Rom/Trier: Trierer Bischof Ackermann weist Kritik von Opferinitiative zurück

Rom/Trier : Trierer Bischof Ackermann weist Kritik von Opferinitiative zurück

Im Vatikan hat ein viertägiger Kongress zum Thema Missbrauch in der Kirche begonnen. Regionale Betroffene haben den Glauben an eine ehrliche Aufarbeitung längst verloren.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann erwartet von dem gestern begonnenen Anti-Missbrauchsgipfel in Rom, dass es vor allem um die Opfer gehen müsse und nicht um das Ansehen der Kirche. „Das wäre aus meiner Sicht ein ganz wichtiger Schritt“, sagte der 55-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Auf die Frage, warum er als kirchlicher Missbrauchsbeauftragter nicht an dem viertägigen Kongress teilnimmt, sagte Ackermann, jetzt seien die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen  gefragt. Für die deutschen Bischöfe nimmt der Münchner Kardinal und ehemalige Trierer Bischof Reinhard Marx am Anti-Missbrauchsgipfel teil.

Papst Franziskus forderte zu Beginn von den Spitzen der katholischen Kirche „konkrete und wirksame Maßnahmen“. „Das Volk Gottes schaut auf uns und erwartet von uns keine einfachen und vorhersehbaren Verurteilungen“, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in der Synodenaula des Vatikans. „Hören wir den Schrei der Kleinen, die Gerechtigkeit verlangen.“

An dem Treffen nehmen bis Sonntag neben den etwa 110 Chefs der Bischofskonferenzen auch Vertreter der römischen Kurie und von Orden teil. Vier Männer und eine Frau berichteten zum Auftakt am Donnerstag per Videoaufzeichnungen über ihr Leiden und ihre Forderungen an die Kirche. Als besonders verletzend und traumatisch  – neben dem Missbrauch an sich – schilderten alle die Tatsache, dass Bischöfe und Ordensobere ihnen nicht geglaubt haben.

„Das Erste, was sie taten, war, mich als Lügner zu behandeln, sich umzudrehen und zu behaupten, ich und andere seien Feinde der Kirche“, kritisierte ein Mann aus Südamerika. Zugleich warnte er vor „falscher oder erzwungener Vergebung“; auch forderte er die Kirchen-Verantwortlichen zur Zusammenarbeit mit Behörden auf.

Die Trierer Opfervereinigung MissBit kritisierte den Kirchenkongress als „Aufmerksamkeitsmanöver“, mit dem der Vatikan die Kontrolle über das Thema behalten wolle. „An konkreten Ergebnissen erwarten wir eigentlich nichts mehr“, sagte MissBit-Sprecher Thomas Schnitzler unserer Zeitung. Seit zehn Jahren befassten sich auch die Bischofskonferenzen mit dem Thema  – „und herausgekommen ist nichts“, sagte Schnitzler, der als Kind von einem Priester in Trier missbraucht wurde.

Der von MissBit zuletzt scharf kritisierte Trierer Bischof kündigte an, die Opfer bei allen Maßnahmen, zu denen sich die Bischöfe verpflichtet hätten, einzubeziehen. Er selbst habe seit vielen Jahren Kontakt mit Betroffenen – „im persönlichen Gespräch, brieflich und telefonisch“, sagte Stephan Ackermann unserer Zeitung. Die Opferinitiative hatte unlängst kritisiert, dass nicht mit den Betroffenen über die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals  gesprochen werde.

Allein im Bistum Trier sind in den Personalakten seit 1946 insgesamt 148 Priester wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Betroffen waren insgesamt 442 Opfer, davon 252 männlich.

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