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So wird die Welschnonnenkirche gerettet

Anton Wyrobisch, Präfekt der Marianischen Bürgersodalität, bittet um Unterstützung, damit die Welschnonnenkirche in Trier erhalten bleibt. TV-Foto: Katja Bernardy
Anton Wyrobisch, Präfekt der Marianischen Bürgersodalität, bittet um Unterstützung, damit die Welschnonnenkirche in Trier erhalten bleibt. TV-Foto: Katja Bernardy
Trier. Marodes Dach, keine Heizung, feuchte Mauern: Die Welschnonnenkirche ist vom Verfall bedroht. Der Eigentümer, die Marianische Bürgersodalität (MBS), hat einen Rettungsplan aufgestellt: Ein Benefiz-Konzert am Freitag, 28. Juni, um 19 Uhr, soll erste Spenden bringen. Wie beim Bau vor 300 Jahren müssen viele mithelfen, um das barocke Juwel zu erhalten. Katja Bernardy

Trier. Andächtig sitzt eine alte Dame in der Kirchenbank. Ein paar Meter weiter flackern Kerzen. Gläubige suchen immer mal wieder Zuflucht und Momente der Stille in der Welschnonnenkirche, dem Gotteshaus zwischen Flander-, Sichel- und Deworastraße in der Trierer Innenstadt. Das weiß Anton Wyrobisch. Der 65-Jährige lehrt nebenan im Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG) katholische Religion, und er ist der Präfekt, also der weltliche Chef, der MBS Trier (siehe Extra). Die Welschnonnenkirche ist Kongregationskirche der MBS und seit 1968 Eigentum der Vereinigung, die laut Wyrobisch mit ihren gut 400 Jahren die älteste in Trier überhaupt ist. "Dieses Gotteshaus ist ein wichtiger Zeuge des christlichen Lebens und der Bildungslandschaft in Trier", sagt der Theologe. Auf der Empore etwa steht das Originalchorgestühl der Schwestern, als hätten sie eben noch da gebetet.
Die Welschnonnen waren fortschrittlich und gleichberechtigt denkend: Die Ordensfrauen setzten sich entgegen dem Trend der damaligen Zeit für die Bildung von Mädchen und jungen Frauen ein. Genau diese Geschichte schätzt Marcell Hürtgen von der Kirchlichen Denkmalpflege im Bistum Trier sehr. Das Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Gotteshaus nennt er "barockes Kleinod". "Es wäre eine Schande, wenn dieser geistige und kulturelle Schatz verloren ginge", sagt der Bistumsarchitekt. Was bedroht die Kirche? "Es fallen Teile vom Dach, der barocke Dachstuhl und der Dachreiter müssen komplett erneuert und eine neue Heizung installiert werden", zählt Wyrobisch die dringlichsten Maßnahmen auf. An allererster Stelle müssen AVG-Schüler und Passanten vor herunterfallenden Dachteilen geschützt werden. Ein sicherheitgebender Fußgängertunnel ist von Vandalen zerstört worden. Die Stadt fordert mit einem Schreiben vom 11. Juni die MBS auf, innerhalb von drei Monaten für Sicherheit zu sorgen.
Das alles kostet. Die MBS feilt an einem "Rettungsplan", der ständig erweitert wird: Das Bistum Trier hat laut Hürtgen Gutachten in Auftrag gegeben und unterstützt die MBS durch fachliche Beratung - aber nicht finanziell. Die stellt Förderanträge, um Geld aus Töpfen für Denkmalpflege zu erhalten, und sammelt Spenden. AVG-Schüler haben einen Flyer "Wir brauchen Ihre Hilfe - Welschnonnenkirche Trier" entworfen. Am Freitag, 28. Juni, um 19 Uhr findet in dem denkmalgeschützten "barocken Juwel", wie Wyrobisch die Kirche nennt, ein Benefizkonzert statt. Gemeinsam mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Trier, der Ungarisch-Deutschen Gesellschaft Trier und der AVG-Projektgruppe "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" (der TV berichtete) lädt die MBS zu dem Konzert unter der Leitung von István Dénes mit Evelyn Czesla, Gor Arsenyan und László Lukáccs mit Stücken von Bach bis Rossini ein .
Der Präfekt rechnet damit, dass die Sanierung der Kirche rund 800 000 Euro kosten und das Projekt zehn Jahre dauern wird. Sein Preisgeld von 1000 Euro, dass Wyrobisch für sein Engagement für das "denkmal aktiv"-Projekt am AVG erhielt, hat er selbstverständlich in die Sanierung der Welschnonnenkirche gesteckt. "Wir brauchen viel Unterstützung", sagt er, während er die Tür der einzig vollständig erhaltenen hochbarocken Kirche in Trier schließt.
Extra

Die Marianische Bürgersodalität (MBS) Trier wurde 1610 gegründet. Ziel ist es, den christlich-katholischen Glauben zu vertiefen mit dem Schwerpunkt der Marienverehrung. Sie zählt zu den Apostolischen Kongregationen, also den päpstlich anerkannten Gemeinschaften. Im vergangenen Jahr hat die Trierer Männerkongregation erstmalig Frauen aufgenommen. Somit zählen zurzeit 50 Männer und zehn Frauen zur MBS Trier. kat