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Neue Filteranlage der Recyclingfirma Eu-Rec ist betriebsbereit

Neue Filteranlage der Recyclingfirma Eu-Rec ist betriebsbereit

Wer einmal stinkt, dem traut man nicht – diese Sprichwort-Abwandlung beschreibt die Situation der Trierer Recyclingfirma Eu-Rec: Obwohl der Betrieb stillsteht, beschweren sich Anwohner über vermeintlichen Produktionsgestank. Die neue Filteranlage ist derweil startklar, die behördliche Prüfung allerdings noch nicht abgeschlossen.

Gut riecht es nicht in der großen Produktionshalle der Eu-Rec im Trierer Hafen. Ein säuerlich-fauliger Geruch steigt in die Nase. Es vergehen ein paar Minuten, bis man sich daran gewöhnt hat. Seinen 24 Mitarbeitern würde der Gestank nichts ausmachen, sagt Eu-Rec-Geschäftsführer Willi Streit.

"Dass es hier nicht nach Parfüm riecht, ist ganz normal", bestätigt Frank Riedel. "Außerdem gibt es weit schlimmer geruchsbelastete Arbeitsplätze - zum Beispiel in Abfallsortierbetrieben oder Kläranlagen und auch Müllmänner erleben Schlimmeres", sagt der Ingenieur. Er muss es wissen. Für die Umwelttechnik-Firma Aqua Titan installieren Riedel und seine Mitarbeiter Filteranlagen, um die Abluft entsprechender Betriebe von Geruchsstoffen zu reinigen.

Zwei riesige Aktivkohlefilteranlagen (siehe Extra unten) hat Riedel schon vor einigen Wochen in die Abluftanlage der Kunststoff-Recyclingfirma Eu-Rec eingebaut. Am Dienstag und Mittwoch wurden zusätzlich Ionisationsfilter (siehe Extra) installiert. "99 Prozent der Geruchsstoffe werden so aus der Abluft gefiltert", verspricht Riedel. Statt bis zu 2000 Geruchseinheiten (GE) pro Kubikmeter - Spitzenwert bei einer Luftmessung am Eu-Rec-Kamin im April - soll die Emission künftig auf unter 300 GE sinken.

Noch können die Filteranlagen ihre Wirkung allerdings nicht beweisen. Denn das Betriebsverbot, das die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord als Aufsichtsbehörde erlassen hat, besteht weiter. Zuletzt hatte die SGD Nord der Eu-Rec die Produktion untersagt, weil Tore und Fenster der Produktionshalle offen gestanden haben. Damit kein Gestank entweichen kann, hatte die Behörde angeordnet, dass die Halle geschlossen bleiben muss (der TV berichtete).
Tatsächlich haben sich Pfalzeler Anwohner nicht nur während des Betriebs mit den Aktivkohlefiltern - die alleine schon nahezu alle Geruchsstoffe filtern sollen - weiter über stinkende Luft im Stadtteil beschwert. Auch in den zwei Wochen, in denen die Eu-Rec im Juli ihren Betrieb einstellen musste, gab es Beschwerden. "Dabei hat in der Zeit hier alles stillgestanden, was die SGD Nord nahezu täglich kontrolliert hat", sagt Streit. "Aber die Leute glauben offenbar, dass jeder Geruch, der in Pfalzel wahrnehmbar ist, zwangsläufig von uns stammt."

Wie aufs Stichwort rattert am Firmengelände ein Traktor samt Güllewagen vorbei. "Wenn der Bauer das bei der Hitze auf die Felder rund um Pfalzel ausbringt, stinkt es auch - und in die Schuhe geschoben wird es dann wieder uns", sagt Streit.

Prompt gab es auch am Freitag wieder Beschwerden über die Eu-Rec bei der SGD Nord - obwohl der Betrieb weiter stillsteht. "Herausgestellt hat sich dann, dass Landwirte Klärschlamm ausgefahren haben - was die SGD Nord uns bestätigt hat. Aber die Pfalzeler haben natürlich wieder gemeint, wir wären der Verursacher", sagt Streit.
"Ionisations- und Aktivkohlefilter werden dafür sorgen, dass die Eu-Rec-Abluft künftig definitiv nicht mehr stinkt", verspricht Ingenieur Riedel. Auch bei einem riesigen Schlachtbetrieb in Niedersachsen hätte die Filter-Kombination Abhilfe geschafft. "Da hatte sich vorher auch ein ganzes Nachbardorf über den Gestank beschwert. Nachdem wir die Filter installiert hatten, war nichts mehr zu riechen", sagt Riedel.

Betriebsbereit sind die neuen Eu-Rec-Filter seit Freitag. Starten dürfen die Maschinen des Recyclingbetriebs trotzdem nicht. Die SGD Nord muss die Anlage erst noch abnehmen. "Und das können wir erst, wenn die Eu-Rec prüffähige Unterlagen vollständig vorlegt", sagt SGD-Nord-Sprecherin Sandra Hansen-Spurzem. Sobald die noch fehlenden Akten nachgereicht seien - was spätestens bis zum 31. August passiert sein muss - werde die SGD Nord diese prüfen - was rund einen Monat dauern würde - und gegebenenfalls den Weiterbetrieb genehmigen.

Ist die Anlage wieder in Betrieb, wird die Abluft getestet. "Wir müssen ein unabhängiges Büro mit dieser Prüfung beauftragen", sagt Willi Streit. Erst dann wird feststehen, ob die vorgeschriebene Emissionsgrenze von höchsten 500 Geruchseinheiten pro Kubikmeter Abluft tatsächlich eingehalten wird.
Extra

An zwei Stellen der Eu-Rec-Recyclingmaschine entstehen Abluftströme. An beiden wurden Ionisations- und Aktivkohlefilter installiert. Der Ionisationsfilter saugt Raumluft an, Hochspannungsröhren laden den Sauerstoff elektrisch auf. Anschließend werden in einem abgeschlossenen Raum die Abluft und die ionisierte Luft gemischt. Der ionisierte Sauerstoff oxidiert mit den Geruchsstoffen und baut diese ab. Laut Ingenieur Frank Riedel dauert dieser Prozess wenige Sekunden. Anschließend strömt die Luft durch Aktivkohlefilter mit etlichen Hundert Kilo Aktivkohle, die übrig e Geruchsstoffe elektromechanisch bindet.