn Schüler verkleidet kommen würden, werde das geduldet, der Unterricht dürfe aber nicht gestört werden.

Auch am Gymnasium in Hermeskeil finden keine Fastnachtsfeiern statt. Kostümierung ist laut Schulleiter Arno Ranft erlaubt - aber selten. Raimund Mirz, Schulleiter des Stefan-Andres-Gymnasiums in Schweich, gibt verkleideten Pennälern ebenfalls grünes Licht: "Sie haben keine Repressalien zu befürchten, sie werden aber in der Minderheit sein, und es wird dann als "uncool" empfunden und eher die Ausnahme sein", meint der Direktor. Klasseninterne Veranstaltungen sind nicht vorgesehen. Anders in Waldrach: Die Schülervertretung am Realschulzweig der Ruwertalschule hat sich für Feiern innerhalb der Klassen ausgesprochen, sagt Schulleiter Michael Elbert.

An allen Schulen herrscht striktes Alkoholverbot, Verstöße haben Folgen. Alle Eltern der Schüler an weiterführenden Schulen in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg haben in den vergangenen Tagen einen Brief von Klaus Rüssmann, Abteilungsleiter Schule bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier, erhalten. Darin wird unter anderem an die Eltern appelliert, die Zeit bis zu den Fastnachtstagen zu nutzen, um mit den Kindern gezielt Gespräche "über die Problematik übermäßiger Alkoholkonsum" zu führen. Und es wird auf die Alternativprogramme im Ex-Haus und im Jugendzentrum MJC hingewiesen. "Insgesamt sind wir hier doch weit weg von der Stadt Trier, wir hatten auch in der Vergangenheit keine größeren Probleme", meint der Schulchef der Ruwertalschule.Extra

Das wünschen sich Schüler vom Weiberdonnerstag in der Schule: Sven Meyer (14), Schüler am Stefan-Andres-Gymnasium in Schweich: "Ich könnte mir vorstellen, mehr Fastnachtliches in der Schule zu machen, statt Unterricht zu haben - eine Feier wäre schön. Viele meiner Kumpels kommen verkleidet in die Schule. Ich selbst auch." Philipp Bonato (16), Schüler an der Regionalschule Salmtal: "Ich finde es gut, dass Fastnacht bei uns in der Schule gefeiert wird. Zum einen, weil der Unterricht dann ausfällt, und weil Vorführungen von Schülern witzig sind." Moritz Stoller (12), Schüler an der Ruwertalschule Waldrach: "Wir feiern in der Klasse, man kann sich verkleiden. Jeder bringt was mit, zum Beispiel Mäuschen oder Mohrenköpfe. Ich finde Fastnacht in der Schule toll, weil die Lehrer dann mal spaßig sind." (kat)/TV-Fotos (3): Katja Bernardy