Vorwurf: Mainz rechnet Klassen klein

Vorwurf: Mainz rechnet Klassen klein

In den Grundschulen Trierweiler und Welschbillig werden zum neuen Schuljahr weitere Klassenräume benötigt. Bei der Finanzierung fühlt sich die Verbandsgemeinde Trier-Land als Schulträger vom Land im Stich gelassen.

Trier-Lands Bürgermeister Wolfgang Reiland ist normalerweise kein Freund markiger Worte, aber am Mittwochabend schwoll ihm in der Sitzung des Verbandsgemeinderats der Kamm: "Ich habe keine Skrupel, das juristisch klären zu lassen. Sowas darf das Land nicht auf dem Rücken der Kommunen austragen."Was war passiert? Die Verbandsgemeinde (VG) Trier-Land fühlt sich bei der Finanzierung von neuen Klassenräumen an den Grundschulen in Trierweiler und Welschbillig von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier im Stich gelassen. Für Trierweiler hat die ADD einen 60-prozentigen Landeszuschuss für zwei Klassen in einem neuen Anbau in Aussicht gestellt. 40 Prozent der auf 280.000 Euro geschätzten Investition muss die VG als Schulträger übernehmen. Allerdings will sich Trier-Land seinen Anteil von Mainz zurückholen. Begründung: Das Land hat durch die Reduzierung der Klassenstärke von 28 auf 24 Schüler selbst den Raumbedarf hochgeschraubt und soll deshalb auch für die Mehrkosten aufkommen. "Es gilt das Konnexitätsprinzip", lautete der Tenor auch bei den Ratsfraktionen. Mit anderen Worten: Wer bestellt, der soll auch bezahlen!
Zumindest ein Klassenraum sei der Zunahme der Bevölkerung in Trierweiler geschuldet, räumt die Verwaltung ein. Ein zweiter sei ohne die vom Land angekündigte Neuquotierung der Klassenstärken nicht notwendig gewesen (zu den Schülerzahlen siehe Extra). Damit der Anbau am vorderen Gebäudeanteil in Richtung Straße möglichst zum neuen Schuljahr fertig ist, hat sich der Verbandsgemeinderat bereit erklärt, für die 40 Prozent ungedeckten Kosten "zum Wohl der Schüler" in Vorleistung zu treten. Der Rat hat die Verwaltung beauftragt, einen Landeszuschuss und die Baugenehmigung zu beantragen sowie die Arbeiten auszuschreiben.Knatsch mit der ADD zeichnet sich auch für eine zusätzliche Klasse ab, die die Grundschule Welschbillig ab dem kommenden Schuljahr bekommen soll. Die Schulbehörde bezweifle, so informierte der Bürgermeister den Rat, dass diese zusätzliche Klasse längerfristig gebraucht werde und wolle nichts von den geschätzten 15.000 Euro an Kosten übernehmen. Laut Reiland wird für mindestens acht Schuljahre eine fünfte Klasse benötigt (derzeit gibt es vier); für ein Schuljahr gebe es sogar einen Bedarf von sechs Klassen. Auch hier will der Verwaltungschef wie im Fall von Trierweiler notfalls die Gerichte anrufen, um das Land zu einer Kostenübernahme zu zwingen. Wo die neue Klasse in Welschbillig hinkommt, steht noch nicht hundertprozentig fest. Vorrangig käme das Erdgeschoss des ehemaligen Lehrerwohnhauses in Frage, hieß es in der Sitzung.
Extra: Anmeldungen

Grundschule Trierweiler: Derzeit werden dort 150 Schüler in acht Klassen unterrichtet. Verbindliche Anmeldungen für das neue Schuljahr: 47 (ohne eventuelle Kann-Kinder)Welschbillig: Derzeit 69 Kinder in vier Klassen, verbindliche Anmeldungen: 27 (ohne eventuelle Kann-Kinder) alf

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