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| 17:31 Uhr

Heimat & Geschichte
Im Archiv gekramt: Als Hochwasser in Trier noch „Land unter“  bedeutete

Abwarten und Viez trinken: Diese Aufnahme entstand beim Mosel-Hochwasser 1920 vor einer Gaststätte in St. Barbara (Trier-Süd).
Abwarten und Viez trinken: Diese Aufnahme entstand beim Mosel-Hochwasser 1920 vor einer Gaststätte in St. Barbara (Trier-Süd). FOTO: Stadtarchiv Trier
Trier. Historische Fotos aus dem Stadtarchiv zeigen: Vor dem Bau des Uferdamms um 1930 war Trier den Fluten hilflos ausgeliefert. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Hochwasser 2018: Bei  8,50 Metern war Schluss mit dem steigenden Pegel. Für die Bewohner der Trierer City gab es ohnehin keinen Grund zur Beunruhigung. Erst ab einem Pegelstand von rund zehn Metern wird’s wirklich brenzlig. Doch der wurde in den vergangenen 35 Jahren nur vier Mal übertroffen, zuletzt  am 23. Januar 1995 (10,33 m).

Passiert ist – nichts. Auch nicht am 21. Dezember 1993, als die Mosel auf 11,28 m stieg und damit den Höchststand seit der Kanalisierung in den frühen 1960er Jahren erreichte. Doch es war denkbar knapp: Wenige Zentimeter mehr, und die graubraune Flut wäre in die Stadt geschwappt. So wie es bis vor nicht einmal 100 Jahren in unschöner Regelmäßigkeit vorkam. Nachdem 1920, 1921 und 1925 die ufernahen Zonen rechts der Mosel teils tagelang unter Wasser gestanden und die Nachkriegs- und Inflationsnot der Bevölkerung noch weiter verschärft hatte, reagierte die Stadtverwaltung. Bis zu Beginn der 1930er Jahre entstand in mehreren Etappen der fast fünf Kilometer lange Uferdamm entlang des östlichen Ufers.

Dessen Fertigstellung dürften die Bewohner insbesondere von Zurlauben und des Maarviertels (Trier-Nord), des  Krahnengeländes (Altstadt) und des Barbaraviertels (Trier-Süd) wie die Erlösung von einer biblischen Plage empfunden haben. Für sie waren vollgelaufene Keller und feuchte Wohnbehausungen nichts Ungewöhnliches gewesen, denn es passierte alle paar Jahre wieder, bis endlich der Damm kam.

Die Investition in den Hochwasserschutz hat sich für die Stadt Trier bezahlt gemacht. Nur einmal – Silvester 1947 – konnte er die Moselfluten nicht in Schach halten. Der damalige Wasserstand von 11,39 m war der höchste seit Beginn der Pegelmessungen 1817.

Die Jahrhunderthochwasser von 1947 und 1993 waren aber ein Klacks gegenüber der Flut, die das Moselland anno 1784 heimsuchte. Der Trierer Privatgelehrte Ludwig Müller schildert die Katastrophe eindrucksvoll in seinem Tagebuch: Am 28. Februar 1784 sieht der Zeitzeuge von der Simeonskirche (Porta Nigra) aus buchstäblich kein Land mehr. Maar, Pauliner Flur, Zurlauben stehen ebenso unter Wasser wie Pfalzel und Ehrang. Auch der Pferdemarkt, tiefster Punkt der Stadt, ist überflutet. In ihren Häusern eingeschlossene Bewohner werden per Nachen mit Brot versorgt.

Vieh, Häuser, Brücken und Bäume reißt die „Sündfluth“ mit sich. Als das Wasser wieder sinkt, werden, so notiert Müller, „hin und wieder tote Menschen, hinter und in den Hecken liegend, gefunden“.

Experten gehen davon aus, dass die Mosel 1784 einen Pegelstand von mindestens 12,30 m erreicht hat  – rund ein Meter höher als bei den Rekordfluten des 20. Jahrhunderts.

In jüngerer Zeit kam Triers City glimpflich davon, wenn die Mosel über die Ufer trat. Die Fotos auf dieser Seite von den „vor dem Dammbau“-Hochwassern der 1920er Jahre veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Stadtarchivs Trier.

Ein Hauch von Venedig, auf den die Bewohner gerne verzichtet hätten: Vor dem Bau des Moseldamms um 1930 wurde die untere Krahnenstraße immer wieder von Fluten heimgesucht. Diese Aufnahme entstand 1920.
Ein Hauch von Venedig, auf den die Bewohner gerne verzichtet hätten: Vor dem Bau des Moseldamms um 1930 wurde die untere Krahnenstraße immer wieder von Fluten heimgesucht. Diese Aufnahme entstand 1920. FOTO: Stadtarchiv Trier
Beim Hochwasser 1921 erreichten die Moselfluten die Trierer Nordallee (hier gegenüber dem Brüderkrankenhaus).
Beim Hochwasser 1921 erreichten die Moselfluten die Trierer Nordallee (hier gegenüber dem Brüderkrankenhaus). FOTO: Stadtarchiv Trier
Mosel-Hochwasser 1921: die Maarstraße in Trier-Nord nahe der Pfarrkirche St. Martin.
Mosel-Hochwasser 1921: die Maarstraße in Trier-Nord nahe der Pfarrkirche St. Martin. FOTO: Stadtarchiv Trier
Nasses Fest: Zurlauben beim Mosel-Hochwasser an Weihnachten 1925.
Nasses Fest: Zurlauben beim Mosel-Hochwasser an Weihnachten 1925. FOTO: Stadtarchiv Trier
Vor dem Bau des Uferdamms  waren auch weite Teile der Trierer Südstadt den Moselfluten schutzlos ausgeliefert. Hier die Nikolausstraße beim Hochwasser 1920.
Vor dem Bau des Uferdamms waren auch weite Teile der Trierer Südstadt den Moselfluten schutzlos ausgeliefert. Hier die Nikolausstraße beim Hochwasser 1920. FOTO: Stadtarchiv Trier
Land unter am Rande der Altstadt: überflutetes Johanniter­ufer beim Hochwasser 1920. Da steht auch der 1773/74 erbaute jüngere der beiden Moselkräne in den Fluten.
Land unter am Rande der Altstadt: überflutetes Johanniter­ufer beim Hochwasser 1920. Da steht auch der 1773/74 erbaute jüngere der beiden Moselkräne in den Fluten. FOTO: Stadtarchiv Trier