Neue Bilder!

Ist die Idee erst im Kopf, dann sind Karikaturen schnell gemalt. Seit Tagen begleiten uns die Karikaturen über Mohammed, genauso wie die anderen Bilder. Die Bilder der Gewalt. Nun wird viel analysiert: Wer setzt welches Bild wie ein?

Wie werden Bilder missbraucht für andere Zwecke? Aus dem "Karikaturenstreit" ist der "Kampf der Kulturen" geworden. Welche Bilder der hervorbringen könnte - ich möchte es nicht wissen. Schon wird gefragt, ob man noch in Läden moslemischer Mitbürger einkaufen könne. Nein, ich mag diese Bilder nicht - keine von beiden. Statt dessen kommt mir immer wieder ein alter Satz in den Sinn: "Ich bin der Herr, dein Gott … du sollst dir kein Bildnis machen in irgendeiner Gestalt ..." Das alttestamentliche Gebot, sich kein Bild - in welcher Form auch immer - von Gott zu machen. Ein Gebot, das im Christentum und im Islam bekannt ist. Einst gedacht, damit Menschen Gott nicht auf ein bestimmtes Bild festlegen: so muss Gott sein. Denn Gott ist eben nicht mit menschlicher Vorstellung logisch erklärbar und fassbar. Das Bilderverbot bewahrt vor der Vereinnahmung Gottes und der Verletzung religiöser Gefühle. Ein alter Hut? Heute recht ernst genommen, könnte es noch anderes bedeuten. Da, wo ich kein Bild von etwas habe, frage ich nach: "Erklär mir dein Gottes-Bild! Erklär mir dein Welt-Bild!" und schaffe so Raum für ein friedvolles Gespräch miteinander. Solche Bilder wird es brauchen - bei den Karikaturisten, den Gewalttätern und - bei jedem von uns. Keine Bilder für den "Kampf der Kulturen", sondern neue Bilder für den "Dialog der Kulturen." Vanessa Kluge, kluge.ehrang@ekkt.de

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