Plus kommt, Nahversorgung geht

Plus kommt, Nahversorgung geht

TRIER-EUREN. In der nächsten Woche beginnen auf dem Grundstück Ecke Eurener Straße/Luxemburger Straße die Bauarbeiten für einen Plus-Lebensmittelmarkt. Dafür schließt vermutlich zum Jahresende der kleine Edeka im Ortskern von Euren.

"Die Versorgung des Stadtteils Euren soll langfristig gesichert werden", heißt es in dem Satzungsbeschluss "Bebauungsplan BW 63.1 Änderung Kaserne Bertard", den der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung ohne die Stimmen der Grünen abgesegnet hat. Damit besteht Planrecht auf dem noch freien Grundstück Ecke Eurener Straße/Luxemburger Straße in Trier-Euren für den Bau eines Lebensmittelladens mit der maximalen Grundfläche von 800 Quadratmetern. Prompt haben Bagger begonnen, das Gelände zu planieren. "In der nächsten Woche wollen wir mit dem Bau eines Plus-Marktes beginnen", bestätigt Wilfried Biewer vom Investor "GdbR Adrian/Biewer/Köhl/Thomas". Ende des Jahres soll nicht nur der Plus-Markt fertig gebaut sein, sondern auch die Gebäude für eine Bäckerei und einen Getränkemarkt. "Jetzt müssen wir mit Discounter zufrieden sein"

Damit dürfte dann ein jahrelanges Hickhack um den Einzelhandelsstandort Euren beendet sein. Denn der Streit darum, ob die Fläche für ein Lebensmittelgeschäft freigegeben wird oder darauf verzichtet werden muss, um den kleinen Edeka-Markt im Ortskern vor dem Ausbluten zu schützen, herrschte lange Streit im Ortsbeirat und unter der Bevölkerung. Noch vor zwei Jahren votierte der Beirat gegen die Planfeststellung. "Ich habe schon damals gesagt, dass wir in die Zukunft schauen und dem Einzelhandel Flächen anbieten müssen, damit wir nicht eines Tages ganz ohne nahe Lebensmittelversorgung dastehen", sagt UBM-Ortsvorsteher Hans-Alwin Schmitz. Hätte man sich schon vor drei Jahren zur Freigabe der Fläche entschließen können, müsste man sich jetzt nicht mit einem Discounter abgeben. "Damals hatten wir noch einen Vertrag mit Edeka, doch der Vollsortimenter ist abgesprungen", bestätigt Biewer. "Es reicht nur für einen", kommentiert Theodora Oeltges, Betreiberin des 400 Quadratmeter großen Edekas im Ortskern von Euren. Als der Edeka-Neubau in der Luxemburger Straße vor Jahren im Gespräch war, hieß es, dass Oeltges dann in das neue Gebäude umziehen würde. Jetzt ist ihr Vertrag mit dem Handelsriesen ausgelaufen. "Wann ich mich zurückziehe, mache ich davon abhängig, wann der Plus-Markt öffnet", sagt die Geschäftsfrau, die mehrere Läden in der Umgebung führt. Dazu, ob sie ihren Eurener Laden auch geschlossen hätte, wenn der Plus-Markt nicht gekommen wäre, möchte sie sich nicht äußern. "Das Thema wird seit Jahren breit getreten, da ist alles zu gesagt." Zur Zeit floriert in einer Halle direkt neben dem künftigen Plusmarkt ein Ratio-Markt. Doch im Herbst, wenn die Renovierung des eigentlichen Ratio-Gebäudes am Verteilerkreis abgeschlossen ist, zieht der Vollsortimenter aus seinem Zwischenquartier wieder aus und an seinen alten Standort zurück. Voraussichtlich wird die Halle dann wieder leerstehen - gebaut wurde sie einst in Erwartung eines großen Baumarkts, der dann allerdings von seinem Vertrag mit einem Immobilienhändler zurücktrat. "Die Änderung des Bebauungsplans erlaubt nur den Bau eines Nahversorgungsmarkts von maximal 800 Quadratmetern - das ist die untere Grenze für einen Supermarkt", erklärt Biewer. Für einen größeren Markt müsste gesondertes Planrecht geschaffen werden. "Der geänderte BP macht es sehr unwahrscheinlich, dass jemals nochmal eine Versorgung im Kern des Ortsteils entsteht - das entspricht nicht unserer Vorstellung von der Erhaltung der fußläufigen Nahversorgung", begründet Uschi Britz von den Grünen im Stadtrat, warum ihre Fraktion gegen die Änderung des Bebauungsplans gestimmt hat.

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