Frühstücken für die Nächstenliebe

Frühstücken für die Nächstenliebe

RETTERATH. (bb) Seit dem Jahr 2000 hat die Pfarrgemeinde St. Remigius knapp 30 000 Euro für das Amani-Kinderdorf-Projekt im afrikanischen Tansania zusammengetragen. Ein Baustein ist das alljährliche Frühstück nach der Rorate-Messe im Advent. Daran nahmen in diesem Jahr die Gründer und Leiter des Kinderdorfs, Ursula Lettgen und Evarist Lyimo, teil.

Der Advent solle eine Zeit der Umkehr sein, sagte Pastor Rudolf Heck in seiner Predigt im Rorate-Gottesdienst in Retterath. Er appellierte an die Menschen in der gut gefüllten Kirche, im Advent bewusst die Stille zu suchen und Abstand vom Alltag zu gewinnen. "Dann haben wir Kraft und Güte, um Jesu Liebe weiter zu schenken", erklärte der Priester. Und wie für eine Rorate-Messe üblich, fand sie früh am Morgen statt. Der Kirchenraum war nur von Kerzen erleuchtet, und es war besonders feierlich.100 Kinder in einer Klasse - und unmotivierte Lehrer

Die Liebe Jesu weiter schenken - das hat für die Retterather seit einigen Jahren eine ganz konkrete Bedeutung: Seit dem Jahr 2000 unterstützen sie den Aufbau und den Unterhalt einer Einrichtung für Waisenkinder in Tansania. Die Idee zu dem "Amani-Kinderdorf" hatte der Katechist Evarist Lyimo. Er lernte Ursula Lettgen kennen, die aus einer Kleinstadt am Niederrhein kommt und seit den 70er Jahren in Lirstal bei Retterath ein Ferienhaus hat, als diese im Rahmen der Partnerschaft ihrer Heimatpfarrei nach Tansania reiste. Lyimo erzählte der Frau aus Deutschland von seinem Plan, ein Kinderdorf zu gründen, und Ursula Lettgen ließ sich begeistern. Während Lyimo vor Ort den Kontakt zum zuständigen Bischof knüpfte, machte Ursula Lettgen sich in Deutschland auf die Suche nach finanzieller Unterstützung. Im Aachener Kindermissionswerk fand sie einen geeigneten Partner, in der Pfarrei Retterath stieß sie auf offene Ohren und gebende Hände. Inzwischen besteht das Amani-Kinderdorf aus fünf Häusern, in denen insgesamt 62 Kinder mit jeweils einer Hausmutter und einer Helferin leben. Die Häuser, deren zweites "Eifelhaus" heißt (der TV berichtete), sind von Feldern und Gärten zur Selbstversorgung umgeben. Alle Kinder besuchen die Schule im zwei Kilometer entfernten Dorf. "Aber der Unterricht ist nicht gut," berichten Ursula Lettgen und Evarist Lyimo den etwa 75 Pfarrangehörigen, die nach der Messe zum Frühstück und zum Vortrag ins Pfarrheim Retterath gekommen sind. "Es sind 100 Kinder in einer Klasse, und die Lehrer sind unmotiviert, weil sie schlecht bezahlt werden", erklären die beiden. Daher erhielten alle Amani-Kinder Nachhilfeunterricht durch Fachkräfte. Seit kurzem gehöre ein Kindergarten zu der Einrichtung. Und seit vier Monaten gebe es einen neuen Leiter. "Denn Lyimo und ich sind dabei, 80 Kilometer entfernt vom ersten Kinderdorf ein zweites zu gründen", sagt Ursula Lettgen. Das 15 Hektar große Grundstück sei ihnen von der Regierung geschenkt worden.Patenschaften für zehn Euro im Monat

Von der Unterstützung durch die Eifelpfarrei sind die beiden überaus angetan. Der vorherige Pastor Peter Alt habe sich für das Projekt stark gemacht, und der jetzige Pastor Rudolf Heck sei ebenfalls überzeugt von der Idee. Neu sei, so erklären Lettgen und Lyimo, dass man in Zukunft Waisenkinder mehr als bisher in Familien unterbringen wolle, wenn möglich bei Verwandten. Diese sollten dann finanziell unterstützt werden. Für zehn Euro im Monat könnten Patenschaften übernommen werden. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Ingrid Werber, sagte dem Trierischen Volksfreund, dass bisher knapp 30 000 Euro aufgebracht worden seien. Das Geld stamme aus Spenden sowie aus Aktionen am Dreikönigstag, in der Fastenzeit, aus dem alljährlichen Hungermarsch an Christi Himmelfahrt und - jetzt zum sechsten Mal - aus dem Erlös des Frühstücks, zu dem die Mitglieder des Pfarrgemeinderats nach der Rorate-Messe im Advent einladen.

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