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Wieder ein Schiffsunfall an Schweicher Brücke

Wieder ein Schiffsunfall an Schweicher Brücke

Die Schweicher Moselbrücke ist innerhalb von zwei Wochen erneut von einem Schiff gerammt worden. Der Tanker wurde schwer beschädigt - ein an Bord abgestelltes Auto landete im Wasser. Der Schiffsführer kam mit dem Schrecken davon. Schon am 22. Dezember war ein Tankschiff gegen die Brücke geprallt.

Schweich. Viel Glück im Unglück hatte am Dienstagmorgen der Rudergänger des belgischen Motorschiffs Zedenick. Als er den leeren 2000-Tonnen-Tanker gegen 7.30 Uhr vorschriftsmäßig unter dem mittleren Brückenbogen hindurchsteuern wollte, spielte die Physik von Wind, Wasser und Schifftechnik nicht mit. Bei hohem Pegelstand und starkem Wind geriet das hoch aus dem Wasser ragende und 110 Meter lange Schiff mit dem Ruderhaus zu nahe an den Brückenbogen und krachte gegen den Stahlbeton.
Sekunden später war der Aufbau nur noch ein Trümmerhaufen - ein dahinter abgestellter Geländewagen der Besatzung wurde heruntergerissen und verschwand in den Fluten. Ein zweites Besatzungsauto blieb stark demoliert an Deck zurück. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei Trier hatte sich der Mann am Ruder noch rechtzeitig vor dem herannahenden Brückenbogen wegducken können - er blieb unverletzt. Die anderen fünf Besatzungsmitglieder wurden von dem Getöse beim Frühstück hochgeschreckt. Wegen des versunkenen Autos musste der Schiffsverkehr zwischen Detzem und Mehring zunächst gestoppt werden. Zunächst durfte der Havarist bis zur Schleuse Detzem weiterfahren. Dort wartet er auf Experten, die über das weitere Vorgehen zu entscheiden haben. "Möglicherweise wird das Schiff mit einem Notruder bis zu einer Reparaturwerft weiterfahren dürfen", erklärt der Leiter der Wasserschutzpolizei Trier, Dietmar Esch. Er schätzt den Schaden an Schiff und Auto auf 50 000 bis 100 000 Euro.
Zunächst ließ der Landesbetrieb Mobilität Trier die Brücke sperren. Der Verkehr auf der L 141 wurde über die Longuicher Brücke umgeleitet. Nach einer Kontrolle konnte der Moselübergang um 10 Uhr wieder freigegeben werden. Kopfzerbrechen bereitete das versunkene Auto. Klaus Kürten vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA): "Bei der starken Strömung kann der Wagen schon weit abgetrieben sein. Zur Suche haben wir ein Sonargerät angefordert." Die Suche hatte Erfolg: Gegen 14.15 Uhr wurde das Fahrzeugwrack etwa 50 Meter unterhalb der Brücke geortet und mit dem Bagger des WSA-Arbeitsschiffs aus dem Wasser gezogen. Danach war der Schifffahrtsweg wieder frei.
Weitere Bilder zum Schiffsunglück
finden Sie im Internet unter volksfreund.de/extraExtra

Die Schweicher Brücke scheint in den vergangenen Wochen eine magische Anziehungskraft auf leere Tankmotorschiffe auszuüben. Kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, hatte ein Schweizer Tankschiff die Brücke gerammt (TV vom 23. Dezember). Der Unfall erfolgte fast an derselben Stelle des Brückenbogens wie beim jüngsten Unglück mit dem belgischen Tanker. Eine weitere Parallele: Auch das Schweizer Schiff ragte hoch aus dem Wasser, als es sich am Morgen des 22. Dezember bei starker Strömung auf der Fahrt moselabwärts befand und den Brückenbogen mit seinem Rumpf rammte. An der 61 Jahre alten Brücke hinterließ der Schiffsstahl bei diesem Unfall deutliche Kratzspuren. Wie nach dem Unfall am Dienstag wurde die Brücke zunächst komplett gesperrt. Später begrenzte die Straßenverwaltung die Belastungsgrenze der Schweicher Brücke auf 16 Tonnen. Diese Beschränkung gilt bis auf weiteres. Im Frühjahr ist eine eingehende Brücken inspektion vorgesehen. f.k.