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Prädikatsweinversteigerung des Großen Rings in Trier: 1,24 Millionen Euro für fast 12.000 Flaschen

Prädikatsweinversteigerung des Großen Rings in Trier: 1,24 Millionen Euro für fast 12.000 Flaschen

Weinfans aus aller Welt reisen zur Versteigerung des Großen Rings nach Trier - darunter Stammgäste mit speziellen Vorlieben.

"Zum Ersten, zum Zweiten und zum...", spricht Auktionator Max von Kunow bei der 130. Prädikatsweinversteigerung des Großen Rings des VDP Mosel-Saar-Ruwer im IAT-Tower, da, Klatsch, erwischt er mit seinem Hämmerchen das Glas, das vor ihm auf dem Podium steht.
Der Ausrutscher bringt ersten Schwung in die Veranstaltung, die bis dahin eher so dahintröpfelt: Von Kunow hatte die fünf kommissarischen Bieter mehrmals aufgefordert, ihre Absprachen zügiger zu gestalten, "damit wir nicht um Mitternacht noch hier sitzen".

Je nachdem, was das zerschlagene Glas enthielt, könnte die kleine Einlage aber ein teures Vergnügen gewesen sein: 2015 ging ein Dreiviertelliter 2003er Trockenbeerenauslese von Egon Müller (Scharzhof) für 12 000 Euro inklusive Steuern und Gebühren weg.

Das war natürlich ein Extrem - wobei auch dieses Jahr kaum eine der fast 12 000 versteigerten Flaschen im zweistelligen Bereich bleibt.

Winzer wie Oliver Haag freut das: "Das ist schon immer eine wichtige Veranstaltung für uns", sagt der 44-jährige Winzer vom Weingut Fritz Haag (Brauneberg bei Bernkastel-Kues), das 1908 Gründungsmitglied des veranstaltenden Vereins war. "Hier bekommen Liebhaber des Weins schließlich Gelegenheit, exklusive Tropfen zu erstehen, die es auf dem Markt meist gar nicht so gibt".

So wie zum Beispiel die "Lange Goldkapsel" der Juffer Sonnenuhr: eine laut Vorfeld-Verkostung "hochedle" Auslese in der Drei-Liter-Flasche. "Das ist schon was für die richtigen Freaks, die dafür auch aus der ganzen Welt herkommen", sagt Haag.

Einer davon ist Francesco Agostini, der seit 15 Jahren aus Italien zur Versteigerung anreist. "Es gibt keinen anderen Ort, wo ich so fantastische Qualität in ganz speziellen Paketen erhalte", sagt der Exporteur, der sich freut, dass die Weine aus der Region endlich den ihnen zustehenden Zuspruch erführen. Aus dem Rennen um eine von drei Flaschen Spätlese ist er aber gerade rausgeflogen: Bei 300 Euro lag sein Limit, dass die Kommissionäre soeben überschritten haben.

Wem das sowieso bedeutend zu viel Geld wäre für eine Flasche Wein, der sollte beim wohl prominentesten Winzer im Raum mal einen Termin vereinbaren. Schließlich macht Fernseh-Moderator Günther Jauch (manchmal) Millionäre - und stellt ansonsten in Kanzem unter anderem den Kabinett und die Spätlese her, von denen an diesem Tag ebenfalls 780 Flaschen versteigert werden.Extra: NEUER REKORD FÜR RIESLING-KABINETT

 Der Weg lohnt sich: Der italienische Importeur Francesco Agostini kommt seit 15 Jahren zur Prädikatsweinversteigerung in die Region.
Der Weg lohnt sich: Der italienische Importeur Francesco Agostini kommt seit 15 Jahren zur Prädikatsweinversteigerung in die Region. Foto: Frank Goebel (fgg) ("TV-Upload Goebel"

Der Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) Mosel-Saar-Ruwer teilte am Freitagabend einen Gesamterlös der Versteigerung von 1,24 Millionen Euro mit. Insgesamt wurden genau 11 915 Flaschen versteigert, überwiegend Jahrgang 2016 der Sorten (Flaschen in Klammern) Kabinett (4205), Spätlese (4668), Spätlese Goldkapsel (354), Auslese (1174), Auslese Lange Goldkapsel (482) sowie 72 Flaschen Trockenbeerenauslese. Topwert: Eine Sechsliterflasche Doctor Spätlese vom Schloss Lieser ging für 3623,55 Euro weg. Einen Rekord als teuerster Riesling-Kabinett stellten die Scharzhofberger "Alte Reben" von Egon Müller auf: Ausgeboten bei 30 Euro, wurden die 1200 Flaschen für je 180 Euro ersteigert (Endpreis mit Gebühren und Steuern: 224,91 Euro).