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Mittelzentrum lässt auf sich warten

Mittelzentrum lässt auf sich warten

Das Jahr ist fast vorbei, passiert ist noch nichts: Schweich ist 2010 nicht wie zugesichert Mittelzentrum geworden. Sowohl das Innenministerium als auch VG- und Stadtbürgermeister sprechen von einer Verzögerung. Im Januar stehen die nächsten Gespräche an.

Schweich. 2010 sollte ein bedeutsames Jahr für Schweich werden. Innenminister Karl Peter Bruch hatte im August 2009 zugesichert, dass die Stadt dann zum Mittelzentrum eingestuft werden soll. Nun ist aber klar: In diesem Jahr wird das nichts mehr.

"Es ist schade", sagt Schweichs Stadtbürgermeister Otmar Rößler. "Die Entwicklung der Stadt spricht für sich. Wir sind längst ein Mittelzentrum, nur eben nicht offiziell. Und dem wird vom Innenministerium nicht Rechnung getragen."

Ende September sei laut Rößler ein Termin in Mainz mit Bruch und den Bürgermeistern weiterer Orte anberaumt worden, die ebenfalls Mittelzentrum werden wollen. Diesen Termin habe der Innenminister allerdings krankheitsbedingt abgesagt. Jetzt wurde dieses Gespräch für Mitte Januar neu angesetzt. "Dort soll dann geklärt werden, welche Kriterien von Schweich vielleicht noch gefordert werden und was noch passieren müsste." Welche Kriterien das sind, sei aber noch nicht bekannt. "Das erfahren wir erst vor Ort."

Aus dem Innenministerium heißt es, dass es sich nur um eine zeitliche Verzögerung handele. "Ich sehe da keine Probleme", sagt David Freichel von der Pressestelle. "Die Einstufung zum Mittelzentrum ist eine größere Entwicklung und ein laufender Prozess, der sich durch die Terminverschiebung nur verzögert." Auch er verweist auf das kommende Gespräch mit den betroffenen Parteien am 13. Januar.

Verbandsbürgermeister Berthold Biwer wusste von diesem Termin zwar noch nichts, geht aber davon aus, dass Schweich trotzdem in absehbarer Zeit Mittelzentrum wird - auch wenn es 2010 nun nicht geklappt hat. "Es wurde uns ja bereits 2009 zugesichert, und Schweich hat sich in seiner Infrastruktur seitdem noch verbessert." So sei die Bauphase im Ermesgraben in vollem Gange und das zweite Gymnasium im Aufbau. Auch ein weiteres Altenpflegezentrum soll 2011 gebaut werden. "Damit haben wir weit über Schweich hinaus eine Versorgungsfunktion."

Eine Einstufung als Mittelzentrum bringt viele Vorteile mit sich. Schweich bekäme dann laut Verbandsgemeinde-Verwaltung 130 000 Euro mehr vom Land. Die Förderung von Bau- und Sanierungsprojekten könnte möglicherweise schneller erfolgen, da die Landesregierung eher dazu neige, Mittel- und Oberzentren zu stützen. Außerdem fallen die Einzelhandelsflächen größer aus als in einem Unterzentrum, was wiederum den Standort aufwerte. Zudem könne Schweich bei öffentlichen Verkehrsmitteln profitieren sowie leichter kleinere Möbelhäuser oder Handwerkermärkte ansiedeln.

Seit dem Jahr 2001 versucht Schweich, Mittelzentrum zu werden. "Ich bin weiterhin guten Mutes", sagt Biwer. "Auch wenn sie erst 2011 kommt, nehmen wir die Einstufung trotzdem froh entgegen."

Meinung

Es wird Zeit, Herr Bruch!

Den Schweichern oder den Bewohnern des Umlandes dürfte es ziemlich schnuppe sein, ob Schweich Mittelzentrum wird oder nicht. Ihnen kommt es nicht auf die Verpackung an, sondern auf den Inhalt: Geschäfte, Schulen, Ärzte, Möglichkeiten für Freizeit, Sport und Kultur. Das alles bietet Schweich. Die Stadt boomt, wird in nicht allzuferner Zukunft 8000 Einwohner haben. An dieser Entwicklung hängt aber auch ein Rattenschwanz von teuren Infrastrukturmaßnahmen. Deshalb ist Schweich dringend auf die zusätzlichen Fördermittel aus Mainz angewiesen, die mit dem Prädikat "Mittelzentrum" verbunden sind. Minister Bruch steht im Wort. Schon vor zweieinhalb Jahren hat er die "Beförderung" versprochen. a.follmann@volksfreund.de