Verwaltungsgericht zieht nach Trier-Ost

Verwaltungsgericht zieht nach Trier-Ost

Die Idee, ein Fachgerichtszentrum am Irminenfreihof in Trier zu schaffen, ist gestorben. Nach der Staatsanwaltschaft zieht auch das Verwaltungsgericht dort aus. Neues Domizil ist die ehemalige Landwirtschaftsschule. Das große Gebäude wird damit komplett frei - und könnte künftig Studierende der Fachhochschule aufnehmen.

Trier. Sechs Etagen, ein großer Keller: Das 1961 entstandene Gebäude Irminenfreihof 10 beherbergte früher das Trierer Finanzamt. Später nutzten die Staatsanwaltschaft und das Verwaltungsgericht das Haus gemeinsam. Als die Raumnot zu groß wurde, zog die Staatsanwaltschaft im Oktober 2011 mit ihren 93 Mitarbeitern in die ehemalige Reichsbahndirektion am Hauptbahnhof (der TV berichtete).
Zurück blieb das Verwaltungsgericht im Erdgeschoss (mit zwei Sitzungssälen) und ersten Obergeschoss. Dadurch ergab sich die Chance, einen schon länger gehegten Wunsch zu prüfen: die Schaffung eines Fachgerichtszentrums in Trier.
Arbeitsgericht, Sozialgericht (beide bisher Dietrichstraße) und Verwaltungsgericht könnten unter einem Dach gebündelt werden und dadurch Synergieeffekte nutzen.
Zehn Minuten bis zur Innenstadt


Doch dieser Plan ging nicht auf. "Das Gebäude ist für eine wirtschaftliche Unterbringung zu groß", erklärt Wahid Samimy, Pressesprecher des Justizministeriums, auf TV-Anfrage. "Auch nach einem Einzug von Arbeits- und Sozialgericht bestünde ein erheblicher Flächenüberhang." Weitere Justizbehörden kämen als Nutzer nicht in Betracht. Außerdem müsse das Haus saniert werden.
Die Konsequenz: Das Ministerium, das derzeit noch für das komplette Gebäude Miete an den Landesbetrieb Bau- und Liegenschaftsbetreuung (LBB) zahlen muss, hielt nach einem neuen Standort Ausschau und wurde in Trier-Ost fündig. Der Komplex der ehemaligen Landwirtschaftsschule an Egbert- und Hermes straße gehört der Triwo AG (siehe Extra). Das Gebäude Egbertstraße 18 soll künftig das Verwaltungsgericht beherbergen. "Derzeit laufen Verhandlungen, den Dienstsitz noch in diesem Jahr dorthin zu verlegen", sagt Samimy. Gut 1000 Quadratmeter Mietfläche stehen zur Verfügung, dazu Parkplätze.
Fachbereich wäre gebündelt


"Eine zufriedenstellende Lösung, wir bekommen funktionsgerechte Räume", sagt Georg Schmidt, Präsident des Verwaltungsgerichts.
Zwar ist der Standort etwas weiter von der Innenstadt entfernt, aber: "Bis zur Konstantin-Basilika sind es nur zehn Minuten Fußweg", hat Schmidt erkundet.
Nach dem Auszug wird das Gebäude Irminenfreihof 10 also komplett leer stehen. Dadurch wird eine alte Idee wiederbelebt: Die Fachhochschule (FH) möchte ihre Fachrichtung Architektur vom Campus Schneidershof gerne in die Innenstadt verlegen. Das scheiterte bisher an mangelnden Objekten.
Das ehemalige Finanzamt bietet viel Platz und liegt ideal: Nach den Modedesignern (Irminenfreihof), den Kommunikationsdesignern und den Innenarchitekten (Paulusplatz) würden die Architekten den Fachbereich Gestaltung komplettieren. Wo sich derzeit die Gerichtssäle befinden, könnte künftig eine kleine Mensa für den Fachbereich eingerichtet werden.
Der LBB ist dieser Idee gegenüber grundsätzlich nicht abgeneigt, wie Sprecher Markus Ramp signalisiert: "Bei Bedarf der FH können wir das Gebäude an diese vermieten. Es müsste brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Weitere Umbaumaßnahmen würden sich an den Anforderungen der FH orientieren."Extra

Die Trierer Immobiliengesellschaft Triwo hat die ehemalige Landwirtschaftsschule in Trier-Ost vor gut zwei Jahren vom Land gekauft. "Inzwischen haben wir die beiden Flachdachgebäude renoviert und an die Stadt vermietet", sagt Triwo-Vorstand Wilfried Biewer. Dort sind fünf Klassen des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums und das Kommunale Ausbildungsinstitut untergebracht. Die Polizeidirektion nutzt ein weiteres Gebäude bis zum geplanten Umzug ins neue Polizeipräsidium 2014. Danach will die Triwo dort Wohnungen bauen. "Das Gebäude für das Verwaltungsgericht werden wir bis zum Herbst komplett renovieren", kündigt Biewer an. Der Mietvertrag läuft über zwölf Jahre. cusExtra

Der Verwaltungsrechtsweg gilt für öffentlich-rechtliche Streitigkeiten. Beispielfälle: Baugenehmigung, Gaststättenerlaubnis, Demonstrationsverbot, Asyl anerkennung, Versetzung in der Schule. Der Bezirk des Verwaltungsgerichts Trier umfasst die Stadt Trier sowie die Landkreise Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel, Trier-Saarburg und Eifelkreis Bitburg-Prüm. Das Gericht ist für ganz Rheinland-Pfalz zuständig für Verfahren nach dem Landesdisziplinargesetz, dem Bundesdisziplinargesetz und dem Asylverfahrensgesetz.cus

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