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Hammerhart, Frau Lehrerin!

Hammerhart, Frau Lehrerin!

Judith Wirth von der Realschule Daun startet beim Ironman auf Hawaii, der Triathlon-Weltmeisterschaft. Vor gut zwei Jahren war das auch für sie selbst noch undenkbar.

Daun Es klingt alles irgendwie unwirklich, und ist doch real. "Ja, es ist eigentlich total verrückt", sagt auch Judith Wirth und meint damit die vergangenen beiden Jahre. In denen hat es die Dauner Realschullehrerin (nicht Sport, sondern Biologie und Chemie) geschafft, zu einer der besten und härtesten Sportlerinnen Deutschlands zu werden.
Angefangen hat alles vor gut zwei Jahren, als sie ihren Freund zum legendären Ironman-Triathlon nach Roth bei Nürnberg begleitet hat - um ihn zu unterstützen, anzufeuern. "Die Stimmung dort war so gigantisch, dass ich mir gesagt habe: Das will ich auch mal erleben. Damals habe ich mir wohl den Triathlon-Virus eingefangen", erinnert sich die heute 31-Jährige. Da aber die Startplätze meist in wenigen Tagen vergeben sind, "habe ich mich dann direkt fürs Jahr drauf angemeldet - und danach oft über die Entscheidung geflucht, aber sie letztlich nie bereut", sagt Judith Wirth.
Für all diejenigen, die nicht so recht einordnen können, was es bedeutet, einen Ironman zu absolvieren, hier noch mal die einzelnen Daten: Zunächst gilt es, in einem offenen Gewässer 3,8 Kilometer zu schwimmen. Das entspricht 152 Bahnen im Schwimmbad. Dann geht es aufs Rennrad, mit dem 180 Kilometer zurückzulegen sind. Also beispielsweise von Daun bis Koblenz und dann noch 30 Kilometer drangehängt.
Abschließend gilt es noch, die Kleinigkeit eines Marathons, also gut 42 Kilometer, zu laufen - was an sich ja schon eine Herausforderung darstellt, die viele niemals schaffen würden.
Das Ganze hat Judith Wirth in Roth nach einem sehr harten Jahr Vorbereitung mit unzähligen Stunden im Schwimmbad, auf dem Rad und in Laufschuhen geschafft - was ihr selbst immer noch etwas unwirklich vorkommt, denn: "Mein Freund hat mir erst einmal das Kraulschwimmen beigebracht, und auf einem Rennrad mit Klickpedalen habe ich zuvor auch noch nie gesessen. Die ersten drei Ausfahrten hatte ich dann auch immer einen Sturz, weil ich an der Ampel nicht rechtzeitig aus den Pedalen kam.
Und beim Laufen war ich zuvor nur lockeres Joggen gewohnt", berichtet die Frau, die nach eigener Einschätzung von ihrem Nebenjob als Fitnesstrainerin (vier Mal die Woche), ihrer Zähigkeit ("Ich denke, ich kann mich ganz gut quälen.") und ihrem Willen ("Ja, ich bin auch schon ehrgeizig und kann mich auf eine Sache konzentrieren.") profitiert. Und, wie sie betont, dem Glück, dass sie verletzungsfrei geblieben sei. Sie hat sich in wöchentlich bis zu 25 Trainingsstunden (durchschnittlich vier am Tag) durchgebissen und es gepackt. Und nun ihre zweite Langdistanz (Extra) in Maastricht (NL) absolviert.
Und wie: als sechstschnellste Frau und beste deutsche Starterin. "Es lief einfach alles super, ein Traum geht in Erfüllung." Denn damit hat sie das Ticket für die legendäre WM auf Hawaii gelöst, wo sie gemeinsam mit Jan Frodeno und Sebastian Kienle und all den anderen Weltklasseathleten ins Wasser steigen wird: "Am 14. Oktober", wie sie genau weiß.
Tags drauf enden zwar die Herbstferien, "aber mein Chef, der das alles auch ganz toll findet und mich unterstützt, hat mir drei Tage Sonderurlaub zugebilligt, sodass ich erst wieder am Donnerstag zum Unterricht muss."
In der Schule hat sich die Nachricht von der supersportlichen Lehrerin natürlich schnell verbreitet. "Die Kinder kommen auf mich zu und sagen voll krass, cool, super und wollen genau wissen, was man da alles machen muss. Vor allem die Jungs und Mädels aus unserer Radsportgruppe sind total interessiert", berichtet sie und will daher nun auch unbedingt eine Schüler-Triathlon-Gruppe aufmachen.
Und wie schätzt sich die Eisenfrau als Lehrerin ein? Ist sie da genauso hart und unbarmherzig zu den Schülern wie gegen sich selbst? "Von Kuschelpädagogik halte ich nicht viel. Ich fordere von meinen Schülern schon eine gewisse Leistung und kann auch streng sein. Ich versuche aber nichts einzufordern, was ich nicht selber vorlebe."
Auf den Einwand, dass sich das aus dem Mund einer Extremsportlerin ziemlich hart anhört, entgegnet die lockere und so gar nicht verbissen wirkende 31-Jährige: "So schlimm kann's ja nicht sein, schließlich haben mich die Schüler fünf Jahre lang als Vertrauenslehrerin gewählt."
Wie schlimm es auf Hawaii wird, wo meist hohe Temperaturen herrschen und starke Winde wehen, kann sie noch nicht genau einschätzen, aber sie vertraut auf ihre Stärken und die gute Vorbereitung: "Ich weiß, was ich kann." Dabei dürfte es für sie gar nicht so einfach werden, sich 100-prozentig auf den Wettkampf zu konzentrieren, denn da steht ja auch noch ein anderer, gar nicht mal so unwichtiger Termin an.
"Ich habe gerade meinen Freund geheiratet, und nun fliegen wir gleich zu Beginn der Herbstferien nach Hawaii, um dort unsere Flitterwochen zu verbringen", sagt Judith Wirth.
Sie ist aber zuversichtlich, dank ihres guten Zeitmanagements alles gut hinzubekommen und meint: "Da wir erst um 16 Uhr heirateten, war morgens noch Zeit für eine Schwimmeinheit und danach ging es direkt zum Friseur. Da bin ich dann ganz Mädchen."Extra: VARIANTEN DES TRIATHLONS:

Hammerhart, Frau Lehrerin!
Foto: (e_daun )


Volkstriathlon: 300-750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen Sprintdistanz: 750/20/5 Olympische Distanz: 1,5/40/10 Mitteldistanz: 1,9/90/21 Langdistanz: 3,8/180/42