Kunden der Firmen im Wissenschaftspark und Patienten des Ärztehauses finden oft nur besetzte Flächen vor. Die Verwaltung will 100 neue Plätze schaffen – ein ambitionierter Plan.

Verkehr : Parkplatznot auf dem Petrisberg: So will Trier das Problem lösen

Kunden der Firmen im Wissenschaftspark und Patienten des Ärztehauses finden oft nur besetzte Flächen vor. Die Verwaltung will 100 neue Plätze schaffen – ein ambitionierter Plan.

So weit das Auge reicht, sind alle Parkplätze besetzt. Auch die Gehwege sind zugeparkt. Auf der Straße reicht der Platz kaum noch für zwei einander begegnende Fahrzeuge aus. Das Areal um die bunten Kronengebäude in der Max-Planck-Straße, das Herz des Trierer Petrisbergs, verwandelt sich an Werktagen oft in eine Chaoszone, in der Autos überall hingequetscht werden, so sie gerade hinpassen. Viele Fahrer drehen frustriert wieder ab, weil sie keinen freien Quadratmeter mehr finden. Die Nerven liegen blank.

Das Problem Was ist los auf dem Petrisberg? Grundsätzlich ist die Problematik simpel: Die Mitarbeiter der Firmen und Praxen belegen von morgens bis abends alle Parkplätze, für Kunden und Patienten bleibt kaum etwas übrig.

„Ich habe das noch nie verstanden“, sagt Hans Mangerich, seit zwölf  Jahren Anwohner des Petrisbergs. „Es ist doch klar sichtbar, dass hier von Anfang an viel zu wenig Parkplätze eingeplant und vorgesehen waren. Das konnte doch nur schief gehen.“ Peter Mailänder arbeitet für eine der Firmen im Wissenschaftspark. „Es ist tragisch, dass ein so toll entwickeltes Quartier wie der Petrisberg aufgrund banaler Parkplatzprobleme einen derart großen Imageschaden erleidet.“ Im Wissenschaftspark sitzen 187 Unternehmen, die 1300 Mitarbeiter beschäftigen.

Der Oberbürgermeister Alle bisherigen Versuche, die Parkplatznot in Triers Vorzeigequartier zu lösen, haben nicht funktioniert. Das räumt auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) in einem Schreiben an die Unternehmer im Wissenschaftspark ein. „Die Entwicklungsdynamik der Firmen, insbesondere im Gesundheitsbereich, hat dazu geführt, dass die nach Gesetz notwendigen realisierten Stellplätze für Mitarbeiter und Besucher bei weitem nicht mehr ausreichen.“ Mehrere Lösungsversuche seien bereits gescheitert, und zwar „primär an Kostenaspekten“. Auch eine Verdichtung des Bustaktes brachte laut Leibe „keine nennenswerte Entlastung“.

Die Idee Die Stadt habe sich deshalb dazu entschlossen, das Problem zu lösen und die Situation zu verbessern – das kündigt Leibe den Unternehmern in seinem Schreiben an. Mit im Boot sei auch die EGP Gesellschaft für urbane Projektentwicklung mbH, die den Petrisberg nach der Landesgartenschau 2004 in Triers gefragtestes Viertel verwandelt hat. Leibe kündigt die Schaffung einer neuen Stellplatzanlage für Dauerparker „unmittelbar nordöstlich angrenzend an den Wissenschaftspark“ an.

Die Hürden Noch ist diese Idee kein Beschluss. „Für die neue Stellplatzanlage besteht derzeit kein Baurecht“, räumt OB Leibe  ein. „Überdies ist zu beachten, dass die Lage im Landschaftsschutzgebiet sowie die beabsichtigte Verknüpfung mit der Erweiterung der Kleingartenanlagen noch eine Reihe von Abstimmungsprozessen erforderlich machen.“

Die Details Der TV bittet die Stadtverwaltung um Präzisierung: Stadt-Sprecher Michael Schmitz antwortet. „Als Flächenbedarf für die geplante Stellplatzanlage geht die Stadt von 3000 Quadratmetern für rund  100 Stellplätze aus.“ Auf diesem neuen Parkplatz sollen die Unternehmen im Wissenschaftspark Plätze für ihre Mitarbeiter anmieten können. Er könnte mit einer Schranke und Zugangskarten für die Mieter der Plätze gesichert werden, doch das ist noch nicht endgültig geklärt.

Die Varianten Zurzeit gibt es laut Schmitz drei Planungsvarianten. Alle drei liegen im Bereich der Krone in Richtung der Kleingartenanlagen. Dort sitzen auf unterschiedlichen Flächen die Kleingartenvereine Kürenz, Neu-Kürenz, Petrisberg und Aveler Berg.

Variante 1 (eine Kombination mit Stellplätzen der Kleingartenanlage) liegt auf Grundstücken im städtischen Eigentum, würde aber ins Landschaftsschutzgebiet hineinragen und sich mit der Trasse überschneiden, die laut Stadtratsbeschluss immer noch für den theoretisch denkbaren Petrisbergaufstieg – eine neue Bustrasse zwischen City und Petrisberg – freigehalten wird.

Variante 2 würde besser in die Topographie hineinpassen, die Petrisbergaufstiegtrasse nicht tangieren, und es gäbe die Option für Erweiterungsmöglichkeiten und die Mehrfachnutzung mit den Kleingartenanlagen. „Jedoch befinden sich nicht alle Grundstücke im städtischen Eigentum, und die Wohnnutzung im Mischgebiet könnte durch den Parkplatz gestört werden“, sagt Schmitz.

Variante 3 ist die aktuelle Favoritin der Stadtverwaltung (siehe Grafik). Der Sprecher erklärt: „Diese Variante ist aus Sicht der Stadt die sinnvollste Lösung, auch, weil sie die kürzesten Wege zu den Kronengebäuden hätte. Die entsprechenden Grundstücke, derzeit landwirtschaftlich genutzt, könnten von städtischer Seite per Tauschverfahren umgehandelt werden, so dass es keine Nutzungseinschränkung für Landwirte gäbe.“

Der Zeitplan Laut Mitteilung der Stadt erstellt die EGP zurzeit eine Machbarkeitsstudie für die neue Parkplatzanlage. „Im Sommer sollen  die frühzeitige Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung für die Flächennutzungsplanänderung und den Bebauungsplan folgen“, sagt Michael Schmitz. Beide könnten dann im Herbst oder Winter öffentlich ausgelegt werden. Im Frühjahr 2019 könnten dann die zentralen Planungsbeschlüsse gefasst werden, und im Sommer 2019 wäre dann Startschuss für den Bau.

Die Kritik Verena und Thomas Amend leben seit zehn Jahren auf dem Petrisberg, Verena Amend betreibt dort eine psychotherapeutische Praxis. Das Ehepaar kritisiert die Pläne des Trierer Oberbürgermeisters.

„Am Turm Luxemburg stehen in 300 bis 500 Metern Entfernung von den meisten Arbeitsplätzen mehr als 150 kostenlose öffentliche Dauerparkplätze zur Verfügung, die nahezu ausschließlich an den Wochenenden und in den Abendstunden genutzt werden“ – so argumentieren Verena und Thomas Amend in einem Schreiben an den Baudezernenten Andreas Ludwig (CDU), die Vorsitzenden der Trierer Ratsfraktionen und die Geschäftsführung der EGP. „Wir fragen uns: Sind die Nutzung dieser Parkflächen und ein Fußweg von 500 Metern für die Mitarbeiter unzumutbar? Wir halten die Planungsidee der Stadt Trier unter städtebaulichen, verkehrsplanerischen und den Naturschutz betreffenden Gesichtspunkten für rückständig und verfehlt.“

Im Klartext: Die Stadt Trier soll das Landschaftsschutzgebiet unversehrt lassen, die Mitarbeiter der Firmen und Arztpraxen auf die ein paar Hundert Meter entfernten freien Plätze am Turm Luxemburg verweisen und generell „die Nutzung des ÖPNV attraktiver machen, indem die Alternative Auto etwas weniger vorteilhaft gestaltet wird“.

Der Turm Luxemburg Eine Bewirtschaftung der von Verena und Thomas Amend erwähnten Parkplätze am Turm Luxemburg ist übrigens laut Auskunft der Stadtverwaltung nicht geplant. „Sie sind auch zu weit weg von den Kronengebäuden, um dort Entlastung zu bringen“, sagt Sprecher Michael Schmitz.

Der Kommentar: Ein mutiges und konsequentes Konzept

Von Jörg Pistorius

Die Entwicklung des Petrisbergs von einer Militärbrache in einen beliebten Wohnsitz und gefragten Wirtschaftsstandort ist ohne jeden Zweifel ein Riesenerfolg. Doch die Fragen, wie die Leute denn mit dem Auto dorthin kommen und wo sie ihre Fahrzeuge während ihres Aufenthalts abstellen sollen, hatten offensichtlich wieder keine besonders hohe Priorität. Die Ergebnisse: überlastete Straßen, Parkplatznot, Frust und Stress.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe will das Problem lösen und versucht es mit einem mutigen, konsequenten Konzept, das die Situation im Wissenschaftspark enorm beruhigen könnte. Natürlich ist es in der Theorie nicht optimal, ein Landschaftsschutzgebiet für Parkplätze zu verkleinern, aber in der Praxis lassen sich solche Eingriffe manchmal eben nicht vermeiden.

j.pistorius@volksfreund.de