Viez nach "Reinheitsgebot"

TRIER-PFALZEL. Missen möchte es kein Einheimischer. Und auch extra nach Pfalzel kommende Gäste sind überaus angetan von dem alljährlichen Viezfest.

Im Viez liegt "Wahrheit", wenn er beim Viezfest in Pfalzel hergestellt worden ist. Davon sind zumindest die neun "Viezmacher" überzeugt, die am Samstag an historischer Stätte am Kurfürstlichen Amtshaus in Pfalzel alle Hände voll zu tun hatten, um der regen Nachfrage nach frisch gekeltertem Viez nachzukommen. Einen Engpass in der Versorgung mit dem frisch-fruchtigen Getränk gab es nicht, denn Nachschub von zerkleinerten, typischen Viezäpfeln - rote und weiße Holzäpfel, Trierer, Eisenäpfel oder Erberhofer - wanderte gleich bottichweise in die stationäre Kelteranlage, die vor vielen Jahren vor dem Verfall gerettet und 1994 aufgestellt wurde. Die etwas größeren Erberhofer Äpfel ließen sich besser "räfen" (aufsammeln), weiß "Viezbruder" Alfred Heß.Ausschließlich Viezäpfel verwendet

Außerdem: "In Pfalzel gibt es kein ‚zames' Viezobst", was das knorrige Endprodukt charakterisiert. Wer weiß, ob es das Pfalzeler Viezfest in der gekannten Form noch heute gäbe ohne die stationäre Kelter, auf die die "Pfalzeler Gruppe Viez" so stolz schaut. Kleinere Probleme hatte es bei der Apfelbeschaffung gegeben, doch diese konnten rechtzeitig ausgeräumt werden. "Komisch, es gab dieses Jahr keine große Ernte", sagt Heß über die Apfel-Ausbeute in Pfalzel. Also lautet die Devise an der 1895 hergestellten Kelter: noch einmal nachlegen, noch den letzten Tropfen herausholen. Mit der "kleinen Sau" (zweifache Übersetzung der Kelter) seien noch gut zwei Eimer süßen Viez herauszuquetschen, wissen erfahrene "Kelterer": Dazu müsse die Kelter nur über Nacht stehen, sagt ein Viez-Vorarbeiter. Den Genießern schmeckts: "Oh, cool!", rufen die achtjährige Jana Drumm und die sechsjährige Johanna Beck aus. Sie dürfen mit Strohhalm direkt an der Kelter probieren. Dem Grundsatz, ausschließlich Viezäpfel zu verwenden und weder heimlich Birnenobst noch sonst was beizumischen, bleiben die "Viezbrüder" Alfred Heß, Hubert Knopp, Alfred Lautwein, Erich Engel, Heinz Teske, Ewald Knopp, Peter Emanuel, Rüdiger Frensch und Werner Pfeiffer stets treu. Für sie gilt das "Reinheitsgebot" beim Pfalzeler Viez. Auf "Stilles-Örtchen-Beschleuniger" legen die Pfalzeler eh keinen Wert, weil der echte, urige, wenn auch knorrige Geschmack für sie zählt.